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News, 17.07.2006
Mut zur Ausbildung
Was deutsche IT-Services-Anbieter von den Klinsmännern lernen können
Die konjunkturelle Belebung im IT-Services-Markt schlägt sich auch im Personalbedarf der IT-Dienstleister nieder. Dies belegen die Ergebnisse der aktuellen Marktanalyse IT Services 2006 von Berlecon Research.
Demnach rechnen mehr als die Hälfte der deutschen IT-Services-Anbieter mit einer Aufstockung des Personals in 2006. Der zunehmende Personalbedarf erstreckt sich jedoch nicht auf alle Tätigkeitsfelder gleichermaßen. Auf dem Wunschzettel vieler IT-Services-Anbieter stehen ausgemachte Spezialisten, die umfangreiche Projekterfahrung und Beratungskompetenz mitbringen. Schließlich sind wahre Experten rar und damit die für Expertenwissen erzielbaren Preise hoch.

Dies spiegelt sich auch in den Tagessätzen wider, die von den IT-Dienstleistern 2005 erzielt wurden und die sich deutlich nach erforderlicher Qualifikation und Erfahrung unterscheiden. So wurden Tätigkeiten, die spezifisches technisches Know-how, Beratungskompetenz oder Projekterfahrung voraussetzen, deutlich besser entlohnt als Aufgabengebiete mit vergleichsweise geringem Anforderungsprofil. Zudem fallen auch die Erwartungen für die zukünftige Entwicklung der Tagessätze für hochqualifizierte Tätigkeiten tendenziell optimistischer aus.

Bühne frei also für die Jagd nach erfahrenen Spezialisten? Dabei übersehen die Jäger gern, dass mit dem kollektiven Run auf die wenigen Spezialkräfte auch deren Löhne sowie die Kosten für die Expertensuche steigen. Dies lässt befürchten, dass sich die Belebung im IT-Services-Markt weniger in den Gewinnen der Anbieter als vielmehr in den Bilanzen von Headhuntern und auf den Gehaltsabrechnungen der Spezialisten widerspiegelt.

Dieses Phänomen ist nicht neu: Schon zu Zeiten des Goldrausches gingen die Schaufelverkäufer als die Gewinner hervor. Parallelen zeigen sich auch zum Fußballgeschäft, wo die Konzentration auf wenige Spezialisten für stetig steigende Spielergehälter und Transfersummen sorgt – zur Freude der Ballacks, Beckhams und Ronaldinhos sowie deren Berater. Demgegenüber wächst die Zahl der finanziell angeschlagenen Fußballvereine.

Es dürfte sich für die IT-Services-Anbieter also durchaus lohnen, verstärkt über Alternativen zur Jagdvariante nachzudenken. Für einige IT-Dienstleister könnte es sich schon auszahlen, in der eigenen Belegschaft nach potenziellen Experten zu suchen. So stehen viele IT-Services-Anbieter vor dem Problem, dass durch Industrialisierung und Globalisierung verschiedener Dienstleistungssegmente Arbeitsplätze obsolet werden. Werden Arbeitnehmer rechtzeitig für die Erschließung attraktiver Geschäftsfelder fit gemacht, können – zusätzlich zur Expertengewinnung – Betriebskapital erhalten und Entlassungskosten gespart werden.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich unter den Absolventen von heute nach den Experten von morgen umzuschauen und diese über Trainee-Programme und Jobcoaching zielgerichtet auszubilden. Ein verstärktes Bemühen um Absolventen dürfte sich angesichts der geburtenschwachen Jahrgänge zudem auch als wichtiger Schritt zur Sicherung des zukünftigen Führungspersonals herausstellen.

Unternehmen, die sich für diese Alternativen entscheiden, benötigen jedoch einen langen Atem. Ausbildung kostet und ein ROI ist – im Gegensatz zur Einstellung fertiger Experten – unsicher und nicht in naher Zukunft zu erwarten. Eine auf Dauer erfolgreiche Eigenentwicklung von Experten erfordert zudem auch eine langfristige Personalplanung. So sind hohe Fluktuationsraten eines der größten Hemmnisse für Investitionen in den eigenen Nachwuchs. Es gilt also, Strategien zu entwickeln, die helfen, ausgebildete Fachkräfte dauerhaft ans Unternehmen zu binden.

Wesentliche Voraussetzung für die Personalplanung ist schließlich die Identifikation von Themenfeldern im IT-Services-Umfeld, in denen mittel- und langfristig Bedarf für Spezialisten besteht und für die überdurchschnittlich hohe Tagessätze zu erwarten sind. Die Marktanalysen von Berlecon bilden eine gute Basis, um den IT-Services-Anbietern bei dieser Aufgabe weiterhin beratend zur Seite zu stehen.

Dass sich das Vertrauen auf den eigenen Nachwuchs tatsächlich auszahlen kann, wurde von den Klinsmännern in den letzten vier Wochen beeindruckend unter Beweis gestellt. Ob sie nun Fußball mögen oder nicht: Personalmanager deutscher IT-Dienstleister könnten sich in Sachen Risikobereitschaft und Vertrauen auf den eigenen Nachwuchs am deutschen Fußballnationaltrainer ein Beispiel nehmen.
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