Miriam Meckel ist wohl das derzeit bekannteste Burnout-Opfer. Millionen andere Menschen sind jedoch ebenfalls ausgebrannt. Ein Interventionsmix weist den Weg zu mehr mentaler Stärke.
Wenn sich Burnout-Symptome einstellen, ist es höchste Zeit zu reagieren. Das beste Mittel gegen Stress ist neben Sport mentales Training.
Über Miriam Meckel, Lebensgefährtin von Talkmasterin Anne Will, wird derzeit nahezu tagtäglich in den Medien berichtet. Der Grund: Jüngst hat Meckel ihr neues Buch „Brief an mein Leben – Erfahrungen mit einem Burnout“ veröffentlicht und damit der Welt kund getan, dass sie einen schweren Zusammenbruch hatte und unter geistiger Erschöpfung litt. Das überraschte, denn die Kommunikationswissenschaftlerin galt bislang vor allem als äußerst erfolgreiche, zielstrebige Powerfrau. Mit gerade mal 31 Jahren war sie Deutschlands jüngste Professorin, später Regierungssprecherin und Staatssekretärin beim Ministerpräsidenten Wolfgang Clement in Nordrhein-Westfalen. Und nun das öffentliche Burnout-Bekenntnis.
Darüber, wie sie ihr Buch und damit sich selbst vermarktet, lässt sich sicherlich streiten. Doch Meckel bringt prägnant ins Bewusstsein, dass es Millionen Menschen gibt, die wie sie völlig ausgebrannt sind. Aktuelle Studien etwa der Techniker Krankenkasse oder der Allianz Krankenversicherung belegen die Dramatik: Mittlerweile verursachten psychische Probleme bereits knapp ein Viertel aller Fälle von Berufsunfähigkeit! Tendenz, weiter steigend!
Laut einer Meta-Analyse von 25 Studien lassen sich Burnout-Symptome – zumindest für eine gewisse Zeit – statistisch signifikant reduzieren. Dazu eignen sich sowohl personenbezogene Interventionen, etwa kognitive Verhaltenstraining, Psychotherapie, Beratung, Training kommunikativer Fertigkeiten, soziale Unterstützung, Entspannungsübungen oder Musiktherapie, als auch Maßnahmen auf Organisationsebene in Form von Neustrukturierungen der Arbeitsabläufe, Neugliederung von Schichtarbeit, neuen Systemen zur Leistungsbewertung sowie neuen Formen der Mitarbeiterbeurteilung.
Einen noch wichtigeren Beitrag kann ein mentales Training leisten, sowohl zur Rehabilitation als auch zur Prävention. Denn mentales Training gibt dem Anwender die Möglichkeit, sich – wie durch eine Impfung – gegenüber Stressoren zu immunisieren und zudem sein geistiges Potenzial positiv und konstruktiv zu nutzen. Nach Erkenntnissen der Deutschen Sporthochschule in Köln lässt sich die mentale Stärke wie ein Muskel "trainieren“ und die Stresskompetenz durch entsprechende Übungen entwickeln.
Nicht zuletzt im Sport zeigt sich, dass es bei Top-Level-Leistungen oftmals die mentale Stärke ist, die den Sieger vom Zweitplatzierten unterscheidet. Und Top-Leistungen sind tagtäglich auch in der Arbeitswelt gefordert, insbesondere bei Führungskräften. Um jedoch Topleistungen abrufen zu können, müssen Ängste, Unsicherheiten, Selbstzweifel und andere Ablenkungen während der Leistungserbringung ausgeblendet werden. Körper und Geist müssen im richtigen Moment in Form sein und die Konzentration auf das Wesentliche gelenkt werden.
Was mentale Power im Alltag bringt, stellte im vergangenen Jahr Flugkapitän Chesley Sullenberger unter Beweis. Als bei seinem Airbus plötzlich beide Triebwerke ausfielen, machte der Pilot kaltschnäuzig eine Notlandung auf dem Hudson River in New York und rettete auf diese Weise 155 Menschenleben. Aus Psychologensicht führte Sullenberger vor, wie er, obgleich aus der Routine gekippt, punktgenau das zu leisten imstande war, was er jahrzehntelang trainiert hatte.
Mentales Training ist daher für den Heidelberger Sportpsychologen und Buchautor Hans Eberspächer („Gut sein, wenn's drauf ankommt“, Hanser Verlag, München 2008) der Schlüssel zu so einem „Wunder“. Allein die mentale Vorstellung einer Bewegung oder Handlung aktiviert nach seinen Erkenntnissen dieselben Hirnareale wie die Bewegung oder die Handlung selbst. Das lässt sich hirnphysiologisch im Kernspin nachweisen.
Jeder kann daher intensiv daran arbeiten, mental stärker zu werden. Die wundersame Macht der guten Gedanken heilt zudem besser als alle Pillen. Und auch bei Aufmerksamkeitsdefiziten ist mentales Training hervorragend geeignet.