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Fachartikel, 30.03.2006
Steuern und Recht
Alternative Finanzierungen für GmbHs
Trotz eines leichten Rückgangs von 6 Prozent war die Zahl der Insolvenzen 2005 mit 36.843 wieder unakzeptabel hoch. Eine der Ursachen hierfür ist das Problem vieler Unternehmen mit der Finanzierung des Umlaufvermögens und des weiteren Wachstums.
Da in Deutschland die Eigenkapitalquote aufgrund der bisherigen Steuerpolitik mit durchschnittlich 7 % im internationalen Vergleich sehr niedrig ist, fällt entsprechend oft die Rating-Bewertung nach Basel II ungünstig aus. Die Konsequenz ist häufig, dass die Hausbanken Fremdkapital nicht in dem benötigten Maße bewilligen. Die Zurückhaltung bei der Gewährung von Krediten macht es erforderlich, dass sich der Unternehmer nach alternativen Möglichkeiten umsieht und dabei u.U. mehrere Finanzierungslösungen unterschiedlicher Partner nutzt.

Factoring

Zunächst sollte immer geprüft werden, wie sich angesichts der operativen Geschäftslage die Liquiditätslage optimieren lässt. Anders als in den angelsächsischen Ländern werden in Deutschland alternative Finanzierungsinstrumente bislang zu selten genutzt. Eine mögliche Maßnahme ist der Verkauf von Forderungen in Form des Factoring. Einige Factor-Unternehmen konzentrieren sich auf mittelständische GmbHs und ihre spezifischen Anforderungen. Mit einfachen Prüfungsverfahren und Auszahlungsquoten von z.T. über 80 % ist auch eine umsatz-proportional mit wachsende Finanzierung möglich.

Der Factoring-Gebühr ist die schnellere Verfügbarkeit der Liquidität gegen zu rechnen, die es ermöglicht, Lieferantenskonti optimal zu nutzen und die Kreditlinie zu reduzieren. Außerdem wird die Buchhaltung entlastet und die Bilanz kann verkürzt werden. Diese Faktoren verbessern die Bewertung im Rating-Prozess der Hausbank. Factoring steht also nicht im Wettbewerb zu anderen Finanzierungsformen, sondern ergänzt diese.

Leasing

Leasing ist eine bislang ebenfalls noch wenig genutzte und nicht nur für den Fuhrpark geeignete Finanzierungsalternative. Auch Produktionseinrichtungen und andere Anlagegüter können geleast werden. Neben dem verringerten Cash-Bedarf bei Neuanschaffungen kann wie beim Factoring die Bilanz verkürzt werden. Manche Leasinggeber bieten zusätzlich ein Leasing für bereits erworbene Anlagen an („sale and lease back“), so dass Leasing als Finanzierungsinstrument auch dann in Frage kommt, wenn Investitionsgüter bereits angeschafft wurden.

Forderungsmanagement

In Zeiten einer generell verschlechterten Zahlungsmoral mit längeren Zahlungsfristen und einem steigenden Risiko des Ausfalls ist die laufende und zeitnahe Überwachung der Forderungen unabdingbar. Unternehmen, die über zahlreiche Forderungen mit eher niedrigen Durchschnittsbeträgen verfügen, sollten die Inanspruchnahme von professionellen Inkasso-Unternehmen prüfen, um das Forderungsmanagement effizient zu gestalten. Dies ist i.d.R. nicht mit mal wesentlichen Kosten verbunden, da das Inkasso-Unternehmen zusätzliche Beitreibungskosten erheben kann, die den entstehenden Aufwand decken. Auf jeden Fall ist so sichergestellt, dass Mahnungen rechtzeitig erstellt werden und die Gläubiger zeitnah und professionell angesprochen werden.

Selbst wenn das Unternehmen nicht über zahlreiche Forderungen verfügt, kann z.B. in der Zusammenarbeit mit einem Rechtsanwalt eine effiziente Beitreibung offener Posten betrieben werden.

Verbesserung der Eigenkapitalquote

Der mittelständische Unternehmer sollte sich in stärkerem Maße als in der Vergangenheit um eine Verbesserung der Eigenkapitalquote bemühen, z.B. durch die Gewinnung neuer Investoren. Einige Private Equity Geber und Business Angel haben nach dem Platzen der Internet-Blase die Vorteile einer Beteiligung an profitablen mittelständischen Unternehmen erkannt.

Nach einer kritischen Prüfung, ob die ausgewählte Form für das Unternehmen geeignet ist und ob die notwendigen Voraussetzungen erfüllt werden können, lassen sich weitergehende Informationen über eine Recherche im Internet relativ einfach beschaffen. Für die konkrete Auswahl möglicher Finanzierungspartner sollte man sich einen Kriterienkatalog anfertigen. Alles weitere ergibt sich nach der Kontaktaufnahme.

