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News, 07.12.2009
Produktionsverlagerungen
Offshoring-Hype stark abgeebbt
Einer aktuellen Untersuchung zufolge ist die Zahl der deutschen Unternehmen, die mit Teilen ihrer Fertigung ins Ausland abwandern (Offshoring), seit 2007 stark gesunken. Und: Immerhin rund jedes dritte Unternehmen, das sein Glück im Ausland suchte, verlagerte die Produktion zurück.
Der Standort Deutschland hat in den letzten Jahren für das produzierende Gewerbe in Deutschland stark an Attraktivität gewonnen: Hatten von Mitte 2004 bis 2006 noch 15 Prozent aller Unternehmen des produzierenden Gewerbes Teile ihre Produktion ins Ausland verlagert, taten dies zwischen 2007 und 2009 nurmehr 8,6 Prozent. Damit sank der Anteil der ins Ausland abwandernden Unternehmen auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Das zeigen die Ergebnisse einer Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), der zufolge die aktuelle Planungen der Industrie- und Gewerbebetriebe darauf hindeuteten, dass sich die Offshoring-Neigung noch weiter auf geschätzte sieben Prozent verringern wird.

Offshoring in der Krise nicht so interessant

Wie aus der von Dr. Steffen Kinkel, Leiter des Competence Center Industrie- und Serviceinnovationen beim Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), am 16. November 2009 in Düsseldorf vorgestellten Untersuchung hervorgeht, verlagerten zwischen 2007 und 2009 jährlich durchschnittlich etwa 1.750 deutsche Betriebe Produktionskapazitäten ins Ausland. Zum Vergleich: In den Jahren 2004 bis 2006 entschieden sich im Durchschnitt noch jährlich 3.200 Betriebe zu diesem Schritt. Zugleich zeigt die Untersuchung, dass seit 2007 im Durchschnitt jährlich etwa 570 Unternehmen, die ihr Glück in anderen Ländern suchten,  ins Ausland verlagerte Kapazitäten nach Deutschland rückverlagerten. Damit liegt die Quote der verlagernden Unternehmen im Verhältnis zu den Rückverlagerern zurzeit bei etwa 1:3. Bei deutschen Kleinbetrieben liegt die Quote sogar bei 1:2.

Am weitesten verbreitet sind Standortverlagerung auch weiterhin bei große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern: In dieser Größenklasse hat seit dem Jahr 2007 rund die Hälfte (54%) aller Unternehmen Teile ihrer Fertigung in andere Länder verlagert. Bei produzierenden Betrieben mit 250 bis 999 Mitarbeitern war in den vergangenen drei Jahren hingegen nur knapp ein Viertel (23,5%) in Sachen Offshoring aktiv und in der Unternehmensklasse mit 50 bis 249 Beschäftigten sogar nur jedes zehnte Unternehmen (9,9%). Das Schlusslicht bildeten erneut die kleinen Industriebetrieben (3,4%).

Neue EU-Staaten verlieren an Attraktivität

Betrachtet man die Offshoring- und Rückverlagerungs-Aktivitäten nach Ziel- bzw. Herkunftsregionen, so zeigt sich, dass insbesondere die neuen EU-Länder für deutsche Unternehmen stark an Attraktivität verloren haben. Demnach erfolgte jede zweite Rückverlagerung von deutschen Unternehmen (51%) aus den neuen Mitgliedstaaten der EU, was gegenüber dem Erhebungszeitraum 2004 bis 2006 ein Plus von 11 Prozentpunkten bedeutet. Gleichzeitig ging der Anteil neuer Produktionsverlagerungen in diese Region um 15 Prozentpunkte auf 40 Prozent zurück.

