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Kolumne
Fit for Success, 01.06.2010
Präsentismus
Anwesend, aber nicht einsatzbereit und leistungsfähig
Immer mehr Menschen gehen krank zur Arbeit. Damit tun sie weder sich selbst noch ihren Arbeitgebern einen Gefallen. Das betriebliche Gesundheitsmanagement darf sich nicht auf die Reduktion von Fehlzeiten begrenzen.
Die Zahlen sind erschreckend: Laut einer 2009 durchgeführten AOK-Studie gingen 71,2 Prozent der befragten Arbeitnehmer in den Betrieb, obwohl sie krank waren. 29,9 Prozent taten dies sogar gegen den ausdrücklichen Rat ihres Arztes. Dieses Phänomen wird als „Präsentismus“ bezeichnet, da die Mitarbeiter zwar anwesend, aber nicht wirklich leistungsfähig sind.

Sich verpflichtet zu fühlen, Kollegen nicht im Stich zu lassen und Aufgaben zu vollenden, ist nach einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung der wesentliche Grund für das Präsentismus-Phänomen. Es gibt aber auch Belege dafür, dass die Angst, arbeitslos zu werden, eine noch entscheidendere Rolle dafür spielt. Daher wollen die Mitarbeiter die Erwartungen ihrer Vorgesetzten nicht enttäuschen. Allerdings gibt es auch Mitarbeiter, die – koste es, was es wolle – vor allem der heimischen familiären Belastung entkommen wollen.

Es spricht einiges dafür, dass die Präsentismus-Quote weiter steigen wird. Dies hängt mit der demografischen Entwicklung zusammen, die dazu führt, dass der Anteil der älteren Arbeitnehmer in Betrieben steigt. Mit zunehmenden Alter nimmt aber das Erkrankungsrisiko zu. Bedeutsam sind auch psychische Krankheiten wie Depressionen. Die meisten Menschen mit psychischen Leiden kommen Tag für Tag zur Arbeit, statt sich krank schreiben und behandeln zu lassen. Dies gilt vermutlich insbesondere für Manager.

Mancher Experte erwartet daher, dass der Präsentismus und die damit verbundenen Folgen zum zentralen Problem des betrieblichen Gesundheitsmanagement werden. Lediglich die Anwesenheit der Mitarbeiter zu erfassen, unabhängig von deren tatsächlicher Leistungsfähigkeit, reicht daher nicht. Eine dänische Studie zum Beispiel ergab nämlich, dass Arbeitnehmer, die mehr als sechsmal pro Jahr zur Arbeit gegangen waren, obwohl sie nicht gesund waren, gegenüber anderen Arbeitnehmern ein um 74 Prozent höheres Risiko hatten, später länger als zwei Monate auszufallen.

Die Kosten des Phänomens Präsentismus übersteigen daher mehrfach die von Fehlzeiten. Dazu tragen die reduzierte Produktivität, spät und falsch getroffene Entscheidungen, die Verschlechterung von Beziehungen zu wichtigen Kunden und des Umgangs mit Mitarbeitern bei. Auch die Unfallgefahr am Arbeitsplatz steigt. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist daher weit mehr als das Management von Fehlzeiten. Investitionen in den Erhalt und die Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter amortisieren sich daher sehr schnell, da sie die Produktivität und Kosteneffizienz erhöhen.
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Über Dr. Dr. Michael Despeghel
Dr. Dr. Michael Despeghel ist seit rund 25 Jahren der führende Experte für Fitness, Prävention und gesunde Lebensführung. Als Redner der Extraklasse hält der Lifestyle-Guru europaweit Vorträge zu Themen wie "Lust auf Leistung“, „Bewusster leben, bewusster ... mehr
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