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News, 06.07.2018
Mindestlohn-Studie
Mindestlohn fördert Wirtschaftswachstum
Nachdem der Mindestlohn lange Zeit von wirtschaftsnahen Interessenvertretern als Job- und Wachstumskiller vehement bekämpft wurde, belegt jetzt eine Studie genau das Gegenteil. So stärkt der Mindestlohn die Kaufkraft, treibt das Wirtschaftswachstum an und führt zu höheren Staatseinnahmen.
Profiteure des Mindestlohns sind u.a. Beschäftigte im Gastgewerbe. Ab 2019 empfiehlt die Mindeslohnkommission eine Anhebung auf 9,19 Euro.
Profiteure des Mindestlohns sind u.a. Beschäftigte im Gastgewerbe. Ab 2019 empfiehlt die Mindeslohnkommission eine Anhebung auf 9,19 Euro.
Der Mindestlohn nützt nicht nur Geringverdienern, sondern ist auch ein Gewinn für die gesamte Volkswirtschaft. Das belegt jetzt eine neue Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.  In dieser haben Ökonomen für einen Zeitraum von zehn Jahren Szenarien mit und ohne Mindestlohn durchgerechnet und verglichen. Die Ergebnisse der Untersuchung: Anders als von vielen Wirtschaftsverbänden und Mindestlohn-Skeptikern vorhergesagt, stärkt der Mindestlohn nicht nur die Kaufkraft von Niedriglohn-Empfängern, sondern hat auch positive Effekte auf das Wirtschaftswachstum und die Staatseinnahmen.

Mindestlohn stärkt den privaten Konsum

Wie aus der im Auftrag der Mindestlohnkommission erstellten Studie „Makroökonomische Folgen des gesetzlichen Mindestlohns aus keynesianisch geprägter Perspektive“ hervorgeht, fällt die Bilanz rund dreieinhalb Jahre nach Einführung der gesetzlichen Lohnuntergrenze positiv aus. So sind die Löhne im Niedriglohnsektor in den letzten Jahren deutlich gestiegen, und das von Mindestlohn-Kritikern vorhergesagte Schreckensszenario massenhaften Stellenabbaus ausgeblieben.

Des Weiteren ist der Mindestlohn ein Wachstumsverstärker. So fällt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in dem Szenario mit Mindestlohn durchgehend 0,25 Prozent höher aus als in dem Szenario ohne gesetzliche Lohnuntergrenze. Der Grund: Nicht nur die Löhne der unmittelbar betroffenen Beschäftigten steigen deutlich - im Schnitt um 18 Prozent. Der Mindestlohn wirkt auch in Form sogenannter "Spillover-Effekte" positiv auf die angrenzenden Gehaltsgruppen. Die gesamtwirtschaftliche Lohnsumme erhöht sich dadurch nach zwei Jahren um gut ein Prozent und nach zehn Jahren um zwei Prozent.

Die Folge: Da die Konsumquote im unteren Bereich der Lohnverteilung, wo die Steigerungen anfallen, vergleichsweise hoch ist, legt der private Verbrauch um 0,5 bis 0,7 Prozent zu. Das schlägt sich wiederum in einer höheren Wirtschaftsleistung nieder. „Die Wachstumseffekte fallen auch deshalb so positiv aus, weil die Beschäftigung weitestgehend stabil bleibt“, so das IMK. „Der Studie zufolge dürften zwar Minijobs weggefallen sein. Sie wurden aber zu einem erheblichen Teil umgewandelt in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, sodass sich am Arbeitsvolumen insgesamt nichts änderte.“

Leichte Änderungen gibt es der Studie nach dagegen beim Preisniveau, das anfänglich 0,2 Prozent, nach zehn Jahren 0,5 Prozent höher liegt. Angesichts der immer noch bestehenden Unterschreitung der Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank (EZB) sei dieser Effekt aber zu begrüßen, so die Forscher. Auch der Fiskus profitiert: Die steigenden Steuereinnahmen lassen die Defizitquote sinken.

In einem weiteren Szenario haben die Wissenschaftler zusätzlich untersucht, was passiert, wenn der Staat die entstehenden Mehreinnahmen für höhere Ausgaben nutzt, wie es in der Realität seit 2015 der Fall war. Wächst der Staatsverbrauch so um ein Prozent zusätzlich, fällt der Wachstumseffekt sogar doppelt so hoch aus. Auch die Beschäftigung liegt dann merklich über dem Szenario ohne Mindestlohn.

Mindestlohn stabilisiert Tarifsystem und stärkt die Volkswirtschaft


Laut Studie war der gesetzliche Mindestlohn notwendig zur Absicherung einer "makroökonomisch orientierten Lohnpolitik". Eine solche Lohnpolitik schöpft den Verteilungsspielraum aus, der sich aus dem trendmäßigen Produktivitätswachstum und der Zielinflationsrate ergibt. Dass entsprechende Lohnsteigerungen lange nicht erreicht wurden, dürfte nach Einschätzung der Ökonomen mit dem Rückgang der Tarifbindung und der Arbeitsmarktpolitik im letzten Jahrzehnt in Deutschland zusammenhängen. Der Mindestlohn verhindert jetzt aber ein Ausfransen der Lohnverteilung nach unten und stabilisiert so das Tarifsystem. Wenn es auf dieser Basis gelingen sollte, eine makroökonomisch orientierte Lohnpolitik durchzusetzen, steigt der private Konsum innerhalb von 10 Jahren um zusätzlich 4,8 Prozent. Die Lohnquote würde gegenüber der Entwicklung in der Vergangenheit steigen, das Staatsdefizit weiter sinken.

Das Fazit der Wissenschaftler: Der Mindestlohn sei ein Gewinn für die Volkswirtschaft. Vorteilhafte Auswirkungen seien bereits jetzt nachweisbar: "Er hat mit dazu beigetragen, dass Deutschland auf einen stabileren Wachstumskurs eingeschwenkt ist, der nicht nur auf Exporterfolgen, sondern auch auf einem stabilen Wachstum der Binnennachfrage beruht", so die Wirtschaftsforscher in ihrem Bericht.

Der IMK-Report „Positive gesamtwirtschaftliche Effekte des gesetzlichen Mindestlohns - eine ökonometrische Untersuchung“ steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

cs/Hans-Böckler-Stiftung; Bild von LuckyLife11 / pixabay; Lizenz: CC0 Creative Common
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