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Fachartikel, 02.03.2009
Kommunikation
Wie Frauen sprechen müssen…damit Männer sie verstehen!
Die Kommunikation von Männern und Frauen ist von sehr unterschiedlichem Denken beeinflusst. Zunächst einmal sprechen Frauen im Durchschnitt 10.000 Wörter pro Tag, Männer dagegen nur 4.000! Das ist keine reine Gewohnheit, sondern die Grundausstattung der Natur: Männer empfinden es als anstrengend, mehr reden zu müssen, wohingegen Frauen, die sich nicht „aussprechen“ können (im wahrsten Sinne des Wortes), auf Dauer seelisch krank werden.
Neulich im Büro: Ein Mann stellt eine brillante, simple Lösung eines Problems in knappen, kurzen Worten als Erfolgsmeldung dar. Eine Frau aus der Runde stellt Detailfragen: „Haben Sie dieses bedacht, jenen Menschen dazu gefragt?“ usw. Vielleicht versucht sie noch eine Lösung zu finden, indem sie "laut denkt“ und wirkt dadurch nicht nur als Bedenkenträger, sondern auch als wenig kompetent – zumal sie die Probleme nicht unbedingt in einer logischen und (auf den ersten Blick) systematischen Art löst. Männer werden durch solches Kommunikationsverhalten  verunsichert und vielleicht sogar aggressiv, weil es ihnen erscheint, als ob die Frauen ihre Zeit verschwenden, wenn sie nicht auf ähnlich geradlinige Art, wie die Männer selbst, versuchen, sich einem Problem zu nähern. Aus ihrer Sicht verkomplizieren wir Frauen alles - aus unserer Sicht machen die Männer sich das alles zu einfach und übersehen ein paar wesentliche Details…

Was dabei ganz entscheidend ist: Frauen reden in ihrer traditionellen Umgebung sehr viel mehr, das heißt also in der privaten Sphäre, in der Familie oder mit Freundinnen. In entscheidenden Geschäftsverhandlungen dagegen reden sie sehr viel weniger als Männer. Frauen reden auch sehr viel leiser und werden häufiger unterbrochen. Dabei hat das „Wie“ der Kommunikation mit dem „Warum“ zu tun: Im privaten wie im beruflichen Bereich sprechen Frauen, um Nähe zum Partner herzustellen und ihre Gedanken zu sortieren, also sich über bestimmte Dinge klar zu werden. Deswegen ist es nicht ungewöhnlich, dass Frauen auch am Arbeitsplatz über Privates oder ihre Gefühle reden - sogar sehr gerne. Männer dagegen sprechen am Arbeitsplatz deutlich weniger über Privates und schon gar nicht über private Probleme. Sie stellen Nähe durch physische Anwesenheit und gemeinsames Handeln her - gemeinsam Bier trinken; gemeinsame Ziele erreichen; mit Freunden Fußball schauen. Da sie ihr Selbstbewusstsein aus dem beziehen, was sie geleistet haben, benutzen sie häufig die Ich-Form - auch wenn hinter dem Ergebnis eine Gruppe von Menschen steht. Männer genießen es, sich und ihre Erfolge zu präsentieren.

Ein Tipp von Frau zu Frau: Nimm es ihm nicht übel, wenn ihm das Höflichkeits-Modul fehlt – das hat er früher auf der Jagd nicht gebraucht. Nimm nicht alles so persönlich!

Beim „Was“ der Kommunikation sieht es wie folgt aus: Männer sprechen primär über Dinge, Fakten, Informationen. Sie mögen sachliche Inhalte und Zahlen und drücken sich dabei meist direkt und knapp aus. Diese Direktheit und das „Kurzangebundene“ wirken auf uns Frauen häufig sehr ruppig und unhöflich - dabei ist es gar nicht so gemeint.