Als Produktionsstandort für deutsche Unternehmen deutlich an Attraktivität gewonnen hat hingegen China, das seit 2007 jährlich rund ein Viertel der Befragten (27%; plus 8 Prozentpunkte) für Produktionsverlagerungen wählten. Gleichwohl scheint auch hier nicht jedes Unternehmen mit der Standortwahl im Nachhinein zufrieden: Rund ein Siebtel aller Rückverlagerungen (16%) erfolgte aus dem Reich der Mitte. Laut Untersuchung entfiel das Gros der Rückverlagerungen dabei auf KMU. Zunehmend attraktiv für deutsche Unternehmen scheinen auch die anderen Länder Asiens, die sich mittlerweile mit einem Anteil von 16 Prozent auf Platz 3 der präferierten Zielregionen vorgearbeitet haben (plus sieben Prozentpunkte).

Auf Platz 4 der Zielregionen bei Produktionsverlagerungen deutscher Unternehmen liegen die restlichen (Nicht-EU-)Länder Osteuropas (12%), gefolgt den alten EU-Ländern (10%) und Nordamerika (9%), wobei letztere Region sowohl bei den Verlagerungen (plus 5 Prozentpunkte) als auch bei Rückverlagerungen (14%; plus 11) anteilsmäßig deutlich zulegte, während der Anteil der Rückverlagerungen aus den alten EU-Ländern erheblich zurückging (9%; minus 22 Prozentpunkte).

Mehr „Captive Offshoring“, weniger Offshore-Outsourcing

Hinsichtlich der Art der Produktionsverlagerung hat das so genannte „captive Offshoring“, das auf die Verlagerung der Produktionskapazitäten an eigene (ausländische) Betriebsstandorte bezeichnet und eher marktorientierten Erwägungen folgt, stark an Bedeutung gewonnen. So hat sich der Anteil der Unternehmen, die ihre Offshoring-Aktivitäten in dieser Form gestalteten von 51 Prozent (2006) auf 62 Prozent im Jahr 2009 erhöht, während das so genannte Offshore-Outsourcing, das auf die Verlagerung von Kapazitäten an andere Unternehmen ausgerichtet ist und eher Kostengesichtspunkten verfolgt, anteilsmäßig von 41 Prozent (2006) auf 34 Prozent (2009) zurückgegangen ist. Weitere vier Prozent der Unternehmen führten Produktionsverlagerungen in beiden Formen durch. 2006 war deren Anteil noch bei acht Prozent gelegen.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung:
  • Die Branchen mit der stärksten Offshoring-Neigung waren im Jahr 2009 die Elektroindustrie, auf die fast ein Viertel der Produktionsverlagerungen (23%) entfielen, gefolgt vom Fahrzeugbau (20%) sowie dem Textil-, Bekleidungs- und Ledergewerbe (16%). Auf den weiteren Plätzen folgen der Maschinenbau (11%), Medizin-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik sowie Optik (10%), die Chemische Industrie (9%), Hersteller von Metallerzeugnissen (8%), Gummi- und Kunststoffwaren-Industrie (8%).

  • Die größten Rückgänge der realisierten und geplanten Produktionsverlagerungen verzeichnete die Untersuchung im Fahrzeugbau und im Maschinenbau (jeweils minus 11 Prozentpunkte), gefolgt von der Gummi- und Kunststoffwaren-Industrie (-10) sowie dem Textil-, Bekleidungs- und Ledergewerbe (-9).

  • Die Verringerung der Personalkosten bleibt im produzierenden Gewerbe weiterhin das dominierende Motiv für Offshoring-Aktivitäten. In diesem Kontext zu betrachten ist auch das Ergebnis, dass Unternehmen, deren Wettbewerbsstrategie auf Preisführerschaft ausgerichtet ist, am häufigsten verlagern, während auf Qualitätsführerschaft ausgerichtete Unternehmen am seltensten in diesem Feld aktiv sind.

  • Qualitätsprobleme sind inzwischen der meist genannte Grund, warum Unternehmen vorgenommene Produktionsverlagerungen rückgängig machen. Bemerkenswert: Auch steigende Personalkosten gewinnen diesbezüglich an Stellenwert, wonach sich die Bedeutung der Personalkosten als Rückverlagerungsmotiv (aufgrund der Lohndynamik vor Ort) gegenüber 2006 verdoppelt hat.

[Quelle: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)]
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