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News, 10.12.2012
Krankfeiern auf Firmenkosten
Millionen Deutsche planen im Winter „Urlaub auf Krankenschein“
Gut jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland plant oder überlegt, sich in den Wintermonaten durch eine vorgetäuschte Krankheit ein paar freie Arbeitstage zu gönnen. Mehr als 300.000 Deutsche haben sogar vor, mehr als 14 Tage blauzumachen.

Ausschlafen, Füße hochlegen, kein Stress, kein Zeitdruck – wer liebt sie nicht, die arbeitsfreien Tage. Was aber, wenn das Kontingent an Urlaubstagen zu Beginn der kalten Jahreszeit schon aufgebraucht ist? Dann gibt es nur noch eine Möglichkeit: den „Urlaub auf Attest“. Immerhin 1,5 Millionen Beschäftigte in Deutschland haben einen solchen für die Wintermonate bereits fest eingeplant, knapp 2,1 Millionen Deutsche denken zumindest darüber nach, sich mittels einer vorgetäuschten Krankheit einige zusätzliche Urlaubstage auf Firmenkosten zu gönnen. Das ergab jetzt eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens UMA unter 6.504 Berufstätigen in Deutschland im Auftrag des Online-Reiseportals ab-in-den-urlaub.de. Nimmt man die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland von rund 29,4 Millionen (September 2012), bedeutet das, dass mehr als jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland in den kommenden Wintermonaten einige Tage „krankzufeiern“ plant oder dies zumindest in Erwägung zieht. Wie ab-in-den-urlaub.de errechnete, ergebe sich allein durch das „Blaumachen“ ein volkswirtschaftlicher Schaden von rund 2,4 Mrd. Euro.

Mehrheit begnügt sich mit maximal einer Woche „Urlaub auf Attest“


Die meisten Blaumacher setzen, wohl auch um das Risiko zu reduzieren, auf kurze Ausfallzeiten. So planen 80 Prozent der Arbeitnehmer, bei denen eine „Blaumach“-Auszeit aktuell bereits beschlossene Sache ist, drei bis sieben Tage krankzufeiern: 4,2 Prozent der befragten Arbeitnehmer, hochgerechnet 1,2 Millionen Deutsche, planen eine Ausfallzeit von dieser Dauer. Weitere 200.000 Arbeitnehmer (0,7% aller Befragten) wollen sich im Winter auf Basis einer simulierten Krankheit in den Wintermonaten sogar einen zwei- bis dreiwöchigen Extraurlaub gönnen. Rund 115.000 Deutsche (0,4% der Umfrageteilnehmer) planen sogar eine „Ausfallzeit auf Krankenschein“ von länger als drei Wochen.

Beschäftigte, die sich in dieser Form zu einem Extraurlaub tricksen, spielen allerdings mit hohem Einsatz, warnt der Kölner Fachanwalt für Arbeitsrecht, Freiherr Fenimore von Bredow: „Wird der Arbeitnehmer beim "Blaumachen" erwischt, drohen ernste Konsequenzen. Für die Fehlzeit gibt es kein Gehalt. Der Arbeitgeber kann außerdem wählen zwischen fristloser Kündigung, ordentlicher Kündigung oder Abmahnung", so von Bredow.

Westdeutsche und „Bildungselite“ feiern am häufigsten krank

Besonders belieb ist das Krankfeiern in Westdeutschland. Hier planen rund 5,8 Prozent der Befragten, das sind hochgerechnet 1,35 Millionen Beschäftigte, in diesem Winter eine Auszeit auf Attest. Im Osten trifft dies lediglich auf 5,1 Prozent der befragten Berufstätigen – hochgerechnet etwa 275.000 Arbeitnehmer – zu. Noch auffälliger sind allerdings die Unterschiede beim Blick auf das Bildungsniveau der „Blaumacher“, demnach die Offenheit, auf Firmenkosten krankzufeiern, bei den Beschäftigten mit einem hochwertigem Bildungsabschluss deutlich stärker ausgeprägt ist als beim Rest der Arbeitnehmerschaft. So beläuft sich der Blaumacher-Anteil in der Beschäftigtengruppe mit Abitur oder Hochschulabschluss auf 45,7 Prozent, in der Gruppe der Arbeitnehmer mit Realschulabschluss dagegen nur auf 38,3 Prozent. Die geringste Neigung, krankzufeiern, zeigen - hinter der Gruppe der Beschäftigten mit Volksschulabschluss (37,6%) – Arbeitnehmer ohne Abschluss (36,6%).

Fast jeder Fünfte macht wegen schlechtem Arbeitsklima blau

Die Beweggründe zum Krankfeiern sind so vielschichtig wie die Länge der Ausfallzeiten. So nannten 13,3 Prozent der „Blaumacher“ bzw. rund 202.000 Arbeitnehmer als Begründung für die Auszeit, dass im Winter eine (vorgetäuschte) Krankheit weniger auffällt. Weitere 17,5 Prozent (gut 266.000 Arbeitnehmer) gaben an, sie wollten sich auf diese Weise Konflikten am Arbeitsplatz entziehen. Immerhin fast 10 Prozent der vorsätzlichen Krankmacher (rund 148.000 Arbeitnehmer) wollen damit ihrem Arbeitgeber "eine auswischen". Sage und schreibe 27,9 Prozent bekommen dagegen angeblich den “Winterblues“. Ihre Begründung für das “Blaumachen“: Sie bekämen, wenn es dunkel ist, immer Depressionen.

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