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Kolumne
Attention, please!, 17.05.2011
Public Relations
Was der Facebook-PR-Flop in Sachen Ethik lehrt
Kürzlich gab es nicht nur für Facebook ein absolutes PR-Desaster: Der Versuch des Social Network-Giganten, mithilfe der PR-Agentur Burson-Marsteller eine Schmutzkampagne gegen Google durchzuführen, schadet auch der PR-Branche. Selbst verschärfte Ehrenkodizes werden das Branchenimage jedoch nicht aufbessern, solange PR-Beratern Umsätze wichtiger als Verantwortung sind.
„Verpackungskünstler“, „Illusionsexperten“, „Täuscher“, „Wirklichkeitsverdreher“ oder „Meinungsmanipulatoren – was die Bevölkerung von PR-Beratern hält, zeugt per se nicht von einem hohen Ansehen der Kommunikationsspezialisten. Und jetzt der Facebook-PR-Flop. Das Social-Network-Unternehmen hatte Burson-Marsteller, weltweit eine der größten PR-Agenturen, beauftragt, den Suchmaschinen-Riesen Google mit Ruf schädigenden Artikel massiv zu attackieren. Doch ein Starblogger ließ sich nicht manipulieren und machte die Kampagne publik. Dumm gelaufen! Für Facebook! Für Burson-Marsteller! Und für die gesamte PR-Branche! Denn einmal mehr muss die Öffentlichkeit glauben, den Agenturen sei jedes Mittel reicht, um ihre Ziele zu erreichen. Hauptsache, die Umsätze stimmen.

Seit langem gibt es für die PR-Branche Ethik-Kodizes, national wie international. Doch einmal mehr zeigt sich der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Denn zwischen den postulierten Leitsätzen und Selbstverpflichtungen und dem tatsächlichen PR-Alltagsgeschäft tut sich immer wieder eine tiefe Kluft auf, wie etwa Petra Pracht bereits vor 20 Jahren in einer wissenschaftlichen Untersuchung konstatierte. Kommt es zum Entscheidungskonflikt, Umsatz oder Moral, tendieren die meisten Verantwortlichen in Agenturen eher zum Geld.

Dennoch könnte die PR-Branche nach Ansicht von Klaus Merten ihr Image durchaus verbessern. Doch „die Standard-Vortäuschungen ‚wünschenswerter Wirklichkeit’ bei Aktivitäten, Verlautbarungen aller Art oder Preisverleihungen, die durch ihren häufigen Gebrauch längst kontraproduktiv ausschlagen“ sind laut dem Münsteraner Kommunikationswissenschaftler dazu nicht geeignet. Erst ein Normenkatalog für die Public Relations „mit hoher Feindifferenzierung“, der bislang nicht vorhanden sei, könnte laut Merten daran was ändern.

So bleibt es dabei, dass eine PR-Agentur selbst entscheiden muss, ob sie einen Auftrag wie den von Facebook übernehmen will oder ablehnt. Dabei sollte das Einhalten gewisser Werte und Standards kein Nachteil sein. Im Gegenteil. Auch durch kodizes-konformes Handeln können sich PR-Agenturen gegenüber Wettbewerbern differenzieren und bei Kunden punkten – zumindest bei denen, die gleichfalls entsprechende Werte leben. Und solche Unternehmen gibt es ja tatsächlich heutzutage auch noch.
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Über Dr. Michael Gestmann
Michael Gestmann wurde im Bereich Medienpsychologie an der Universität zu Köln promoviert. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit dem Thema Medienwirkung und den Möglichkeiten der crossmedialen Vernetzung von Print- und Onlinemedien. Der ... mehr
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