Wenn ein Kollege oder der Chef mal etwas ruppig und unhöflich zu uns ist, dann machen wir uns oft darüber viel zu viele Gedanken. Einige Frauen neigen sogar dazu, wochenlang über solche Situationen zu grübeln. Typischerweise fragen sie sich gleich, was sie getan haben könnten, um diese Reaktion hervorzurufen. Es lohnt sich jedoch nicht, darüber nachzudenken. Oftmals merken Männer es gar nicht, wenn sie die Regeln der Höflichkeit nicht beachten, da sie in Gedanken so mit ihren Dingen beschäftigt sind. Jammern Sie nicht über ihr verletztes Ego, sondern konzentrieren Sie sich lieber auf Ihr Ziel.

Wir Frauen sprechen gerne über unsere Gefühle und über andere Menschen. Zudem können wir uns stundenlang über unsere Verbesserungsvisionen und -aktionen auslassen: eine neue Frisur, ein neues Kleid, die Gardinen… und was wir nicht alles in der Firma verbessern würden, wenn man(n) uns nur lassen würde. Wir wollen einfach alle Dinge verbessern und verschönern (inklusive unseren Partner!). Männer leben jedoch nach dem unbewussten Motto: a) Tue nichts, was Du nicht tun musst! und b) So lange etwas (noch) funktioniert, sollte man es nicht reparieren (bzw. verbessern). Wahrscheinlich sind deshalb Frauen Veränderungen und Fremdem gegenüber viel aufgeschlossener als Männer.

Wenn Männer von Problemen sprechen, dann beschreiben sie lediglich das „große Bild“, sie vereinfachen selbst komplexeste Sachverhalte auf ein absolutes Minimum. Wenn wir Frauen Sachverhalte schildern, dann gerne inklusive aller Details. Zudem drücken wir uns indirekt und verschleierter aus. Dieses indirekte Ausdrücken ist immer auch das Höflichere! In allen Kulturen der Erde sind Frauen höflicher als Männer.

Ein Tipp von Frau zu Frau: Sprich über Lösungen! Sprich über Erfolge! Fasse dich dabei kurz. Mache eine Pause nach wichtigen Aussagen und wiederhole diese!

Die meisten Frauen müssen lernen, sich knapp und klar auszudrücken. In der Kommunikation mit Männern sollte alles so genau wie möglich und auf den Punkt gebracht formuliert werden! Viele Frauen machen „Monstersätze“ und halten lange Monologe. Doch spätestens nach 30 Sekunden ist bei den meisten Menschen die Aufmerksamkeitsgrenze erreicht - alles, was jetzt noch kommt, geht verloren.

Zudem sprechen die meisten Frauen viel zu schnell. Je wichtiger ein Punkt ist, umso wichtiger ist es, ruhig und langsam zu sprechen. Also nicht quasseln! Sagen Sie klar heraus, was Sie wollen und haben Sie keine Scheu davor, dabei autoritär zu wirken. Anschließend sollten Sie eine „Schweige-Pause“ einlegen, um ihre Gedanken im Kopf des Gegenübers wirken zu lassen.

Ein Tipp von Frau zu Frau: Sage direkt, was zu tun ist! Sprich darüber, wie du es gerne hättest!

Frauen wollen mit ihrer Sprache weder prahlen noch verletzen und benutzen daher versteckte Signale, die oft von Männern falsch gedeutet oder schlichtweg überhört werden. Ein Beispiel: Eine Abteilungsleiterin einer kleinen Firma hat den Auftrag, den Abschlussbericht über ein Projekt zu schreiben, an einen Kollegen weitergegeben. Das Endergebnis verschlägt ihr fast die Sprache, so wenig entspricht es dem, was sie erwartet hatte. Und schon fängt es an, in ihrem Kopf zu arbeiten, wie sie dem netten Kollegen das nur klarmachen kann, ohne ihn sehr zu enttäuschen. Schließlich geht sie zu ihm, lobt den Fleiß und die Mühe, die er in die Arbeit investiert hat, und bespricht die Änderungen, die er vornehmen soll. Eine Woche später gibt die Abteilungsleiterin dem Kollegen erbost das kaum abgeänderte Manuskript zurück mit den Worten, was er sich denn erlaube, so etwas abzuliefern? Der Kollege reagiert wütend und stellt klar, dass es bei ihm so angekommen ist, als habe die Abteilungsleiterin den Text letzte Woche noch für sehr gut befunden. Hätte sie ihm direkt gesagt, dass es so nicht annehmbar sei, hätten beide eine Menge Zeit und Energie gespart!