Direkte Beteiligung oder mezzanine Finanzierung

Für die Erhöhung der Eigenkapitalquote kommt u.a. die offene Beteiligung durch neue Gesellschafter in Betracht. Die geforderten Mitspracherechte und die Einflussnahme sprechen manchmal gegen die Aufnahme eines neuen Investors. In diesem Fall kann die mezzanine Finanzierung eine Alternative sein. Im Hinblick auf die anderweitigen Schwierigkeiten bei der Eigenkapitalbeschaffung und der Langwierigkeit durch Gewinn-Thesaurierung ist dies ein gerade für GmbH-Unternehmen attraktives Instrument.

Allerdings findet man i.d.R. nur dann Partner für eine mezzanine Finanzierung, wenn das Unternehmen über längere Zeit einen positiven Cash Flow erwirtschaftet hat. Das mezzanine Kapital sollte unbedingt Eigenkapital-ersetzenden Charakter haben und nicht als Fremdkapital gewertet werden.

Natürlich sind mezzanine Mittel aufgrund des höheren Risikos i.d.R. teuerer als vergleichbare Fremdkapitalmittel. Die Renditevorstellungen für mezzanines Kapital liegen bei nachrangigen Darlehen bei 8-12 %, bei einer Finanzierung mit Fremdkapitalcharakter bei 10–15 %, bei Eigenkapitalcharakter sogar bei 15–20 %. Die Bedienung der Zinslast sollte aus dem Cash Flow möglich sein und darf nicht zur Gefährdung des operativen Geschäftes führen. Da mezzanine Mittel mittelfristig zurück zu führen sind, sollte auf jeden Fall parallel Eigenkapital aufgebaut werden. Folgende Ausgestaltungen sind üblich:

::: nachrangige Darlehen werden durch einen Rangrücktritt des Gläubigers im Insolvenzfall zum Eigenkapitalsubstitut (z.B. bei Sanierungsmaßnahmen oder Gesellschaftsdarlehen).

::: partriarchische Darlehen bieten dem Investor neben einer festen Kreditverzinsung eine Beteiligung am Unternehmensergebnis.

::: Verkäuferdarlehen erlauben eine teilweise Stundung des Kaufpreises (häufig bei Anschub- oder Akquisitionsfinanzierungen)

::: Genuss-Scheine und atypische stille Beteiligungen sind ebenfalls grundsätzlich den mezzaninen Finanzierungsformen zu zu rechnen.

Potenzielle Investoren

Die mit Abstand beste Methode bleibt die Schaffung von Eigenkapital durch Thesaurierung von Unternehmensgewinnen und sollte für jeden Unternehmer der bevorzugte Weg sein. Wenn dies nicht ausreicht, kommt die Kapitalsuche im Kreise der heutigen Gesellschafter in Betracht. Erst wenn dies nicht funktioniert, wird sich der Unternehmer versuchen, externe Investoren zu finden. Ob dabei eine offene bzw. stille Beteiligung oder auch eine mezzanine Finanzierung gesucht werden, hängt von der jeweiligen Situation und den Interessen der Gesellschafter ab. Folgende Investorentypen kommen bei der Kapitaleinwerbung in Betracht:


::: Venture Capital Gesellschaften

investieren häufig in der Frühphase eines Unternehmens, aber auch in Wachstumsvorhaben. Das Handeln ist Exit-orientiert und folgt den Anlagerichtlinien der jeweiligen Gesellschaft. Die Investoren brauchen häufig Einflussmöglichkeiten auf das Geschäft z.B. durch einen Sitz im Beirat. Von den Investmentmanagern kann der Unternehmer qualifizierte Unterstützung beim weiteren Aufbau von organisatorischen Strukturen, einem effizienten Controlling und bei der Vorbereitung des späteren Exits erwarten. Typische Investmentgrößen liegen zwischen 0,1 und 1,0 Mio. €. In diesem Bereich sind eine Vielzahl von unterschiedlichen Unternehmen tätig, so dass eine Internet-Recherche auf jeden Fall empfehlenswert ist.


::: Beteiligungsunternehmen

konzentrieren sich in der Regel auf die Finanzierung bei etablierten Unternehmen in der Wachstumsphase oder bei Management Buy-Outs in Verbindung mit Nachfolgeregelungen. Häufig haben diese Unternehmen einen längerfristigen Anlagehorizont als die Venture Capital Unternehmen und verfolgen neben dem Exit auch Dividenden-Ziele, Die Beteiligungsgrößen sind typischerweise größer als bei Venture Capital Gesellschaften. Bankgebundene Beteiligungsgesellschaften haben häufig einen regionalen Fokus bei Wachstums- und Nachfolgefinanzierungen. Die Betreuungsqualität ist von Institut zu Institut unterschiedlich und reicht von einer aktiven Mitwirkung bis zur Beschränkung auf ein regelmäßiges Reporting.


