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News, 16.12.2009
Prognose
Weltwirtschaft erholt sich, deutsche Wirtschaft bleibt labil
Das Weltwirtschaftsklima hellt sich weiter auf. Dennoch wird die deutsche Wirtschaft auch im nächsten Jahr zu kämpfen haben, prognostiziert das ifo Institut.
Die Erwartungen zur weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft im Jahr 2010 sind optimistisch. Wie das ifo Institut für Wirtschaftsforschung heute mitteilte, ist das im Rahmen des ifo World Economic Survey erhobene Weltwirtschaftsklima im vierten Quartal zum dritten Mal in Folge gestiegen. Danach wird die Weltwirtschaft 2010 an Fahrt gewinnen. Das Wachstumstempo wird jedoch dem Institut zufolge niedrig bleiben. Auch in Deutschland fasst die Konjunktur nur langsam Tritt. Zwar erwarten die Experten für 2010 im Jahresschnitt ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent, gefolgt von 1,2 Prozent im Jahr 2011. Die Konjunktur bleibt aber weiterhin labil.

Weltwirtschaft kommt langsam auf die Beine

Laut ifo hat sich das Wirtschaftsklima in allen großen Wirtschaftsregionen verbessert. Am besten aus der Krise scheint dabei Asien zu kommen, wo der Wirtschaftklimaindikator sogar seinen langfristigen Durchschnitt überschritt. Auch in Westeuropa und in Nordamerika stieg der Klimaindikator merklich an. So werde zwar die aktuelle Wirtschaftslage in allen großen Regionen noch als ausgesprochen ungünstig bewertet, vor allem im Euroraum, in Nordamerika, in Mittel- und Osteuropa sowie in Russland. Bezogen auf die weitere Entwicklung aber fallen die Erwartungen fast durchweg optimistisch aus, was dem ifo Institut zufolge darauf hindeute, dass sich die Erholung der Weltwirtschaft fortsetzen werde.

Das Wachstumstempo allerdings wird niedrig bleiben. So bleibe die Schwächung der internationalen Finanzmärkte dem Wirtschaftsinstitut zufolge weiterhin ein Kernproblem, wonach deren Funktionsfähigkeit in wichtigen Segmenten noch immer eingeschränkt sei. Als Gründe hierfür nennt das ifo zum einen, dass das Bankensystem gewaltige Eigenkapitalverluste zu verzeichneten hatte, und sich zum anderen in wichtigen Industrieländern aufgrund von Krisen am Immobilienmarkt der Abschreibungsbedarf der Banken erhöht hat. Damit bleibe die Kreditvergabe weltweit weiter restriktiv, was die Unternehmensfinanzierung und das Schaffen neuer Arbeitsplätze nach Ansicht der Experten massiv erschweren wird. Hinzu kämen das Auslaufen der bisher aufgelegten, mit Krediten finanzierten Konjunkturprogramme und der immer dringlicher werdende Konsolidierungsbedarf der öffentlichen Haushalte. Deshalb geht das ifo davon aus, dass die Zentralnotenbanken schließlich die geldpolitischen Zügel straffen werden, was sich in der Summe wiederum dämpfend auf die Entwicklung von Angebot und Nachfrage auswirken werde.

Insgesamt erwarten die ifo-Wirtschaftsforscher, dass sich das Bruttoinlandsprodukt der Welt - nach einem Rückgang um 1,1 Prozent 2009 - im Jahr 2010 um 3,1 Prozent und 2011 um 2,6 Prozent erhöhen wird. Für die zentralen Wirtschaftsregionen prognostizieren die Münchener Wirtschaftsforscher dabei folgende Entwicklungen:

  • USA: Nach einem vergleichsweise kräftigen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts zu Beginn des Jahres 2010 wird sich dieses im weiteren Jahresverlauf deutlich abflachen, wobei das ifo Institut im weiteren Prognosezeitraum sogar erneut ein leicht rückläufiges Wirtschaftswachstum erwartet. Die Gefahr, dass die amerikanische Wirtschaft im Prognosezeitraum erneut in eine Rezession abgleiten könnte, sehen die Experten aber nicht. Allerdings werde die Schwäche der US-amerikanischen Wirtschaft weltweit die Konjunktur belasten.

  • Asien: In Japan werde die Expansion der Wirtschaft im Prognosezeitraum zunächst schwach bleiben, ehe sie sich langsam belebt. Die private Binnennachfrage dürfte infolge der Unterauslastung der Kapazitäten und der schlechteren Lage auf dem Arbeitsmarkt nur mäßig expandieren. Der Außenhandel dürfte jedoch von der Belebung der Konjunktur in den Schwellenländern Asiens profitieren.

