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News, 09.04.2015
KMU im Wartemodus
Geschäftsklima im Mittelstand stagniert
Deutschlands Mittelständler drücken auf die Konjunkturoptimismus-Bremse: Erstmals seit drei Jahren zeigen sich die kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) in Deutschland die Konjunkturaussichten betreffend weniger zuversichtlich als die Großunternehmen.
Anders als im Mittelstand erreichte der Teilindikator zu den Geschäftserwartungen bei den Großunternehmen ein 10-Monatshoch (Quelle Grafik: KfW).
Anders als im Mittelstand erreichte der Teilindikator zu den Geschäftserwartungen bei den Großunternehmen ein 10-Monatshoch (Quelle Grafik: KfW).
Während der Ölpreisverfall und der günstige Euro den Konjunkturoptimismus nähren und zahlreiche Ökonomen ihre Konjunkturprognosen nach oben korrigieren lassen, ist der Mittelstand von einer breiten Aufschwungstimmung weit entfernt. Wie die März-Erhebung zum KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigt, tritt der Indikator zum Geschäftsklima im Mittelstand mit einem aktuellen Stand von 12,7 Saldenpunkten vielmehr auf der Stelle (Februar: 12,6 Saldenpunkte). Damit liegt der Indikator trotz leichter Aufwärtstendenz in der drei Monatsbetrachtung (+ 1,6 Zähler) gegenwärtig 8,6 Saldenpunkte unter dem Niveau von März 2014. So bewerten die im März rund 7.000 befragten KMU die Geschäftslage gegenüber Februar fast unverändert (- 0,1 auf 20,7 Zähler) und die Geschäftsaussichten trotz leichter Verbesserung im Monatsvergleich (+ 0,4 auf 4,6 Zähler) weiterhin deutlich zurückhaltender als im gleichen Vorjahreszeitraum (März 2014: 12,1 Zähler).

Großunternehmen deutlich optimistischer

Ganz anders sieht es bei den Großunternehmen aus. Ihr Geschäftsklima legt im März um überdurchschnittliche 3,6 Zähler auf 13,8 Saldenpunkte zu. Erstmals seit rund drei Jahren ist die Stimmung in den großen Firmen damit wieder besser als im Mittelstand. Die Großunternehmen sind nicht nur mit ihrer aktuellen Lage etwas zufriedener als im Monat zuvor (+1,3 Zähler auf 19,0 Saldenpunkte). Vor allem gehen sie von einer kräftigen Belebung aus: Ihre Geschäftserwartungen klettern sprungartig um das Zweifache einer üblichen Monatsveränderung auf ein Zehnmonatshoch (+5,7 Zähler auf 8,2 Saldenpunkte).

Treiber ist hierbei der beeindruckende Zuwachs an Optimismus in der exportstarken Großindustrie. Das billige Öl dämpft die Produktionskosten und wirkt dem wechselkursbedingten Preisanstieg bei importierten Vorleistungen entgegen. Es sorgt für zusätzliche Kaufkraft in Deutschland und – abgesehen von den Ölförderländern – den meisten unserer Handelspartner. Gleichzeitig verbessert der billige Euro die Margen in der Exportwirtschaft.

Die Binnenwirtschaft dagegen ist geprägt durch eine bereits seit längerem vor allem dank des Arbeitsmarkts verlässliche und für deutsche Standards hohe Dynamik. Eine nochmalige spürbare Steigerung des Wachstumstempos bei Konsum und Wohnbauten erscheint eher unwahrscheinlich. Darauf deuten erste Ermüdungstendenzen bei den Klimaindikatoren in den von der Binnennachfrage besonders abhängigen Segmenten der Wirtschaft hin: Das mittelständische Bauklima trübt sich aktuell auf hohem Niveau weiter ein, die gute Stimmung in den kleinen und mittleren Firmen des Einzelhandels steigt trotz der jüngst starken Kaufkrafteffekte aus dem Energiepreisrückgang nur noch moderat.

„Das März-Ergebnis des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers lässt den zunehmenden Konjunkturoptimismus in einem differenzierten Licht erscheinen“, kommentiert Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. „Auf eine weitere Wachstumsbeschleunigung von Konsum und Wohnbauten sollte man nicht setzen, wie die seit Jahresbeginn anhaltende Seitwärtsbewegung des Geschäftsklimas im eher binnenorientierten Mittelstand unterstreicht.“ Die Aufschwungshoffnungen bauten vor allem auf eine spürbare Belebung des Exportgeschäfts. Doch auch hier sei Vorsicht angebracht: Das Grundtempo der Weltwirtschaft sei langsamer als vor der Krise, die Unsicherheit in Europa ungeachtet besserer Rahmenbedingungen als vor Jahresfrist weiter hoch. „Ich bleibe skeptisch, dass wir in diesem Jahr beim Realwachstum die inzwischen vielfach erwartete Zwei vor dem Komma sehen werden. Ein bisschen mehr als die von uns bisher erwarteten 1,5 % könnten es aber werden, besonders wenn das erste Quartal besser wird als gedacht.“

cs/KfW

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