::: Industrieunternehmen

treten mitunter direkt als Investoren auf. Bei den Beteiligungen liegt der Fokus fast immer auf Synergien zum eigenen Geschäft, z.B. für die Nutzung und Sicherung von Technologien und Verfahren. Chancen auf eine Finanzierung haben daher eher etablierte Unternehmen, die einer mittelfristigen Übernahme der Mehrheit durch den neuen Investor offen gegenüber stehen. Der Einfluss auf die Geschäftsführung ist oft recht weitgehend. Corporate Venture Gesellschaften sind Beteiligungsgesellschaften, die als Tochtergesellschaft zu einem Industrieunternehmen gehören und meistens ähnliche Ziele verfolgen.


::: Business Angel

sind insbesondere für Unternehmen in einer frühen Phase oder bei Restrukturierungen interessant. Es handelt sich oft um Manager und ehemalige Unternehmensführer, die mit Kapital, Rat und Kontaktnetzwerk helfen. Die Beteiligungsgröße liegt meistens unter € 1 Mio.. Anstatt starrer Anlagerichtlinien entscheidet der Business Angel nach der eigenen Erfahrung, aus Intuition und folgt seinen eigenen Regeln. Bei der üblicherweise engen Zusammenarbeit mit einem Business Angel sollte die Auswahl von beiden Seiten sehr sorgfältig erfolgen, da die „Chemie“ zwischen den Personen eine wichtige Rolle spielt.

In vielen Städten gibt es mittlerweile „Stammtische“, bei denen Unternehmer ihre Geschäftsideen vor einem Kreis von potenziellen Investoren testen können. Alleine schon die Rückmeldungen zum Geschäftskonzept und zur Präsentation lohnen den Aufwand.


::: Fondsverwaltungen

in unterschiedlicher Form und Größe suchen immer wieder attraktive Anlagemöglichkeiten für ihre Investoren. Einige gehen dabei auch oder ausschließlich Beteiligungen an Unternehmen bestimmter Branchen ein. Da diese Gruppe sehr heterogen ist, sind unterschiedliche Rahmenbedingungen an zu treffen. Meistens ist die Einwirkung auf das regelmäßige Reporting begrenzt. Die Anlageziele liegen entweder im Bereich des mittelfristigen Exits oder in der Erzielung langfristiger Renditen.


::: Förderbanken

bieten Unternehmen Kredite, mezzanine Mittel oder offene Beteiligungen an, wobei die Bedingungen von Programm zu Programm unterschiedlich sind. Ein Anbieter von Fördermitteln ist die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ (KfW) und ihre Töchter, z.B. die „tbg“. Unternehmen können Zuschüsse für innovative Entwicklungsvorhaben erhalten, wenn sie die Anforderungen erfüllen und den Antragsprozess durchlaufen haben. Neben der finanziellen Unterstützung fördert die KfW auch den Einsatz von Beratern mit Zuschüssen.

Bei einigen Programmen muss der Antrag von einem institutionellen Investor gestellt werden, der als Leadinvestor an dem Unternehmen beteiligt ist. Dies kann eine Venture Capital oder eine andere Beteiligungsgesellschaft sein. Die genauen Anforderungen lassen sich im Internet nachlesen.

Neben nationalen Förderprogrammen gibt es Institutionen in den Bundesländern, die Unternehmer in den einzelnen Bundesländern nach ihren eigenen Kriterien unterstützen sowie auch entsprechende EU-Programme. Der Fokus liegt überwiegend bei innovativen Produkte. Die verschiedenen Förderprogramme sind leider häufig recht unübersichtlich.


Fazit

Mittelständische Unternehmen, die aktiv die Möglichkeiten der Finanzierung nutzen, werden die derzeitige wirtschaftliche Krise gestärkt bewältigen und neue Geschäftsmöglichkeiten erfolgreich angehen können. Unternehmer sollten die Ergebnisse von Banken-Ratings nutzen, um die Unternehmensführung zu verbessern, und zwar in Richtung einer gestärkten Wettbewerbsfähigkeit und erst in zweiter Linie zur Erlangung von Krediten.


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Dr. rer. nat. Jürgen Kaack
Steinbeis Transferzentrum Integrierte Unternehmensführung
ZUM AUTOR
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