VOLLTEXTSUCHE
News, 22.02.2018
Mittelständische Chefetagen werden weiblicher
Mittelstand setzt verstärkt auf Frauen als Führungskräfte
Frauen in Führungspositionen sind in vielen Unternehmen in Deutschland mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Das gilt vor allem im Mittelstand, zeigt eine aktuelle Studie. Und auch in anderen Bereichen sind Unternehmen aus dem traditionsgeprägten Mittelstand moderner als so manche Großkonzerne.
Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil in der Belegschaft sind im Durchschnitt erfolgreicher als andere Unternehmen.
Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil in der Belegschaft sind im Durchschnitt erfolgreicher als andere Unternehmen.
Weibliche Führungskräfte, Geschäftsleitungs- und Aufsichtsratsmitglieder sind bei Mittelständlern stärker verbreitet als bei großen internationalen Konzernen. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Arbeitswelten 4.0 im Mittelstand“ der Unternehmensberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Dabei belegt die Studie, dass Unternehmen mit einem hohen Anteil von Frauen in Führungspositionen und –gremien in aller Regel überdurchschnittlich erfolgreich sind. Auf der Höhe der Zeit sind Mittelständler auch, was die Beschäftigung von Flüchtlingen und die Fachkräftesicherung angeht. Gleiches gilt für die Offenheit flexiblen Arbeitsmodellen gegenüber. Auch hier zeigt sich der Mittelstand fortschrittlicher als die deutsche Wirtschaft insgesamt. Zwar legen Mittelständler, weil als erfolgsförderlich bewertet, durchaus Wert auf eine gewisse Präsenz der Mitarbeiter am Unternehmensstandort, dennoch gewährt mehr als die Hälfte ihren Beschäftigten die Möglichkeit, zumindest einen Teil ihrer Arbeit zuhause in einem Home Office zu verrichten. In der Gesamtwirtschaft trifft das noch nicht einmal auf jedes dritte Unternehmen zu.

„In Zeiten digitaler Transformation, zunehmenden weltweiten Wettbewerbs, Fachkräftemangel sowie weiterer Umbrüche steht auch der Mittelstand unter starkem Veränderungsdruck. Wie reagieren Mittelständler zum Beispiel auf Entwicklungen wie Workspace 4.0 und eine ganz neue Führungskultur? Die Studie zeigt, dass Mittelständler oft, aber nicht immer dem Ruf besonderer Flexibilität gerecht werden“, erklärt Lutz Meyer, Partner und Leiter des Mittelstandsprogramms bei Deloitte.

Jede fünfte Führungsposition im Mittelstand mit Frau besetzt

Dass Frauen noch immer in Führungspositionen unterrepräsentiert sind und im Durchschnitt weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, ist bekannt. Wie die Studie ermittelte, zeigt sich diese Problematik allerdings im Mittelstand weit weniger als bei Großunternehmen und Konzernen. Während in Großunternehmen gerade einmal acht Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt sind, ist der Anteil weiblicher Führungskräfte bei Mittelständlern mit rund 18 Prozent mehr als doppelt so hoch. Die Forderung nach einem Überwinden der Gender-Problematik wird im Mittelstand von daher bereits, zumindest größtenteils, erfüllt. „Bereits die Tatsache, dass die Studienteilnehmer bei der Frage nach einer Diversity-Strategie eine solche nur zu einem sehr geringen Anteil für Frauen vorhalten, lässt den Schluss zu: Hier besteht subjektiv kaum noch Handlungsbedarf“, so Deloitte. Anders in Konzernen: Hier sind noch immer in 85 Prozent der Unternehmen die Führungsgremien ausschließlich mit Männern besetzt.

