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News, 12.12.2011
Personalstrategie
Mittelstand legt Fokus auf Mitarbeiterbindung
Die Bindung qualifizierter Mitarbeiter genießt derzeit im Mittelstand nach einer aktuellen Studie eine weitaus höhere Bedeutung als das Recruiting. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren im Hinblick auf Mitarbeiterbindung und –gewinnung sind aus Sicht der Mittelständler flexible Arbeitszeitmodelle.
Neben dem Angebot flexibler Arbeitszeiten wollen Mittelständler vor allem mit einer attraktiven Unternehmenskultur punkten.
Neben dem Angebot flexibler Arbeitszeiten wollen Mittelständler vor allem mit einer attraktiven Unternehmenskultur punkten.

Berechnungen der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young zufolge kostet der Fach- und Führungskräftemangel den Mittelstand in Deutschland jährlich rund 33 Milliarden Euro an Umsatzeinbußen. Dass der Fachkräftemangel den Mittelstand auf breiter Front erfasst hat, zeigen auch die Ergebnisse des Ernst & Young Mittelstandsbarometers von August dieses Jahres, demnach inzwischen 72 Prozent der Mittelständler Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung haben. Zugleich erwarten rund drei Viertel (74%), dass sich das Angebot noch weiter verknappen wird.  Eine Folge dieser Entwicklung, wie jetzt die, neue von Ernst & Young in Kooperation mit der ESCP Europe Wirtschaftshochschule erstellte Studie „Talent Management im Mittelstand – mit innovativen Strategien gegen den Fachkräftemangel“ belegt: Maßnahmen zur Bindung der eigenen Fach- und Führungskräfte sind im Mittelstand zum wichtigsten personalpolitischen Thema avanciert. So messen derzeit 63 Prozent der in der Studie befragten Unternehmen dem Thema Mitarbeiterbindung eine große oder sogar sehr große Bedeutung bei. Das Recruiting nimmt dagegen derzeit im Bedeutungsranking nur den fünften Platz ein: Das Thema Personalbeschaffung stufen aktuell nur 45 Prozent der Personaler als besonders wichtig ein.

Zweitwichtigstes Thema, nach der Mitarbeiterbindung, ist im Mittelstand die Personalplanung: Ihr messen derzeit 68 Prozent der mittelständischer Betriebe einen hohen oder sehr hohen Stellenwert bei. Dahinter folgt die Personalentwicklung (54%) und auf dem vierten Platz die stellenbezogene Nachfolgeplanung (50%). Die Themen Vergütung und Karriereplanung stehen dagegen derzeit nur bei 44 bzw. 41 Prozent der Personaler ganz oben auf der Agenda. Dem Personalmarketing und dem Aufbau einer starken Arbeitgebermarke - Stichwort: Employer Branding -  misst sogar zurzeit nur jedes vierte Mittelständler eine übergeordnete Bedeutung bei, was vor dem Hintergrund des „war for talents“ durchaus überrascht.

„Mittelständische Unternehmen werden noch härter vom demografischen Wandel getroffen als die großen Konzerne, da sie über weniger finanzielle und personelle Ressourcen verfügen, mit denen sie Gegenmaßnahmen in die Wege leiten können,“ sagt Jens Maßmann, Managing Partner Performance & Reward bei Ernst & Young. Dennoch planen immerhin rund drei von zehn befragten Mittelständlern (31%)  ihre Personalbudgets für die Bereiche Mitarbeiterbindung, Personalentwicklung und Recruiting zu erhöhen. Gut ein Viertel der Betriebe plant dabei zur Mitarbeiterbindung auch Gehaltserhöhungen (27%). Weitere 61 Prozent der Firmen wollen in den kommenden drei Jahren zumindest gleich viel investieren, während nur 10 Prozent die Personaletats zurückfahren wollen.

Flexible Arbeitszeitmodelle wichtiger als Höhe der Vergütung

Wichtigster Erfolgsfaktor im Hinblick auf die Mitarbeiterbindung und –gewinnung sind aus Sicht der Mittelstands flexible Arbeitszeiten: Laut Studie sehen 45 Prozent der Mittelständler im Angebot flexibler Arbeitszeitmodelle eine wichtige Herausforderung, die erfüllt sein muss, um Fach- und Führungskräfte künftig zu gewinnen und zu binden. Fast gleichauf im Ranking der am häufigsten benannten Erfolgsfaktoren stehen die „Wertschätzung der Leistung von Mitarbeitern“ (44%) und auf dem dritten Rang die „Steigerung der Arbeitgeberattraktivität“ (43%). Letzteres betreffend stellt sich allerdings die Frage, warum dann das Employer Branding, obschon ein wichtiges Instrument zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität, dennoch derzeit nur in jedem vierten Unternehmen personalpolitisch einen Top-Agendapunkt darstellt. Ebenfalls für mehr als vier von zehn befragten Mittelständlern künftig von entscheidender Bedeutung, um im „war for talents“ zu bestehen, sind zudem der Aufbau einer „attraktiven Unternehmenskultur“ (42%) sowie die Schaffung von „Karrierechancen und Entwicklungsperspektiven“ (41%).  Monetäre Leistungsanreize wie etwa „Leistungsbezogene Vergütungsanteile“ und die „Höhe des Vergütungspaketes“ stufen dagegen aktuell nur 37 bzw. 36 Prozent der Firmen personalpolitisch als erfolgsentscheidend ein.

Bemerkenswert: Die Familienfreundlichkeit des Unternehmens sieht ebenfalls nur gut ein Drittel der Befragten (34%) als eine der zentralen Hausaufgaben für die Zukunft an.  Ein Ergebnis, dass vor dem Hintergrund dessen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Arbeitnehmer, insbesondere Alleinerziehende immer schwieriger wird, durchaus überrascht. Gleiches gilt für das Themenfeld „zusätzliche Gesundheitsleistungen und Altersvorsorge“, das sogar nur jeder vierte Mittelständler (26%) als besonders wichtig für die eigene Attraktivität als Arbeitgeber einstuft. 

„Entrepreneure des Jahres“ als Wegweiser

Wie Erfolgsunternehmen bei Arbeitnehmern punkten, zeigen die diesjährigen Finalisten des Wettbewerbs „Entrepreneure des Jahres“, der jährlich die besten Jungunternehmer auszeichnet. Sie setzen zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung vor allem auf Firmenhandys (97%) und Firmenwagen (94%) sowie flexible Arbeitszeiten und Bonifikationen (jeweils 86%). Aber auch eine betriebliche Altersvorsorge (78%) und Teamziele (72%) sind in diesen Unternehmen Standard.

„Insbesondere Akademiker zieht es in Konzerne, da sie dort bessere Karriere- und Verdienstchancen erwarten. Die Entrepreneure berichten, dass man in diesen Fällen in der Kandidatenkommunikation und Positionierung als attraktiver Mittelständler mit Punkten wie Mitarbeiterbeteiligung, persönlicher Nähe, spannenden Innovationsprojekten und Entwicklungsmöglichkeiten kontern solle“, so die Beratungsgesellschaft Ernst & Young in ihrer Studie.

Der komplette Ergebnisbericht zur Studie „Talent Management im Mittelstand – mit innovativen Strategien gegen den Fachkräftemangel“ steht kostenfrei zum Download zur Verfügung.

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