Es ist ein Deal auf Gegenseitigkeit: Die Medien bieten die begehrte Aufmerksamkeit, die Stars und Sternchen herzzerreißende Storys. Doch im medialen Haifischbecken werden viele von ihnen verfüttert, zur Belustigung des Publikums.
Mit den Medien verhält es sich wie mit den Haien: Wenn sie sich in etwas erst einmal verbissen haben, lassen sie es so schnell nicht mehr los.
Oh Gott, Promis wie Sandra Bullock können einem wahrlich Leid tun. Erst erhält die amerikanische Schauspieler eine der begehrten Oscar-Auszeichnungen, dann die Nachricht, ihr Mann, Jesse James, betrüge sie. Ein ähnlich armes Ding ist Bullocks Kollegin, Golden-Globe-Star Kate Winslet. Auch sie muss aktuell die Trennung von ihrem Lebensgefährten, Sam Mendes, verkraften.
Des einen Leid, des anderen Freud. Für Herz-Schmerz-Medien wie Gala, Bunte, Glamour oder Park Avenue sind der Klatsch aus dem Leben der Beckers, Clooneys, Pitts, Joolies oder Ferres unverzichtbar, weil bares Geld wert. Schließlich gibt es kein probateres Mittel, um Auflagen zu steigern, als möglich viel Tratsch und Knatsch aus der Welt der Stars und Sternchen. Selbst renommierte Blätter, etwa die Süddeutsche Zeitung, kredenzen dem geneigtem Leser daher neben Neuigkeiten aus Politik und Wirtschaft, quasi zum Desert, immer auch Gerichte aus der Star-Gerüchteküche, locker und leicht zubereitet.
Medien brauchen täglich neues Futter für ihre Klatschstorys. Dafür adeln sie mit Prominenz, wie einst erfolgreiche Eroberer durch die Überlassung von Lehen in den Adelsstand erhoben werden konnten. Da nur demjenigen öffentliche Bedeutung zugewiesen wird, über den die Medien berichten, schließen viele (Möchtegern-)Promis nur zu gern einen faustischen Pakt ab, um ins Medien-Star-Universum aufgenommen zu werden.
Doch welche Konsequenzen mit diesem ungeschriebener Vertrag verbunden sein können, realisieren viele erst spät. Denn nichts von dem, was Leute wie Heidi Klum, Nicole Kidman oder Oliver Pocher von sich geben und zeigen, wird jemals ganz verschwinden. Alles – und ich meine wirklich alles – kann und wird die Stars verfolgen, wenn ein Medium die Möglichkeit erkennt, damit Geld zu machen. Somit zahlen die Promis aus Entertainment, Politik und Wirtschaft für ihre Berühmtheit unter Umständen einen sehr hohen Preis. Man frage derzeit nur Sandra Bullock. Oder Tiger Woods. Jeder, der in der Öffentlichkeit steht, läuft Gefahr, im medialen Haifischbecken verfüttert zu werden, zur Belustigung des Publikums. Das Medienspektakel um einen dieser Promis geht solange, bis eine andere Berühmtheit in den medialen Schraubstock gedreht wird.
Mitleid ist nur begrenzt angebracht. Denn viele A-, B- und C-Promis heizen die Gerüchteküche nur zu gern selbst an, um im Gespräch zu bleiben. Mit ihren Blogs, Exklusiv- und Homestorys tragen sie mit dazu bei, dass eine Pseudo-Nähe zwischen Star und Normalsterblichen entsteht. Daraus leitet das Publikum sein Recht ab, wirklich alles über diese Promis erfahren zu dürfen. Und dieses Bedürfnis befriedigen die Medien.
Denn Gerüchte sind reizvoll, da sie intime Informationen enthalten und eine Form von Geheimnisverrat darstellen. Und da Gerüchte immer eine bessere Geschichte als die Wahrheit darstellen, schaffen sie es auch leichter in die Medien. Nüchtern betrachtet, sind Gerüchte eine äußerst effiziente Form der Kommunikation: Auf kaum eine andere Weise verbreiten sich Nachrichten schneller.
Promis, die nicht „Eigentum“ der Medien werden wollen, sollten sich genau überlegen, ob sie diesen faustischen Pakt mit den Medien schließen und gegebenenfalls frühzeitig „Nein“ sagen. „Sie fressen dich sonst einfach auf, sie machen mit dir, was sie wollen“, berichtete etwa Pink-Floyd-Chef Roger Waters. Er habe für diese Entscheidung zwar mit einigen öffentlichen Fehlinterpretationen seine Person und seine Musik betreffend bezahlt, dafür aber weitgehend seine Ruhe gehabt. Insgesamt wertet er das Ergebnis angesichts der Tatsache, das Pink Floyd über 15 Jahre eine sehr erfolgreiche Band war, als guten Deal.