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News, 21.08.2007
E-Commerce und E-Business
Internet-Auktionen im Handwerk – ein billiger Jakob kann schnell teuer werden
Qualitätsarbeit aus deutschem Handwerk, und das zum besten Preis – Auktionsplattformen machen’s möglich. So lautet jedenfalls die Theorie. Einem Bericht der Stiftung Warentest zufolge zeigen sich die Handwerkskammern jedoch kritisch, wenn es um die Versteigerung von Aufträgen über Internet-Auktionen geht.
Zumeist als Rückwertsauktionen angelegt, funktionieren Handwerker- und Dienstleistungsauktionen genauso wie bei eBay, mit einem feinen aber wesentlichen Unterschied: Gestartet wird in aller Regel mit dem Höchstpreis, den der geneigte Auftraggeber bereit ist, für den Auftrag zu bezahlen. Ist dieser mit der Leistungsanforderung veröffentlicht, beginnt der Kampf der Auftragnehmer um den besten Preis: Sie fangen an, sich gegenseitig zu unterbieten.

„Am Anfang haben wir deshalb auch schon mal so niedrige Gebote abgegeben, dass wir an einem Auftrag eigentlich nichts mehr verdient haben“, berichtet Denni Meichau, der in Wustermark eine kleine Umzugsfirma betreibt, gegenüber der Stiftung Warentest. „Aber ich wollte erst einmal ein paar positive Bewertungen haben.“ Ein Strategie, die ihm seit Anfang dieses Jahres inzwischen 40 Aufträge beschert hat. Dank guter Bewertungen bekomme er nun auch immer häufiger den Zuschlag, obwohl er nicht der Günstigste sei.

Auch für Mike Mroz aus Berlin sind Handwerker-Auktionen eine tolle Erfindung, wenngleich man, wie er der Stiftung Warentest berichtet, „höllisch auf der Hut sein“ müsse. Was aus ihm spricht, ist die Erfahrung: Ob nun einen Neuanstrich für’s Gartentor, das Anbringen einer Anhängerkupplung und die Installation eines elektrischen Antriebs für das Garagentor oder den Aufbau eines Ikea-Schrankes und PC-Reperaturen betreffend – geht es um die Versteigerung von Aufträgen im Internet, ist er ein alter Hase.

Allen Positiv-Beispielen zum Trotz zeigen sich die Handwerkskammern dem Bericht der Stiftung Warentest zufolge angesichts der wachsende Zahl der Handwerker-Auktionen dennoch skeptisch. So gebe es nach Auskunft von Alexander Konrad, Pressesprecher der Handwerkskammer Düsseldorf, immer häufiger zwischen Auftragnehmern und Auftraggebern Streitigkeiten, die zu schlichten immer öfter Sachverständige eingeschaltet werden müssten. Der Grund: Oft sei die Situation vor Ort ganz anders, als der Auftraggeber sie im Internet beschrieben habe.

Da eine Handwerkerleistung keine industrielle Leistung sei und sich nicht „wie ein Päckchen Gummibärchen“ verkaufen lasse, so der Pressesprecher Handwerkskammer Düsseldorf gegenüber der Stiftung, könne auch keine seriöse Firma eine realistische Preiskalkulation abgeben, ohne die Anforderung vor Ort begutachtet zu haben. Der Ärger wird so oftmals vorprogrammiert, insbesondere vor dem Hintergrund, dessen, dass, wie Konrad ausführt, eine über das Internet vergebene Auktionen als geschlossener Vertrag gelte und daher nachträgliche Forderungen nicht möglich seien.

Dass der billigste Anbieter nicht zwangsläufig auch der beste ist, hätten, so die Stiftung, viele Nutzer mittlerweile zwar erkannt. Die Internet-Auktion bleibt dennoch oftmals ein Vabanque-Spiel, da auch auf die Bewertungen nur bedingt Verlass ist. So würden der Stiftung zufolge viele Auftraggeber ihre Bewertung in erster Linie daran orientieren, ob jemand freundlich oder pünktlich war. Die Qualität der Arbeit hingegen könnten viele Laien nicht beurteilen. Um als Auftraggeber am Ende nicht einem billigen Jakob aufzusitzen, ohne die gewünschte Leistungsqualität zu erhalten, rät die Stiftung folgende Tipps zu beachten:

  1. Auftrag beschreiben: Beschreiben Sie Ihren Arbeitsauftrag möglichst genau. Laien unterschätzen oft, was alles in eine detaillierte Auftragsbeschreibung gehört. Orientieren Sie sich an ähnlichen Aufträgen und nutzen Sie die Hotline der Portale (falls vorhanden).

  2. Profis bevorzugen: Vergeben Sie schwierige Aufträge nur an professionelle Handwerker. Achten Sie auf Gesellen- oder Meisterbrief und Qualifikation. Fragen Sie bei der Handwerkskammer nach, wenn Sie Zweifel an der Qualifikation des Auftragnehmers haben.

  3. Nur gegen Rechnung: Bestehen Sie auf eine Rechnung, sonst haben Sie keine Gewährleistung. Beauftragen Sie möglichst Firmen aus Ihrer Region. Das reduziert die Fahrtkosten und erleichtert den Kontakt. Wenn es Streit gibt, können Sie Nachbesserungen vor Ort meist einfacher durchsetzen.

  4. Kosten fixieren: Legen Sie im Auftrag fest, welche Kosten im Preis inbegriffen sind. Kalkulieren Sie neben der Arbeitsleistung auch Kosten für Anfahrt und Material.

  5. Startpreis: Setzen Sie den Startpreis nicht zu niedrig an, sonst bekommen Sie keine seriösen Angebote.

  6. Bewertung. Prüfen Sie das Bewertungsprofil des Handwerkers. Positive Bewertungen deuten Zuverlässigkeit an. Das ist ein Vorteil, aber keine Garantie für gute Arbeit. Bedenken Sie: Die Bewertungen stammen von anderen Auftraggebern. Das sind meist Laien. Laien können die handwerkliche Qualität der Arbeit nur selten objektiv beurteilen.

  7. Gewährleistung. Arbeitet ein Handwerker gewerblich, gilt die gesetzliche Gewährleistung. Bei Reparaturen in der Regel zwei Jahre, bei Neukonstruktionen auch länger. Als Auftraggeber haben Sie bei Mängeln Anspruch auf Nachbesserung.
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