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News, 10.06.2014
Niedrigzinspolitik
Niedrigzinsen - Gute Gründe für eine baldige Wende
In der Banken- und Schuldenkrise waren niedrige Leitzinsen ein probates Mittel, inzwischen aber birgt diese Strategie immer mehr Nachteile. Eine Studie*) des IW Köln zeigt, dass unter bestimmten Bedingungen eine wohldosierte Zinswende im zweiten Halbjahr 2015 möglich wäre.
Trotz der aktuell geringen Teuerung sind die Ängste hinsichtlich einer möglichen Deflation übertrieben.
Trotz der aktuell geringen Teuerung sind die Ängste hinsichtlich einer möglichen Deflation übertrieben.

Mit 0,15 Prozent steht der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB)  auf einem historisch niedrigen Niveau. Weil die Minizinsen aber auf Dauer wie eine Enteignung der Sparer wirken und die private Vorsorge quasi aushebeln,  muss irgendwann die Zinswende  kommen.  Das  ist  laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft  Köln  (IW) möglich, sofern sich die Wirtschaftslage im  Euroraum  weiter  normalisiert. Und das scheint der Fall zu sein:

Stabilere Konjunktur


Die Wachstumsaussichten haben sich deutlich verbessert. Schrumpfte die Wirtschaft im Euroraum 2012 noch um 0,7 Prozent, wird für das laufende Jahr ein Plus von gut 1 Prozent prognostiziert, und 2015 dürften es sogar gut 1,5 Prozent sein.

Diese Prognosen stützen sich auf eine Reihe von Frühindikatoren, wie sie der aggregierte OECD-Konjunkturindikator zusammenfasst:

Seit gut einem Jahr verbessert sich der OECD-Indikator für den Euroraum von Monat zu Monat – er liegt inzwischen auch in den Krisenländern über dem langfristigen Durchschnitt.

Zudem bescheinigt die OECD den  Krisenländern,  zahlreiche Strukturreformen umgesetzt zu haben. Die Erfolge dürften sich schon bald  zeigen  –  in Form  von mehr Produktivität, Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit.

Wenn sich der Aufschwung in der Eurozone weiter stabilisiert, werden auch die derzeit sehr niedrigen Inflationsraten anziehen – eine zentrale Voraussetzung für die Zinswende.

Keine  Deflationsspirale

Wegen der aktuell geringen Teuerung fürchten manche Beobachter eine Deflation.  Deshalb  fordern  sie von der EZB eine weitere geldpolitische Lockerung und den Einsatz unkonventioneller  Instrumente  wie  negative Einlagenzinsen für die Banken.

Zwar müssen die Währungshüter die Gefahr eines länger anhaltenden Preisverfalls im Blick behalten, die Zinsen sollten sie jetzt jedoch nicht weiter senken. Denn die Deflationsgefahren sind übertrieben: Zum einen sinken die Preise nicht auf breiter Front; zum anderen steckt hinter dem sinkenden Preisniveau teilweise nichts anderes, als dass die Krisenländer an preislicher Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen.

Stabilere Banken

Auch das Bankensystem hat sich mittlerweile deutlich verbessert – abzulesen ist das an der Kapitalausstattung:

Die großen Banken der Eurozone haben ihre durchschnittliche,  nach Risikoklassen gewichtete Eigenkapitalquote von rund 8 Prozent im Jahr 2007 auf rund 13 Prozent gesteigert.

Dahinter stehen vor allem höhere staatliche  Kapitalanforderungen und  Reformen  im  Bankensystem, was zu sinkenden Risikoaufschlägen beigetragen hat:

Die Ausfallrisiken für Staats- und Bankanleihen  in  der  Eurozone  sind massiv gesunken – und mit ihnen die Spreads,  also die Risikoaufschläge auf die Zinsen.

:::::::: Info :::::::::

Mit Credit Default Swaps (CDS) kann sich ein Investor gegen den Ausfall einer Anleihe versichern. Steigt das Ausfallrisiko einer Anleihe, wird die Versicherung teurer, was sich in einem höheren Spread – einem Risikoaufschlag auf die Zinsen – ausdrückt.

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Folglich können sich viele Finanzinstitute wieder günstiger finanzieren.  Allerdings nicht alle: Gerade einige Banken aus den Krisenländern haben das Vertrauen der Finanzmärkte noch nicht vollständig zurückgewonnen. Grund dafür ist, dass im Laufe der Wirtschaftskrise der Umfang an notleidenden Krediten stark gestiegen ist. Die betroffenen Banken vergeben daher kaum Kredite an Unternehmen und Privathaushalte, was den Aufschwung im Keim ersticken könnte.

Deshalb  sollten  diese  Banken beim  anstehenden  Stresstest  der EZB  gezwungen  werden,  ihre  Bilanzlöcher zu stopfen – womit eine weitere Voraussetzung für den Ausstieg aus der Niedrigzinsphase besser erfüllt wäre.

Staatsverschuldung und fiskalische Dominanz

Kritiker behaupten, die Geldpolitik sei zum Handlanger der hoch verschuldeten Eurostaaten geworden. Sie müsse ihr Hauptziel – Preisstabilität – hintanstellen,  um über anhaltende Niedrigzinsen die Zahlungsfähigkeit  der Staaten zu sichern. Das bezeichnen Ökonomen als „fiskalische Dominanz“.

Diese Sorge ist zwar verständlich, sie sollte aber nicht übertrieben werden. Zwar zeigen sich beim Schuldenabbau im Euroraum bisher kaum Fortschritte. Die strukturellen Haushaltsdefizite der Staaten sinken aber kontinuierlich und die staatlichen Zinsquoten sind erträglich. Daher kann die EZB den Leitzins durchaus auf ein neutrales Niveau anheben, ohne die Tragfähigkeit  der  Staatsschulden in der Breite zu gefährden.

Privatverschuldung

Die hohe Verschuldung von privaten Unternehmen und Haushalten kann in einigen Ländern die Nachfrage für längere Zeit dämpfen. Ziel muss daher ein Schuldenabbau sein, der das Wachstum  so  wenig  wie  möglich  beeinträchtigt – dazu gehören Schulden- und  Zinsnachlässe,  Tilgungsstreckungen  und  gegebenenfalls  auch Insolvenzen. Vor allem in Griechenland und Italien bedarf es dazu weiterer Reformen des Insolvenzrechts.

Schonende Zinswende

Wenn sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld weiter verbessert, könnte die EZB im zweiten Halbjahr 2015 beginnen, aus der Niedrigzinsphase auszusteigen.  Allerdings gilt es zu verhindern, dass die Finanzmärkte davon überrascht werden und überreagieren – wie im Mai 2013 in den USA. Daher sollte die EZB den Leitzins nicht gleich um 0,25  oder  0,5  Prozentpunkte  im Quartalsabstand erhöhen, sondern zunächst in sehr kleinen, aber häufigeren Zinsschritten. Zugleich sollte die  EZB  die  Erwartungen  der  Finanzmärkte  mit  einer  intensiven Kommunikationsstrategie so gut wie möglich zu steuern versuchen.

*) IW-Studie: Das aktuelle Niedrigzinsumfeld: Ursachen, Wirkungen und Auswege, Studie für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.

Quelle: IW Köln

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