Keine Angst also vor direkten Handlungsanweisungen! Selbst Frauen in Führungspositionen neigen dazu, Entscheidungen mit ihren Mitarbeitern allzu ausführlich zu diskutieren, anstatt sie selbstsicher zu treffen. Warum sollten sie das tun? Sie müssen sich gegenüber ihren Mitarbeitern nicht rechtfertigen! Aber auch unter Kollegen sind direkte Aufforderungen in vielen Fällen besser, weil sie praktischer sind und Missverständnisse ausschließen. Wenn Sie jemanden mit Sätzen wie „Es ist so kalt ...“ – und klagendem, gen Fenster gerichteten Blick – dazu bewegen wollen, das Fenster zu schließen, wirkt das nicht viel sympathischer als eine direkte Bitte. Seien Sie direkt, damit ihre Umgebung Sie verstehen kann, und Ihnen schnellstmöglich geholfen wird. Sie versuchen ja auch nicht auf Japanisch um Hilfe zu rufen, wenn Sie an einem italienischen Strand in Gefahr sind, zu ertrinken!

Dies alles ist kein Plädoyer für einen strengen Führungsstil oder einen ruppigen Umgangston. Es soll Sie dazu ermutigen, zu Ihren Entscheidungen zu stehen. Wenn Sie eine Führungskraft sind, dann erwarten ihre Mitarbeiter, dass Sie sagen, wo es lang geht. Frauen fällt es besonders schwer, Menschen zu führen, denn sie haben immer das Gefühl, diese „herumzukommandieren“. Das Ergebnis ähnelt dem einer Familie, in der jeder macht was er will. Erstaunlicherweise sehnen sich die meisten Menschen danach, geführt zu werden. Dazu gehören Ziele und Zeitvorgaben genauso wie feste Regeln.

Männer teilen sich ihre Kraft und Energie sehr genau ein, deshalb tun sie viele Dinge auch nicht. Vorrangig investieren sie nur dann Energie, wenn sie sich von dieser Investition einen Vorteil oder eine Belohnung versprechen. Zudem schauen sie sich immer um, ob es da nicht einen Menschen gibt, der diese Aufgabe für sie erledigen kann, damit sie diese Energie sparen können. Bittet ein Mann eine Frau also um Hilfe, dann neigt sie mit ihrem „Sozial-Modul“ spontan dazu, „Ja“ zu sagen. Frauen teilen sich ihre Energie nämlich nicht ein, sondern neigen dazu, genau das zu tun, was gerade anfällt. Einerseits lobenswert selbstlos, andererseits bringt uns dies unseren Karrierezielen nicht wirklich näher. In sehr vielen Fällen ist es viel einfacher, die Hürden zu überspringen, als wir uns das vorstellen. Oft fehlt uns ganz einfach nur der Mut, den entscheidenden Schritt zu tun.

Um eines klar zu stellen: Die Spielregeln der Männer zu lernen und anwenden zu können, bedeutet auf gar keinen Fall, dass Sie Ihre Weiblichkeit aufgeben sollen. Ganz im Gegenteil: Gerade die vielen Fähigkeiten von uns Frauen verschaffen uns ungeheure Vorteile in der Berufswelt. Klar in der Zielsetzung und gleichzeitig freundlich aufzutreten, widerspricht sich nicht im Geringsten. Es ist sogar extrem wirkungsvoll und hilft, die Kommunikation zwischen Männern und Frauen zu verbessern.

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ZUM AUTOR
Über Dr. Claudia Enkelmann
Institut Enkelmann
Dr. Claudia E. Enkelmann (Dipl.-Psych.) ist eine der wenigen weiblichen Top-Trainerinnen. Sie versteht es wissenschaftliche Informationen und Begeisterungen gekonnt zu verbinden. Die Diplom-Psychologin hat in Deutschland und Amerika Psychologie und ...
Institut Enkelmann
Altkönigstraße 38C
61462 Königstein / Taunus

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