„Im Grunde hatten wir immer schon entsprechenden Business-Ansatz, da ein Online-Dienst deutlich mehr Potenziale für eine Interaktion mit Kunden bietet als traditionelles Businessmodelle“, erklärt Rick Anderson gegenüber Marktforschungsunternehmen MarketingSherpa. „Dennoch kamen wir zu der Erkenntnis, dass wir gut beraten wären, diese Potenziale auch vollends freizusetzen, in dem wir Menschen ermöglichen, unsere DVD-Bibliothek ebenso wie die Art, in der Filme präsentiert werden, durch Ratings und Reviews zu modellieren“, so Anderson.
Um die Basis für ihr Business weiter auszubauen, entwickelten Anderson und sein Team eine kostenlose Community, in der Mitglieder eigene Profile erstellen, Filme bewerten und kommentieren können, Blog-Beiträge verfassen, sich in Foren engagieren und eigene Videos hochladen können. Die Seite wurde vor etwa einem Jahr gelauncht und verzeichnet Anderson zufolge mittlerweile mehr als 400.000 registrierte Mitglieder. Der Aufwand macht sich inzwischen längst bezahlt: So biete die Online-Community mit Werbung nicht nur eine neue lukrative Einnahmequelle, sondern auch vollkommen neue Möglichkeiten, um Besucher und damit potenzielle Kunden in zahlende DVD-Abonnenten umzuwandeln.
Beim Aufbau ihrer Online-Community folgten Anderson and Online Marketing Director Aaron Wolski eigenen Angabe zufolge im wesentlichen einer sechsstufigen Strategie, die sich folgendermaßen darstellt:
Strategie I: Identifizierung existierender Funktionalitäten, die als Grundlage einer Online-Community dienen können
Registrierungspflichtige Business-Modelle haben den Vorteil, dass sie nicht vom Nullpunkt starten müssen: Sie haben in aller Regel schon Content (wie bei Zip.ca bspw. DVD-Informationen), sammeln bereits Kundendaten und basieren auf Benutzernamen und Passwörtern. So wurde Anderson und seinem Team bei der näheren Analyse ihres bestehenden Business-Modells schnell klar, dass sie bereits über eine Reihe interaktiver Features verfügen, die typischerweise Kennzeichen von Online-Communities sind, wie beispielsweise:
Strategie II: Einbindung zusätzlicher Social Networking-Anwendungen und –Funktionalitäten
Im nächsten Schritte erweiterten Anderson und sein Team die bestehenden Interaktionsmöglichkeiten um neue Social Networking-Anwendungen. Diese packten sie dann in eine neue kostenlose Community-Website namens Zip.tv. Jeder der laufende Kinofilme oder aktuelle DVD-Veröffentlichungen diskutieren wollte, konnte diese Plattform nutzen – selbst wenn er oder sie kein zahlender Abonnent von Zip.ca war. Das Service-Angebot umfasst seitdem unter anderem folgenden Anwendungen und Funktionalitäten:
Strategie III: Einbindung von Online-Videos
Unter dem Namen „Live“ starteten die Macher von Zip.ca einen Online-Video-Service, der es Nutzern ähnlich wie bei YouTube erlaubt, selbst erstellte Videos auf der Community-Plattform zu veröffentlichen. Darüber hinaus schlossen die Macher Kooperationsverträge mit sechs kommerziellen Video-Produzenten, die im Gegenzug für Werbung dieses Angebot unterstützen. Der Grund: “Unsere Einschätzung nach ist dieser Form das erfolgversprechendste kommerzielle Modelle für die nächsten Jahre“, so Anderson.
Strategie IV: Aufteilung des Management-Teams in Produktgruppen
Während zu Anfangs die Online-Community und Streaming Video Sites gemeinsam mit dem DVD-Verleihservice in einem einzigen Geschäftsbereich zusammengefasst waren, beschlossen Anderson und sein Team ihre Managementstruktur in drei kleinere Produktgruppen wie folgt zu untergliedern:
Die neue Struktur half dem Unternehmen alle Aspekte ihres Business parallel zu verfolgen und gleichzeitig innerhalb der jeweiligen Bereiche spezifische Entwicklungsmaßnahmen und Prioritäten zu setzen. Trotzdem die Teams jedoch relativ unabhängig von einander agieren können, sind ihre Strategien eng auf die allgemeinen Zielsetzungen von Zip.ca und dessen Marketingfokus ausgerichtet. Ein Beispiel: Obschon das Video-Team angedacht hatte zukünftig auch den Download von Musik-Videos und –Titeln zu ermöglichen, wurde dieses nicht umgesetzt, da die Geschäftsleitung die Ansicht vertrat, dass solche Art von Content zu weit außerhalb ihrer Marktnische „Film- und Videodiskussion“ liegen würden.
Strategie V: Anpassung der Newsletter-Strategie
Im Zuge der neuen kostenfreien Mitgliedschaft und des zusätzlichen Online-Content beschlossen Anderson und seine Mitarbeiter, ihre Newsletter-Strategie zu verändern, um die Interessen ihrer Mitglieder besser ansprechen zu können. So beschlossen Sie im Hinblick auf den Content ihres wöchentlichen Newsletters zukünftig nach zwei Arten von Film-Fans zu unterscheiden: Freie Mitglieder und solche, die regelmäßig DVDs ausleihen. Darüber hinaus entwickelten Sie einen NHL-Newsletter für all jene Mitglieder, die sich Eishockey-Highlights online ansehen.
Strategie VI: Gezieltes Tracking
Um regelmäßig neueste Informationen über wichtige Abonnenten und Mitglieder-Kennzahlen zu erhalten, werden alle wichtigen Daten über all im Office über digitale Anzeigentafeln dargestellt und regelmäßig aktualisiert. Wie ein Börsenticker zeigen die Tafeln alle täglichen, wöchentlichen und monatlichen wichtigen Daten, Fakten und Entwicklungen inklusive prozentualen Steigerungen und Abnahmen. Zentrale Kennzahlen sind demnach unter anderem:
Ergänzend zu diesen Kennzahlen und deren Entwicklung überwacht Wolski die Wirkung von Marketingaktionen, die darauf abzielen, freie Mitglieder in zahlende Kunden umzuwandeln. Ziel dessen ist die fortlaufende Verbesserung der Features und Prozesse. „Der DVD-Verleihservice ist auf Kanada begrenzt, aber die Online-Community ist weltweit“, so Wolski. Aus diesem Grund müsse die Community nach Meinung von Anderson und Wolski auf eigenen Beinen stehen und dürfe nicht nur als ein Marketing-Kanal zur Akquirierung von Kunden für den DVD-Verleihservice betrachtet werden. “Die Community markiert eine unabhängiges und tragfähiges Business, das auf Basis eigener Zusatzdienste seine eigenen Erlöse erzielen wird.“
Quelle: MarketingSherpa.com