  • Euroraum: Hier wird die wirtschaftliche Expansion laut ifo vorerst kräftig bleiben. Vor allem die Impulse der Fiskalpolitik in Deutschland und Frankreich dürften stimulierend wirken. Die private Binnennachfrage werde sich hingegen nur allmählich stabilisieren. Auch sei damit zu rechnen, dass nach dem Auslaufen der Konjunkturprogramme der wirtschaftliche Aufschwung abflacht.
Deutsche Wirtschaft bleibt ohne Dynamik

Laut ifo dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion saison- und kalenderbereinigt im vierten Quartal  2009 weiter zugenommen haben, wenn auch in einem etwas langsamerem Tempo als im Vorquartal (0,5%). Trotzdem die Wirtschaftsleistung im zweiten Halbjahr 2009 im Vergleich zum ersten Halbjahr um voraussichtlich 1,2 Prozent zulegen wird, bleibt beim realen Bruttoinlandsprodukt 2009 unterm Strich im Jahresschnitt ein Minus von 4,9 Prozent.

Im Jahr 2010 setzt sich der Aufwärtstrend der Konjunktur in Deutschland fort. Die Ampeln blieben aber im Prognosezeitraum weiterhin auf gelb, mit einer Grünphase in Sachen Aufschwung sei nach Meinung der Experten nicht zu rechnen. Zwar würden die endogenen Auftriebskräfte allmählich wieder etwas stärker. Aufgrund des Auslaufens der Konjunkturprogramme und weiterhin hoher Kredithürden bleibt die Entwicklung der deutschen Wirtschaft labil. Zu einem selbsttragenden Aufschwung komme es dem ifo Institut zufolge nicht. Im Jahresschnitt erwarten die ifo-Wirtschaftsforscher 2010 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent, gefolgt 1,2 Prozent im Jahr 2011. Dabei prognostiziert das ifo unter anderem folgende Entwicklungen:  
  • Außenhandel: Weil sich die Konjunktur in den wichtigsten Hauptabnehmerländern laut ifo nicht durchgreifend bessern werde, wird die Exportdynamik im Prognosezeitraum moderat sein. Für die Importentwicklung ergebe sich alles in allem ein ähnliches Profil, weshalb vom Außenbeitrag keine nennenswerten Wachstumsimpulse ausgehen werden.
  • Investitionen: Die Ausrüstungsinvestitionen dürften bei weiterhin niedriger Kapazitätsauslastung nur wenig steigen, zumal sich die restriktiven Finanzierungsbedingungen nicht bessern. Lediglich gegen Jahresende 2010 könne mit einer etwas höheren Dynamik aufgrund von Vorzieheffekten infolge der Rückführung der degressiven Abschreibung gerechnet werden. Bei den öffentlichen Bauinvestitionen werden die Konjunkturpakete laut ifo zunächst noch weiter wirken, der bisher konjunkturrobuste Gewerbebau werde aber deutlich ins Minus rutschen.

  • Konsum: Infolge des „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ und der bislang beschlossenen steuerlichen Entlastungen erhalten die Einkommen und der private Konsum zu Beginn des Jahres 2010 zwar kurzfristig Impulse. Danach aber werde die Dynamik verhalten sein. Zudem dämpfe der Nachfrageausfall, der aus den in das Jahr 2009 vorgezogenen Pkw-Käufen resultiert. Auch gehen die Experten angesichts der flauen Wirtschaftsentwicklung davon aus, dass die Sparquote in Deutschland weiter hoch bleibt.

  • Arbeitsmarkt: Auf dem konjunkturell nachlaufenden Arbeitsmarkt wird die Beschäftigung dem ifo Institut zufolge allmählich an das niedrige Produktionsniveau angepasst werden. Die Kurzarbeit werde abnehmen, die Arbeitslosigkeit dagegen zunehmen. In diesem Kontext erwarten die Forscher für 2010, dass die  Zahl der erwerbstätigen Inländer um 350.000 sinken wird,  während die Zahl Arbeitslosen  im Jahresschnitt um rund 180. 000 auf 3,6 Millionen ansteigt.

  • Staatsverschuldung: Das staatliche Budgetdefizit steigt im Jahr 2010 stark an, in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt dürfte es sich auf 5,1% belaufen. Maßgeblich hierfür sind die schwache konjunkturelle Entwicklung und die Mehrausgaben, die im Zusammenhang mit den Stützungsmaßnahmen der Bundesregierung entstehen.

[Quelle: ifo Institut für Wirtschaftsforschung ]
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