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News, 22.01.2019
Hohe Gründergeist
Migranten wagen häufiger Schritt in die Selbstständigkeit
Migranten leisten einen überdurchschnittlichen Beitrag zum Gründungsgeschehen in Deutschland, zeigt eine aktuelle Studie. Hauptgründe für die höhere Gründungsaktivität von Migranten: der Wunsch nach Selbstständigkeit und Arbeitsmarktnachteile.

Migranten verfügen über einen überdurchschnittlich hohen Unternehmergeist. Wie eine Sonderauswertung des KfW-Gründungsmonitors 2018 ergeben hat, machen sie 21 Prozent der Gründer in Deutschland aus. Damit liegt der Gründeranteil von nach Deutschland zugewanderten Menschen höher als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung (im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2017: 18 %). Die überdurchschnittliche Gründungsaktivität von Migranten in Deutschland hat der KfW zufolge zwei zentrale Gründe: Zum einen ist unter Migranten der Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit stärker ausgeprägt als in der Gesamtheit der Bevölkerung. Zum anderen haben sie schlechtere Arbeitsmarktchancen und gründen häufiger in Ermangelung guter Jobalternativen.

Migranten haben einen starken Hang zum Unternehmertum

Wie aus der Sonderauswertung hervorgeht, neigen Migranten grundsätzlich stärker zu einer selbständigen Tätigkeit als Deutsche. So ziehen 38 Prozent der nach Deutschland zugewanderten Menschen grundsätzlich eine Selbstständigkeit einer abhängigen Beschäftigung vor, in der Gesamtbevölkerung trifft dies dagegen lediglich auf 29 Prozent zu. „Ein wichtiger Faktor für diesen Unterschied ist, dass viele Migranten durch eine größere Risikofreude und mehr unternehmerische Vorbilder aus ihrer Herkunftskultur geprägt sind“, so die KfW.

Hinzu kommt, dass Migranten im Mittel schlechtere formale Berufsqualifikationen aufweisen und damit schlechtere Beschäftigungschancen haben als der Durchschnitt der Erwerbstätigen. So haben 46 Prozent der Migranten keinen bzw. keinen in Deutschland anerkannten Berufsabschluss, in der gesamten Erwerbsbevölkerung ist dies dagegen nur bei  22 Prozent der Fall. Unter dem Eindruck dieser Arbeitsmarktnachteile und weil sie keine besseren Erwerbsalternativen sehen, wagen Migranten überdurchschnittlich häufig den Schritt in die Selbstständigkeit. Dies zeigt auch der Blick auf den sogenannten Notgründeranteil:  Während dieser bei Migranten 38 Prozent beträgt, machen sich im Durchschnitt aller Erwerbstätigkeiten lediglich 31 Prozent aus der Not heraus selbstständigkeit.

Ein weiterer Einflussfaktor für die Chancen am Arbeitsmarkt ist neben dem Berufsabschluss das Beherrschen der Landessprache. Zwei Drittel der 18–64-jährigen Migranten spricht überwiegend Deutsch im eigenen Haushalt. Nur 35 Prozent leben in einem fremdsprachigen Haushalt, häufig sind dessen Mitglieder erst kürzlich zugewandert. Eine ausländische Haushaltssprache ist zwar nicht gleichbedeutend mit schlechten Deutschkenntnissen, doch Migranten aus fremdsprachigen Haushalten haben statistisch schlechtere Arbeitsmarktchancen. Sie sind z. B. häufiger arbeitslos als Migranten insgesamt (12 % gegenüber 8 %). Deshalb ist auch der Anteil von Notgründern besonders hoch (48 %). Davon abgesehen ist auch der Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit noch einmal höher als unter Migranten insgesamt (41 %). Im Ergebnis ist die Selbstständigenquote unter Migranten aus fremdsprachigen Haushalten überdurchschnittlich (9 % gegenüber 7 % bei Migranten insgesamt).

Migranten aus fremdsprachigen Haushalten gründen noch etwas häufiger mit Mitarbeitern als Migranten insgesamt (36 % gegenüber 32 %). Der Branchenschwerpunkt liegt auf persönlichen Dienstleistungen (42 % gegenüber 35 %), dort besonders in der Gastronomie. Migranten aus fremdsprachigen Haushalten nehmen außerdem einige Gründungsprobleme überdurchschnittlich stark wahr. Sie sorgen sich häufiger um ihre fachliche Qualifikation und ihre Geschäftsideen. Besonders stark nehmen sie aber Finanzierungsschwierigkeiten wahr (40 % gegenüber 29 %).

 „Migranten sind ein unverzichtbarer Teil des Gründungsgeschehens in Deutschland, ihre Selbstständigenquote ist überdurchschnittlich“, so Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. Die KfW-Sonderauswertung zu Gründungen durch Migranten steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

cs/KfW; Bild: BANITA TOUR / pixabay; Lizenz: CC0 Creative Commons

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