VOLLTEXTSUCHE
News, 29.05.2008
Bildung und Beruf
Quo vadis, Meetingkultur? Was in Meetings regelmäßig schiefläuft...
Wer kennt sie nicht: Ineffiziente Meetings, deren Ergebnisse sich nicht selten unter der Überschrift zusammenfassen lassen „Hauptsache, wir haben wieder mal geredet“. Am Ende bleibt bei oft nur Frust über die verlorene Arbeitszeit, die man anderweitig viel produktiver hätte nutzen können und nun fehlt, sowie gerötetes Sitzfleisch. In einer neuen Studie haben Forscherinnen nun die vorherrschende Meetingkultur genauer unter die Lupe genommen.
Gemeinsame Zieldefinition statt Zielvorgabe, selbst bestimmte Arbeit mit einem Höchstmaß an Gestaltungsspielraum statt einengender Arbeitsvorgaben, flache Hierarchien und Kooperation anstelle von Diktat: Was heutzutage, nicht zu unrecht, als moderne Art der Unternehmensführung gilt und darauf ausgerichtet ist, die Leistungsfähigkeit zu stärken, hat aber auch eine Kehrseite. „Entscheidungen, die in früheren Zeiten von Vorgesetzten getroffen und ohne Diskussion an die unteren Ebenen durchgereicht wurden, sollen nun in Mitarbeiterbesprechungen fallen“, schreibt die Hans-Böckler-Stiftung. In der Praxis führe dies jedoch nicht selten zu Verdruss. In einer Studie für die Hans-Böckler-Stiftung haben Annegret Bolte, Judith Neumer und Stephanie Porschen vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) die Kehrseite der "Meeting-Euphorie" untersucht und nun beschrieben.

Wenngleich die Forscherinnen Meetings dem Bericht zufolge nicht grundsätzlich als überflüssig erachten, müssten diese dennoch gezielter eingesetzt werden als das oft geschehe. Auch seien Meetings nicht das „Allheilmittel für alle Fragen der Kooperation und Koordination", für das sie viele Unternehmen halten. Wie verschiedene Fallstudien der Forscherinnen in mehreren Industriebetrieben unterschiedlicher Größen und Branchen belegten, ließen sich viele Abstimmungsprozesse effektiver bewältigen. So werden der Studie zufolge die Vorteile "informeller Kooperation" gegenüber formalisierten Meetings oft unterschätzt. Die Hans-Böckler-Stiftung hat zusammengefasst, welche Defizite die Forscherinnen insgesamt im Hinblick auf die Meetingkultur ausgemacht haben.

1. Unzureichende Vorbereitung

Effektive Meetings verlangen von den Teilnehmern eine gute Vorbereitung: Tagesordnung festlegen, Unterlagen zusammenstellen, Fragen und Probleme formulieren. Das kostet Zeit im Vorfeld, verkürzt aber die eigentliche Besprechung. Hapert es an der Vorbereitung, zieht sich das Meeting in die Länge: Ohne klar eingegrenztes Thema kommen die Gesprächsteilnehmer schnell vom Hundertsten ins Tausendste. Stehen nicht alle benötigten Informationen zur Verfügung, bleiben die Ergebnisse oft vage - womit das nächste Meeting programmiert ist.

2. Mangelnde Entscheidungskompetenz der Teilnehmer

Je mehr Experten sich zu einem Problem äußern, desto mehr Details können bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden - falls überhaupt eine Entscheidung fällt. So beleuchteten Meetings der Studie zufolge zwar viele Aspekte des jeweiligen Themas, blieben aber dennoch oft wirkungslos, weil sich die Teilnehmer nicht über ihre Entscheidungsbefugnisse im Klaren sind. Im Zweifel wird beschlossen, noch mehr Informationen einzuholen und die Entscheidung aufs nächste Meeting zu vertagen. Am Ende verlassen die Beteiligten den Besprechungsraum mit neuen Problemen - anstatt der Lösungen, die sie sich erhofft hatten. Daher sei es wichtig, vorher genau zu überlegen, wer zu einem Meeting eingeladen wird: nach Möglichkeit nur die Kollegen, die direkt betroffen und mit den nötigen Entscheidungskompetenzen ausgestattet sind.

3. Abschieben von Verantwortung

Viele Meetings dienen nur zur Absicherung von Entscheidungen. Gerade in Unternehmen, deren Management eine "Null-Fehler-Toleranz" zum Leitbild erhebt, scheuen sich Mitarbeiter, allein die Verantwortung für ihre Arbeit zu übernehmen. Aus Angst etwas falsch zu machen berufen sie ein Meeting nach dem anderen ein, um sich ihre Vorschläge von den Kollegen absegnen zu lassen und die Verantwortung damit auf mehr Schultern zu verteilen.

4. Kontroll- statt Beteiligungsinstrument

Die Forscherinnen haben beobachtet, dass eine wichtige Funktion des Meetings darin bestehen kann, die Arbeit der Beschäftigten für das Management kontrollierbar zu machen. Protokolle und für die Teambesprechungen erstellte Dokumentationen sollen den Vorgesetzten Einblick in die "selbstgesteuerten Arbeitsformen" verschaffen. Sobald Angehörige unterschiedlicher Hierarchieebenen teilnehmen, verlieren die Besprechungen aber schnell jeden kooperativen Charakter. Besonders wenn Vorgesetzte die Zeit nutzen, um Monologe zu halten oder einzelne Mitarbeiter zurechtzuweisen - und die eigentlichen Experten nicht zu Wort kommen.

5. Schaukampf statt Kooperation

Meetings sind oft ein Betätigungsfeld für Selbstdarsteller und bieten eine Arena, in der Konkurrenzkämpfe ausgefochten werden. Statt gemeinsame Positionen und Strategien zu entwerfen, stehen oft persönliche Auseinandersetzungen im Vordergrund, so die Analyse: "Wer ist der Stärkere? Wer gewinnt den nächsten Schlagabtausch?" Manche Beschäftigten entwickelten eine "regelrechte Meetingangst", so die Wissenschaftlerinnen.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

WEITERE NEWS AUS DIESER KATEGORIE
NACHRICHTEN AUS ANDEREN RESSORTS
SUCHE
Volltextsuche





Profisuche
Anzeige
PRESSEFORUM MITTELSTAND
Pressedienst
LETZTE UNTERNEHMENSMELDUNGEN
BRANCHENVERZEICHNIS
Branchenverzeichnis
Kostenlose Corporate Showrooms inklusive Pressefach
Kostenloser Online-Dienst mit hochwertigen Corporate Showrooms (Microsites) - jetzt recherchieren und eintragen! Weitere Infos/kostenlos eintragen
Anzeige
BUSINESS-SERVICES
© novo per motio KG