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Interview, 16.12.2011
Schwache Führungskräfte
Mitarbeiter erkennen Führungsschwäche sofort
Ein Interview mit Julia Raddatz, Einserteam
Zeigt ein Chef Führungsschwäche, übernimmt meist einer seiner Mitarbeiter dessen Führungsaufgaben. Was das für die betroffene Führungskraft bedeutet und warum das „Führen von unten“ keine Dauerlösung sein kann, erklärt Führungskräftecoach und Dipl.-Psychologin Julia Raddatz.

Frau Raddatz, wie kommt es, dass Mitarbeiter mitunter ihren Vorgesetzten führen, nicht umgekehrt?

Julia Raddatz:
Mitarbeiter erkennen sofort, wenn ihr Vorgesetzter führungs- und entscheidungsschwach ist. Da es aber weitergehen muss, übernimmt meist einer aus dem Team dessen Führungsaufgabe und verhilft seinem Vorgesetzten zu einer guten Entscheidung, indem er diese optimal vorbereitet und intern absichert.

Funktioniert das auf Dauer?

Raddatz:  Besser als meist gedacht. Denn während üblicherweise die hierarchischen Kommunikationswege und Regeln eingehalten werden, kann es passieren, dass unsichtbare „dotted lines“ entstehen. Kollegen der eigenen Hierarchieebene beauftragen den „Führungskollegen“, Themen beim Chef durchzubringen, Vorgesetzte anderer Abteilungen wählen den „Unter-Führer“ als Ansprechpartner aus, um schnellere Absprachen zu erzielen. Und der Mitarbeiter selbst umgeht womöglich die Hierarchie, und damit seinen Chef, um sich die Entscheidungsfreigaben von der nächst höheren Führungsebene einzuholen, die den „illegalen“ Weg wiederum gerne nutzt, um eigene Themen voran zu treiben.

Wie reagieren die Mitarbeiter, wenn sich einer von ihnen zum „Boss“ aufschwingt?

Raddatz:  Ein Mitarbeiter, der die Führungsaufgabe übernimmt, beweist, dass er womöglich mehr Alpha-Tier-Qualitäten als die eigentliche Führungskraft besitzt. Darauf reagieren die Kollegen unterschiedlich: Die einen begrüßen es, dass es wieder vorangeht, die anderen reagieren mit Neid und beäugen argwöhnisch jeden Schritt des „Unter-Führers“, getrieben von der Furcht, selbst ins Hintertreffen zu geraten oder benachteiligt zu werden.

Der Dumme dabei ist eindeutig der führungsschwache Chef?

Raddatz: Wer spürt, dass er von unten geführt wird, sollte schleunigst seine eigene Führungskraft stärken. Dazu gilt es zunächst, das eigene Führungsverständnis zu überprüfen. Methoden und Instrumente zur Mitarbeiterführung sollten intensiv eingeübt werden. Zu empfehlen ist auch, dass diese Führungskraft die Anzahl ihrer „direct reports“ reduziert und gegebenenfalls eine Zwischenebene einfügt. Dies kann bedeuten, dass Gruppenleitungen etabliert werden, die einen Teil der Führungsarbeit übernehmen.

Reicht das, um die Hierarchie zurechtzurücken?

Raddatz: Diesen Führungskräften ist zu empfehlen, dass sie sich unter ihren Mitarbeitern eine Vertrauensperson suchen, die bereit ist, ein ehrliches Feedback zu geben. Bewährt hat sich auch, wenn Vorgesetzte ein gutes Verhältnis zu Kollegen pflegen, mit denen sie Entscheidungen besprechen können. Sinnvoll ist auch, die Kompetenzen der Mitarbeiter zu fördern, da fähige Mitarbeiter den Vorgesetzten besser entlasten.

Was sollte ein „von unten führender“ Mitarbeiter beachten?

Raddatz: Mitarbeiter, die gewollt oder ungewollt die Führung übernommen haben, sollten sich die Zeit nehmen, ihr Tun zu reflektieren. Dazu gehört, sich darüber im Klaren zu sein, dass sie nicht nur einen Teil der operativen Aufgabe des eigenen Chefs übernommen haben, sondern auch die moralische und ethische Verantwortung, die damit einhergeht.

Das heißt?

Raddatz: Dass es unerlässlich ist, die eigenen Motive bei der „Führungsarbeit“ zu hinterfragen. Egoismus, Machtstreben, Abteilungskonkurrenz oder Geltungsdrang sind nur Beispiele, die das eigene Handeln massiv beeinflussen können. Diese Mitarbeiter sollten sich zudem fragen, wie lange sie die „Führung von unten“ übernehmen wollen. Denn aus dem eigenen Tun entsteht nicht nur für sie selbst Verlässlichkeit, auch die „geführte Führungskraft“ und ebenso die Kollegen in der Abteilung verlassen sich bewusst oder unbewusst auf den „Unter-Führer“. Die so hergestellte Stabilität in der Abteilung gerät in Gefahr, wenn der Mitarbeiter seine „Unter-Führung“ beendet.

Unternehmen können derartige Turbulenzen aber nicht wollen.

Raddatz: Natürlich nicht. Damit es nicht so weit kommt, ist jedes Unternehmen gut beraten, sich für führungsschwache Vorgesetzte zu sensibilisieren – und rechtzeitig zu intervenieren. Denn es kann weder im Interesse des Unternehmens sein, dass der Bereich, für den ein führungsschwacher Manager zuständig ist, schwächelt. Noch ist es wünschenswert, dass ein Mitarbeiter dauerhaft die Chefrolle übernimmt. Beides beeinträchtigt über kurz oder lang massiv den Erfolg eines Unternehmens.

ZUM AUTOR
Über Julia Raddatz
Einserteam
Diplom-Psychologin Julia Raddatz ist in Bornheim nahe Köln/Bonn als Führungskräftecoach, Karriere-, Personal- und Teamentwicklerin tätig. Sie verfügt über fundierte Fachkompetenz, psychologisches Know-how und langjährige Industrieerfahrungen.
Einserteam
An der Grauen Burg 11
53332 Bornheim

+49-173-5248453
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