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Interview, 13.06.2013
„Mittelstand Digital“
E-Business für KMU wettbewerbsentscheidend
Ein Interview mit Dr. Franz Büllingen
Dr. Franz Büllingen, Abteilungsleiter „Kommunikation und Innovation“ bei WIK Consult und Leiter der BMWi-Initiative „Mittelstand Digital“ über die Bedeutung digitaler Geschäftsprozesse für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), typische Hemmnisse bei der Einführung von E-Business und Unterstützungsangebote für KMU.

Herr Dr. Büllingen, sind Leiter der Begleitforschung für den Förderschwerpunkt „Mittelstand Digital – IKT-Anwendungen für die Wirtschaft“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Warum wird die elektronische Abwicklung von Geschäftsprozessen, also das sogenannten E-Business, für KMU beziehungsweise kleine und mittelgroße Unternehmen immer wichtiger?

Dr. Franz Büllingen: Durch neue Softwarelösungen, Internetanwendungen und standardisierte E-Business-Prozesse erschließen sich ganz neue Effizienzpotenziale und vielfältige innovative Geschäftsfelder. Arbeitsabläufe können automatisiert und vereinfacht, die Transaktionskosten gesenkt und die Durchlaufzeiten in den Prozessketten verringert werden. Außerdem kann die Flexibilität am Markt und gerade auch im Umgang mit den Kunden erheblich gesteigert werden. Durch die Digitalisierung verändert sich aber auch das Wettbewerbsumfeld, der Kosten- und Ertragsdruck steigt. Vor allem für KMU verschärft sich die Wettbewerbssituation.

Wieso haben die KMU Schwierigkeiten bei der Einführung des E-Business?

Büllingen: Die Einführung elektronischer Geschäftsprozesse stellt den Mittelstand und das Handwerk vor große Herausforderungen. Das liegt daran, dass eben jene Unternehmen meist nicht über eine eigene IT-Abteilung verfügen und die eigenen Ressourcen zusätzlich häufig zu knapp sind, um externe Dienstleister zu beauftragen. Das sind schlichtweg ungünstige Voraussetzungen, da es gerade die neuen Softwarelösungen, Internetanwendungen und standardisierte E-Business-Lösungen sind, die enorme Effizienzpotenziale und vielfältig neue Geschäftsfelder bieten. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat nun mit Mittelstand-Digital einen Förderschwerpunkt ins Leben gerufen, der gezielt kleine und mittlere Unternehmen die Möglichkeit gibt, an der aktuellen Entwicklung hin zu elektronischer Geschäftsprozessen teilzuhaben und von den positiven Effekten zu profitieren.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unterstützt mit dem Förderschwerpunkt „Mittelstand-Digital“ die Digitalisierung der Geschäftsprozesse mittelständischer Unternehmen und des Handwerks. Was für ein Ziel verfolgt Mittelstand-Digital?

Büllingen: Mit dem Förderschwerpunkt „Mittelstand-Digital – IKT-Anwendungen in der Wirtschaft“ unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium KMU beim intelligenten Einsatz von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien, der IKT. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen zu stärken und künftige Wachstumsbereiche durch die Digitalisierung der Industrie, durch den Einsatz intelligenter Anwendungen und durch die Förderung innovativer Startups zu erschließen. Mittelstand-Digital setzt sich dabei aus drei Förderinitiativen zusammen, die jeweils eine Laufzeit von drei Jahren haben: dem eKompetenz-Netzwerk für Unternehmen mit seinen 38 sogenannten eBusiness-Lotsen, der Förderinitiative „Einfach intuitiv – Usability für den Mittelstand“ mit 10 Projekten und der Förderinitiative „eStandards: Geschäftsprozesse standardisieren, Erfolge sichern“ mit 11 Projekten.

Warum ist die Standardisierung digitaler Geschäftsprozesse so wichtig für den Mittelstand?

Büllingen: Der Begriff „eStandards“ steht für die flächendeckende Verbreitung digitaler Standards und bildet eine Art gemeinsame Sprache im elektronischen Geschäftsverkehr.  Diese gemeinsame Sprache bildet die Grundlage für eine effiziente Vernetzung und einen automatisierten Austausch von Daten in und zwischen Unternehmen sowie mit der öffentlichen Verwaltung. Mit eStandards können Geschäftsprozesse beschleunigt, die Qualität von Dienstleistungen verbessert und Kosten gesenkt werden. Allerdings ist die Implementierung dieser digitalen Standards mit hohem organisatorischem und finanziellem Aufwand verbunden, weshalb sich besonders kleine und mittelständische Unternehmen damit besonders schwer tun.

Spricht man von digitalen Prozessen, fällt früher oder später auch das Stichwort Usability. Eine Förderinitiative von Mittelstand-Digital trägt ebenfalls diesen Namen. Um was es geht es hier im Kern?


Büllingen: Usability ist einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren im E-Business. Im Allgemeinen bezeichnet Usability die Einfachheit, Nutzerfreundlichkeit und Gebrauchstauglichkeit von Software-Produkten oder Web-Applikationen im alltäglichen Umgang und ist ein wichtiges Qualitätskriterium – folglich sind es gerade die benutzerfreundlichen Anwendungen, die ihre Kunden zufriedener stellen und am Markt sehr erfolgreich sind. Insbesondere im Bereich der Unternehmenssoftware bestehen hier noch erhebliche Verbesserungspotenziale. Dafür hat das Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen von Mittelstand-Digital auch die Förderinitiative „Einfach intuitiv – Usability für den Mittelstand“ ins Leben gerufen. Die einzelnen Projekte dieser Initiative haben es sich zu ihrer Aufgabe gemacht, Hilfestellungen für kleine und mittlere Unternehmen zu entwickeln und zu testen, um schlussendlich die Qualität und Gebrauchstauglichkeit der eingesetzten und der produzierten betrieblichen Software zu verbessern. Wir erwarten dadurch eine enorme Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit auf Seiten der Anbieter und eine deutlich höhere Zufriedenheit auf Seiten der Kunden und Anwender.

Das „eKompetenz-Netzwerk für Unternehmen“ ist die dritte und damit letzte Förderinitiative des Förderschwerpunktes  Mittelstand-Digital. Wie würden Sie die Aufgabe der sogenannten E-Business-Lotsen beschreiben?

Büllingen: Die 38 eBusiness-Lotsen sind regionalen Anlaufstellen, die, gut über das Land verteilt, KMU und dem Handwerk anbieterneutrale und praxisnahe Informationen für das E-Business bereitstellen. Die Lotsen tragen durch aktives Wissensmanagement  erheblich zur Markttransparenz bei und helfen den Unternehmen bei der Suche nach effizienten, einfachen, bezahlbaren und praktikablen IT-Lösungen. Das alles funktioniert natürlich nur, weil die eBusiness-Lotsen untereinander stark vernetzt sind, sich untereinander austauschen und arbeitsteilig einen qualifizierten Technologietransfer in großer thematischer Breite gewährleisten. Die eBusiness-Lotsen stellen daher ein wichtiges kommunikatives Bindeglied zwischen den innovationsorientierten Förderinitiativen „eStandards“ und „Usability“ dar, um das dort erzeugte Know-how möglichst schnell und möglichst breit in die Fläche zu transportieren.

ZUM AUTOR
Über Dr. Franz Büllingen
WIK Consult
Dr. Franz Büllingen ist Abteilungsleiter „Kommunikation und Innovation“ bei WIK Consult und Leiter der Begleitforschung für den Förderschwerpunkt „Mittelstand Digital – IKT-Anwendungen für die Wirtschaft“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.
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