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News, 29.10.2012
KMU verzichten auf Fördermittel
Förderprogramme für Mittelstand nur wenig interessant
Die meisten öffentlichen Förderprogramme für die mittelständische Wirtschaft gehen einer Studie zufolge am Bedarf des Mittelstands vorbei. So lassen viele kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) in Deutschland öffentliche Fördermittel liegen, weil das Kosten-Nutzen-Verhältnis für sie nicht attraktiv genug ist.
Gerade kleine Unternehmen, die Fördermittel am ehesten bräuchten, tun sich bei Förderprogrammen Ernst & Young zufolge meistens schwer. (Bild: Screenshot KfW-Website)
Gerade kleine Unternehmen, die Fördermittel am ehesten bräuchten, tun sich bei Förderprogrammen Ernst & Young zufolge meistens schwer. (Bild: Screenshot KfW-Website)

Verkehrte Welt: Gerade Unternehmen, die bei Modernisierungsvorhaben sowie in Sachen Forschung und Entwicklung (FuE) am meisten öffentliche Fördermittel brauchen könnten, machen hiervon kaum Gebrauch. Das zeigt das „KMU-Fördermittelbarometer 2012“, für das die Beratungsgesellschaft Ernst & Young in Deutschland 1.000 kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) mit bis zu 500 Mitarbeitern aus verschiedenen Branchen befragt hat. Danach nahm in den vergangenen drei Jahren nur etwa jeder sechste Mittelständler ein Förderprogramm der öffentlichen Hand in Anspruch. Die große Mehrheit von 83 Prozent dagegen lässt die öffentlichen Fördertöpfe ungenutzt. „Im Vergleich zu 2011 hat das Interesse an solchen Fördermitteln noch einmal abgenommen“, so Ernst & Young.

Wie die Studie aufzeigt, gehen die Programme offensichtlich vielfach am Bedarf des Mittelstands vorbei. So erklärten gut zwei Drittel der befragten KMU, diese öffentlichen Fördermittel nicht zu brauchen. Abseits dessen kritisiert rund jeder siebter Mittelständler (15%), dass der zeitliche und administrative Aufwand zur Inanspruchnahme entsprechender Förderprogramme zu hoch sei, auch weil die Antragstellung von der öffentlichen Hand zu wenig unterstützt wird.

Fördermittel oft eher Finanzierungsinstrument denn Anreiz


Daneben offenbart die Studie, dass die Förderprogramme in der Mehrheit eher einen Mitnahmeeffekt erzeugen als einen Anreiz für Investitionen schaffen. So hätten gut drei Viertel der befragten KMU, die in diesem Jahr aus öffentlichen Fördertöpfen Geld bezogen, nach eigener Auskunft die damit verbundenen Maßnahmen auch ohne Fördermittel durchgeführt. Im Vorjahr habe dies laut Ernst & Young auf einen ähnlichen hohen Anteil der geförderten Projekte zugetroffenen. In diesem Kontext zeigt die Studie, dass öffentliche Fördermittel umso eher als Finanzierungshilfe für Projekte, die auch ohne staatliche Unterstützung durchgezogen würden, mitgenommen werden, je größer das Unternehmen ist. So erklärte beispielsweise jedes dritte kleine Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten, das Fördermittel von der öffentlichen Hand bezog, dass es das damit verbundene Vorhaben ohne diese Unterstützung nicht realisieren hätte können beziehungsweise zurückstellen hätten müssen. In der Gruppe der Unternehmen mit 50 bis 250 Mitarbeitern war dies lediglich bei 15 Prozent der Fall.

„Dieser Mitnahmeeffekt zeigt, dass bei der Effizienz der Mittelvergabe noch Luft nach oben besteht“, so Kai Baetge, verantwortlicher Partner bei Ernst & Young. Dass bei den Förderprogrammen Optimierungsbedarf besteht, zeigt noch ein weiteres Ergebnis: Obschon die Kleinstunternehmen am ehesten auf Fördermittel angewiesen sind, griffen 2012 nur 13 Prozent von ihnen auf öffentliche Fördertöpfe zu. „Die kleinen Firmen brauchen das Geld dringender als die großen, schaffen es jedoch seltener, auch tatsächlich gefördert zu werden. Ein paradoxer Gegensatz, doch häufig fehlen die administrativen Mittel und die Informationen von staatlicher Seite“, so Sven Pirsig, Autor der Ernst & Young-Studie.

Unternehmen, die Fördermittel beziehen, nutzen diese meist in Form von nichtrückzahlbaren Zuschüssen oder Zulagen. Häufigstes Motiv bei der Inanspruchnahme von Fördermitteln ist mit 35 Prozent die Finanzierung von Expansionsvorhaben. Weitere häufig geförderte Bereiche sind die Aus- und Weiterbildung sowie die Forschung und Entwicklung (jeweils 19%). Angesichts des Umstands, dass die Europäische Union (EU) die Fördergelder in den nächsten Jahren Ernst & Young zufolge kürzen wolle, werden allerdings die Fördermittel knapper werden. „Deshalb ist es in der kommenden Förderperiode zwischen 2014 und 2020 besonders wichtig sicherzustellen, dass die Mittel dort ankommen, wo sie gebraucht werden“, so Ernst & Young-Experte Baetge. „Minimierung von Mitnahmeeffekten und Maximierung der Effizienz sind – besonders mit Blick auf kleine Unternehmen – die Stichworte, die die Wirtschaftsförderung am Standort Deutschland in Zukunft prägen müssen.“

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