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News, 19.03.2015
Digitalisierung der Personalbeschaffung
Recruiting Trends und Bewerbungspraktiken im Mittelstand
Die Fachkräftemangel bleibt im Mittelstand eine große Herausforderung: Einer Studie nach wird mehr als jede dritte vakante Stelle in diesem Jahr nur schwer oder gar nicht zu besetzen sein. Wichtigster Recruiting-Kanal ist das Internet, wobei sich hier bei den von Stelleninteressierten und Arbeitgebern präferierten Bewerbungsformen eine deutliche Kluft auftut.
Rund zwei Drittel aller Stellenbesetzungen in deutschen Unternehmen werden mittlerweile online angebahnt.
Rund zwei Drittel aller Stellenbesetzungen in deutschen Unternehmen werden mittlerweile online angebahnt.

Computerbasierter, standardisierter und so weit wie möglich automatisierte Bewerbungs- und Bewerberauswahlprozesse – der Trend in Personalabteilungen geht mehr und mehr in Richtung Robot Recruiting. Während jedoch auf Seiten der Arbeitgeber die Standardisierung von Recruiting-Prozessen und hier zum Beispiel leicht zu verarbeitende Formular-Bewerbungen immer populärer werden, steht das Gros der Stellensuchenden dieser Bewerbungsform dagegen eher kritisch gegenüber. Das geht aus neuesten Erhebungen zu den Studienreihen „Recruiting Trends“ und „Recruiting Trends im Mittelstand“ „Bewerbungspraxis 2015“ des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universität Bamberg in Zusammenarbeit mit dem Karriereportal Monster.de hervor. Zugleich wird es für Unternehmen immer wichtiger, auf die Bedürfnisse von Arbeitnehmern einzugehen. Darin sind sich die meisten Arbeitgeber einig, wie die Studien zeigen, demnach die Themen Mitarbeiterbindung und Employer Branding, sprich ein hohe Arbeitgeberattraktivität und starke Arbeitgebermarke, die meistgenannten Themenfelder auf den Personal-Agenden darstellen.

E-Mail-Bewerbung bei Bewerbern klarer Favorit

Ein standardisiertes Formular, objektive Vergleichsmöglichkeiten, eine einfache Übertragung in das interne System – Formularbewerbungen erlauben es Arbeitgebern, sich einen schnellen Überblick über den Bewerber zu verschaffen. Entsprechend stehen sie speziell bei großen Unternehmen hoch im Kurs. So ziehen von den tausend größten deutschen Unternehmen 72,3 Prozent die Bewerbung via Formular allen anderen Bewerbungsformen vor. Damit hat sich der Anteil der befragten Unternehmen, die auf Formular-gestützte Bewerbungen setzen binnen von zwei Jahren mehr als dreifacht: 2012 hatte diese Bewerbungsform nur gut ein Viertel der Großunternehmen (22,3 %) favorisiert. Auf Seiten der Beschäftigten trifft diese Bewerbungsform dagegen auf wenig Gegenliebe: Hier würden sich bei freier Wahl nur 8,9 Prozent für diesen Bewerbungsweg entscheiden – knapp sieben Prozentpunkte mehr als noch im Jahr 2012 (2,0 %).

Umgekehrt das Bild bei der E-Mail-Bewerbung. Sie bleibt bei Stellensuchenden der klare Favorit und hat mit 79,5 Prozent an Nennungen in der Beliebtheit weiter zugelegt (2012: 74,4 %). Anders bei den Unternehmen: Hier ist die E-Mail-Bewerbung mittlerweile nur noch  bei 22,2 Prozent die präferierte Bewerbungsform. 2012 waren es noch 32,3 Prozent, die Bewerbungen per E-Mail den Vorzug gaben. Die klassische papierbasierte Bewerbung auf Postweg ist dagegen out: Sie findet sowohl auf Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerseite mit 2,2 Prozent beziehungsweise 8,7 Prozent an Nennungen inzwischen kaum mehr Unterstützer (2012: 4,0 bzw. 12,6 %).

