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Internatsauswahl: Wer soll entscheiden - Eltern oder Kinder?

Die Frage, wer bei der Auswahl eines Internats das letzte Wort haben solle, hätte sich Eltern früher gar nicht gestellt. Doch zunehmend scheinen die Wünsche "alleinerziehender Kinder" den Ausschlag zu geben. Und das hat Folgen.
(PM) Ulrichstein, 27.11.2010 - In traditionellen Kulturen orientieren sich die Heranwachsenden an den Älteren. In unserer Gesellschaft, die sich selbst „modern“ nennt, steht dagegen zunehmend die Selbstbestimmung der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund. Dies hat zu einem „partnerschaftlichen“ Erziehungsstil geführt, der die Machtverhältnisse in vielen Familien allerdings oft umkehrt. Ratgeber-Titel wie "Rebellen in Strampelhosen" – „Die kleinen Bosse“ - "Tyrannen in Turnschuhen" - usw. sind das Menetekel einer von elterlicher Erziehungsverweigerung verschuldeten "Erziehungskatastrophe". Das Thema Internat muss daher häufig gerade deshalb auf die Tagesordnung des "Familienrats" gesetzt werden, weil Eltern und Kinder sich zu sehr "auf Augenhöhe" bewegten.

Über Erziehungs- und Schulprobleme klagten natürlich auch schon frühere Elterngenerationen, wenn auch vielleicht die Ursachen andere waren. Unter Umständen griff man in diesem Fall zu der Maßnahme einer "Disziplinierung" des obstinaten Nachwuchses durch Unterbringung in einem ebenso spartanischen wie sittenstrengen Internat.

Eine Mitsprache des Delinquenten verbot sich schon aufgrund des Strafcharakters dieses Schrittes. Heute dagegen muss dem Kind seine Zustimmung mittels aller möglichen Gimmicks abgerungen werden. Und wenn der bindungslose Nachwuchs vor elterlicher Bevormundung gar freiwillig ins Internat flüchtet, wird zuvor natürlich die Erfüllung standesgemäßer Ansprüche ausgehandelt.

Die Folgen solcher Deals sind oft katastrophal. Kindern und Jugendlichen, die Anforderungen notorisch ausweichen und eher spaß- als leistungsorientiert sind, wird es natürlich immer dort am besten gefallen, wo sich die größten Chancen bieten, Regeln zu umgehen und sich der Aufsicht zu entziehen. Oft verschlechtern sich daher die Zensuren im Internat noch weiter. Und zu den Problemen, die man ins Internat mitgebracht hat, kommen noch diejenigen, die man ohne Internat nie gehabt hätte.

Leider ist es nicht nur die Unvernunft der Internatseleven, sondern auch die ihrer Erziehungsberechtigten, die zu Fehlentscheidungen bei der Auswahl des richtigen Internats führt. Die Notwendigkeit, diese zu korrigieren, schlägt sich in einer erheblichen Schülerfluktuation selbst an den vermeintlich renommiertesten Instituten nieder. In Salems Mittelstufe beispielsweise besteht die Hälfte der Eleven zu Beginn jedes Schuljahres aus "Neuen".

Internet-Portale wie „Schulradar“ verraten, dass einschlägige Internatserfahrungen zu erheblichen Diskrepanzen in der Schulzufriedenheit führen. Ein Besucher des Bewertungs-Portals fragt denn auch alarmiert: „Aber kann mir irgendjemand erklären, warum Schüler- und Elternmeinungen hier so derart auseinander klaffen (Schüler: 1-2; Elterndurchschnitt: 4,5 aktuell)???“.

Kein Wunder, dass die wackeren Internatspädagogen bei dem Versuch, den entgegengesetzten Erwartungen von Jung und Alt gerecht zu werden, zwischen sämtliche Stühle geraten. Kommen sie dem elterlichen Ruf nach strenger Schulzucht und hohen Anforderungen nämlich zu eifrig nach, verscherzen sie sich die Gunst ihrer Schüler, die sich mittlerweile ebenfalls in der Kundenrolle sehen. Und es sind dann oft dieselben Hardliner unter den Eltern, die dem Internat sofort in den Rücken fallen, wenn die Nörgeleien des Nachwuchses zu nerven beginnen:

„Als Leiter eines Internats“ [Schule Schloss Salem, Anm. d.Verf.] schrieb Dr. Bernhard Bueb, in seiner 2006 erschienenen Streitschrift „Lob der Disziplin“, „ konnte ich über Jahrzehnte beobachten, dass Eltern aus dem Ausland, wie etwa aus Frankreich, England oder China, von einem Internat erwarteten, dass ihr Kind eine gute Erziehung genießt. Es sollte sich auch wohl fühlen; wenn es das nicht tat, dann war das bedauerlich, aber nicht zu ändern. Deutsche Eltern wollen natürlich auch eine gute Erziehung, aber vor allem soll sich das Kind wohl fühlen. Strenge Maßnahmen werden nur so lange akzeptiert, wie sie das Wohlgefühl des Kindes nicht stören. Deutsche Eltern geben schneller dem Drängen des Kindes nach, das Internat verlassen zu dürfen, wenn ihm zu viel Disziplin abverlangt wird.“

Fazit:

Die Eltern werden ihrer erzieherischen Verantwortung nur dann gerecht, wenn sie bei der Entscheidung über den zukünftigen Aufenthaltsort ihres Nachwuchses die Führung übernehmen und eindeutige Kriterien vorgeben, die im Hinblick auf bestehende Defizite des Kindes positive Veränderungen versprechen. Die Qualität eines Internats sollte primär an den Maßstäben der Erwachsenen gemessen werden und nicht an denjenigen von Kindern und Jugendlichen! Sofern sich hierbei mehrere Optionen ergeben, die den zu stellenden Anforderungen gleichermaßen entsprechen, mag der Wunsch des Kindes den Ausschlag geben. Im Prinzip aber gehört die Auswahl des richtigen Internats in die Kompetenz und Verantwortung der Eltern.
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