Höherer Frauenanteil befördert Unternehmenserfolg

Wie die Studie identifizierte, besteht zwischen dem Erfolg von Unternehmen und dem Anteil  weiblicher Führungskräfte eine Korrelation. So ergab der Vergleich erfolgreicher und weniger erfolgreicher Mittelständler, dass letztere sowohl in der Belegschaft insgesamt als auch in Führungs- bzw. Schlüsselpositionen weniger auf Frauen setzen als die erfolgreichen Unternehmen: Ist der Frauenanteil in Vorstandsgremien noch gleich, zeigt sich beim Blick auf die mit ein oder mehreren Frauen besetzten Aufsichtsräte bei den erfolgreichen Unternehmen ein Anteil von 19 Prozent, bei den weniger erfolgreichen dagegen nur ein Anteil von 13 Prozent. Ähnliche Unterschiede ermittelte die Studie auch bezogen auf den Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft. So wiesen die erfolgreichen Unternehmen durchschnittlich einen Frauenanteil von 41 Prozent aus, die weniger erfolgreichen Unternehmen dagegen im Schnitt nur einen weiblichen Beschäftigtenanteil von 34 Prozent.

Flüchtlinge als Hebel gegen Fachkräftemangel

Wie die Studie ergab, setzen Mittelständler stärker Integration von Flüchtlingen in den Betriebsalltag als andere Unternehmen. Triebfeder ist hier zum einen der sich verschärfende Fachkräftemangel, der von 74 Prozent der Mittelständler als eine der zentralen Herausforderungen genannt wird. Zum anderen erhoffen sich die Arbeitgeber von den neuen ausländischen Mitarbeitern frische Impulse und mehr interkulturelle Kompetenz im Unternehmen. „Viele Mittelständler sehen die Anstellung von Flüchtlingen als Investition in die Zukunft. Die mittelständischen Unternehmen planen, im Jahr 2022 bis zu 2,4 Prozent ihrer Stellen an Flüchtlinge zu vergeben, was ca. 500.000 Stellen entspräche“, so Prof. Dr. Patrick Ulrich, Lehrstuhlinhaber für Unternehmensführung und -kontrolle an der Hochschule Aalen. Allerdings sind sich die Mittelständler auch der Herausforderungen einer erfolgreichen Integration, wie beispielsweise das Überwinden der Sprachprobleme und Qualifikationsdefizite, bewusst.

Zurückhaltung beim Thema mobile Arbeit


In Bezug auf flexible Arbeitsmodelle – oder „Workspace 4.0“ – existieren klare Präferenzen. So wird das Thema Home Office zurückhaltend gehandhabt, obwohl diese Arbeitsform insgesamt immer noch öfter praktiziert wird als mobile, also ortsunabhängige Arbeit mit permanentem Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk. Tatsächlich gibt es mobile Arbeit nur bei 41 Prozent, während bei 59 Prozent der Studienteilnehmer ausgewählte Mitarbeiter auch von daheim arbeiten – deutlich mehr als bei großen Konzernen, die eine Quote von rund 30 Prozent aufweisen. Gleichzeitig gibt es jedoch nur in 27 Prozent der mittelständischen Unternehmen eine vertragliche Home Office Regelung.

„Angesichts der demografischen Entwicklung und des allgemeinen, digitalisierungsbedingten Wandels in der Arbeitswelt steht der Mittelstand unter Zugzwang. Gelingt es ihnen, neue Arbeitsformen mit den traditionellen Stärken des Mittelstands zu verbinden, können sie zu den Gewinnern der Entwicklung gehören“, so Markus Seiz, Director bei Deloitte.

Die komplette Studie „Arbeitswelten 4.0 im Mittelstand“ von Deloitte steht kostenfrei zum Download zur Verfügung.

cs/Deloitte; Bild: louisehoffmann83 / pixabay
WEITERE NEWS AUS DIESER KATEGORIE
NACHRICHTEN AUS ANDEREN RESSORTS
SUCHE
Volltextsuche





Profisuche
Anzeige
PRESSEFORUM MITTELSTAND
Pressedienst
LETZTE UNTERNEHMENSMELDUNGEN
BRANCHENVERZEICHNIS
Branchenverzeichnis
Kostenlose Corporate Showrooms inklusive Pressefach
Kostenloser Online-Dienst mit hochwertigen Corporate Showrooms (Microsites) - jetzt recherchieren und eintragen! Weitere Infos/kostenlos eintragen
Anzeige
BUSINESS-SERVICES
© novo per motio KG