„Die Bewerbungspraxis 2015 zeigt klar, dass Bewerber gegenüber Standardformularen skeptisch sind. Meist herrscht die Sorge vor, in automatisierten Systemen unterzugehen oder aufgrund kleiner Lücken im Lebenslauf sofort aus dem System zu fallen“, erklärt Bernd Kraft, Vice President General Manager CE bei Monster. „Haben Jobsuchende das Gefühl, Job und Unternehmen passen zu ihrem Profil, sollten sie sich nicht von einer Formularbewerbung abschrecken lassen. Gleichzeitig ist es an den HR-Abteilungen Bewerbern Hilfestellungen zu geben, damit spannende Talente nicht aufgrund von Formfehlern ausgeschlossen werden oder gar den Formularbewerbungen von Anfang eine Absage erteilen. Hier haben wir bereits einen erfreulichen Trend beobachtet, hin zu mehr offenen Textfeldern sowie mehr Raum für Persönlichkeit und Individualität.“  

Bedarf an neuem Personal bleibt hoch


Wie die Studie „Recruiting Trends 2015“ ergab, setzt sich der Job-Boom fort. So erwartet jedes zweite deutsche Unternehmen, Ende des Jahres mehr Mitarbeiter zu beschäftigten als 2014. Großes Hemmnis, das es bei der Besetzung offener Stellen zu überwinden gilt, bleibt aber auch in diesem Jahr der Fachkräftemangel. Dieser wird nach einer auf den Studienergebnissen basierenden Prognose bewirken, dass voraussichtlich 34,1 Prozent der zu besetzenden vakanten Stellen nur schwer und jede zwanzigste Stelle (5 %) überhaupt nicht besetzt werden können.

Wichtigster Recruiting-Kanal ist das Internet:  Hier werden von  fast allen Unternehmen offene Stellen ausgeschrieben. An erster Stelle bei der Veröffentlichung von Stellenangeboten steht die eigene Website. Dort schreiben neun von zehn befragten Unternehmen vakante Stellen aus. Auch Jobportale sind fester Bestandteil  im Recruiting-Kommunikationsmix. Sie nutzen ergänzend zur eigenen Website sowie zu Zeitungen und Magazinen 70 Prozent der Unternehmen für Stelleninserate. In diesem Kontext zeigt ein weiteres Ergebnis, wie wichtig das Internet für Unternehmen personalpolitisch mittlerweile ist. So ergab die Studie, dass bereits im Mittel der befragten Unternehmen jeweils 37,3 Prozent der Neueinstellungen über Stellenbörsen und Veröffentlichungen auf eigene Website resultieren.

Rekrutierung via Social und Mobile


Smartphones und Tablets sind gängige Kommunikations- und Informationsmedien bei der Stellensuche. Etwa acht von zehn der befragten Unternehmen sind der Ansicht, dass die zunehmende Nutzung von mobilen Endgeräten in Zukunft einen großen Einfluss auf die Rekrutierung haben wird. Vor allem Großunternehmen sehen hier der Studie nach verstärkten Handlungsbedarf, demnach drei Viertel eine Ansprache über Smartphone, Tablets & Co. als sinnvoll erachten. In diesem Kontext erwartet mehr als die Hälfte, dass sich Stelleninteressierte künftig vermehrt über mobile Kanäle bewerben werden.

Auch Social Media nimmt in der Recruiting-Strategie inzwischen einen festen Platz ein. So bewerten 64,2 Prozent der Unternehmen die Kommunikation in Facebook, Google plus & Co. in Sachen Recruiting und Employer Branding als positiv. Mehr als die Hälfte haben Social Media-Aktivitäten bereits mit anderen Personalbeschaffungsaktivitäten abgestimmt (54,3 %). Rund ein Drittel hat eine explizite Social-Media-Rekruitierungsstrategie eingeführt (32,3 %) und einen entsprechenden Redaktionsplan definiert (35,4 %).

Die wichtigsten Personalthemen im Jahr 2015 sind aus Sicht der tausend größten Unternehmen in Deutschland unternehmensübergreifend der Demographischer Wandel, Fachkräftemangel (“War for Talents”) und Social Media. Was eigene personalpolitische Maßnahmen angeht, bilden die Themen Mitarbeiterbindung, die Stärkung der Arbeitgeberattraktivität und Arbeitgebermarke ("Employer Branding") sowie das Prozessmanagement und die Strategieimplementierung die Top 3.

„Die Studien Recruiting Trends und Bewerbungspraxis 2015 zeigen, in welchen Bereichen Unternehmen und Bewerber unterschiedlicher Meinung sind und wo Kommunikationsbedarf besteht – vor allem die Formularbewerbung sticht hier hervor", so Studienleiter Prof. Dr. Tim Weitzel vom Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universität Bamberg, Leiter des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik. "Basierend auf den ermittelten Zahlen und der Entwicklung in den letzten Jahren liegt der Schluss nahe, dass automatisierte Bewerbungsprozesse in Zukunft weiter zunehmen werden.“

Die Studien „Recruiting Trends 2015“, „Recruiting Trends im Mittelstand 2015“ und „Bewerbungspraxis 2015“ stehen kostenlos zum Download zur Verfügung.

cs/Monster

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