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Pressemitteilung

Insolvenzen, Neugründungen und Löschungen, 1. Halbjahr 2007

(PM) , 12.06.2007 - Unternehmensinsolvenzen: Bau mit deutlichen Rückgängen – Verbraucherinsolvenzen: Ostdeutschland starke Anstiege

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen beträgt für das erste Halbjahr 2007 14.100 Fälle – das entspricht einem Rückgang von 14,3 Prozent oder 2.350 Unternehmen. Die Verbraucherinsolvenzen steigen weiter deutlich an und kommen im ersten Halbjahr auf 51.600 Betroffene – 18,2 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum. Die sonstigen Insolvenzen, in denen insbesondere die Konkurse ehemaliger Gesellschafter erfasst werden, nehmen leicht um 0,3 Prozent ab. Insgesamt sind hier 15.900 Anträge zu zählen. Die Summe der Gesamtinsolvenzen beträgt im ersten Halbjahr 2007 81.600. Dies entspricht einem Anstieg von 7,3 Prozent (1. Halbjahr 2006: 76.050).

In Westdeutschland sind die Unternehmensinsolvenzen stärker rückläufig als im Osten: Während der Westen eine Abnahme um 14,8 Prozent auf 10.800 Betriebe (Vorjahr: 12.680) zu verzeichnen hat, sind im Osten 12,5 Prozent Unternehmensinsolvenzen weniger zu verzeichnen als noch vor einem Jahr. Insgesamt wurden hier 3.300 Zusammenbrüche gezählt, im ersten Halbjahr 2006 waren es noch 3.770.

Dagegen steigen die Verbraucherinsolvenzen in den neuen Bundesländern ungleich stärker an als im Westen: Während in den alten Bundesländern ein Zuwachs um 13,1 Prozent auf 37.800 Fälle zu verzeichnen ist, liegt die Steigerungsrate im Osten bei 34,9 Prozent. Insgesamt sind hier 13.800 Verbraucherinsolvenzen abgewickelt worden. Die Gesamtinsolvenzen belaufen sich in den alten Bundesländern auf 59.900 Fälle, was einem Anstieg von 4,4 Prozent entspricht. In den neuen Bundesländern sind insgesamt 21.700 Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu zählen – 16,1 Prozent mehr als im letzten Jahr.

Schäden etwas moderater

Der Schaden durch die Unternehmensinsolvenzen beläuft sich für das erste Halbjahr 2007 auf insgesamt 16,2 Milliarden Euro und beträgt damit 0,9 Milliarden Euro weniger als noch vor einem Jahr. Davon entfällt der Löwenanteil – nämlich 10,8 Milliarden – auf private Gläubiger; der öffentlichen Hand fehlen insgesamt 5,4 Milliarden Euro durch Insolvenzausfälle. Die durchschnittliche nicht einbringliche Forderungssumme pro Unternehmensinsolvenz beträgt für das erste Halbjahr 2007 766.000 Euro – im vergangenen Jahr waren es noch 687.000 Euro, die pro Insolvenz offen blieben.

Die insolvenzbedingten drohenden Arbeitsplatzverluste verringerten sich parallel zur Abnahme der Unternehmensinsolvenzen um 19,7 Prozent und belaufen sich für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres auf 188.000 Betroffene (Vorjahr: 234.000).

Am deutlichsten abgenommen haben die Insolvenzen im Bausektor: Um 21,1 Prozent auf 2.540 betroffene Betriebe (Vorjahr: 3.220) haben die Konkurse in dieser Branche abgenommen. Auch das Verarbeitende Gewerbe weist überdurchschnittliche Rückgänge auf: Insgesamt kommen 1.460 Insolvenzen aus diesem Hauptwirtschaftsbereich – das entspricht einem Rückgang um 20,7 Prozent (Vorjahr: 1.840).

Nur unterdurchschnittlich hingegen nahmen die Insolvenzen bei den Dienstleistern und im Handel ab. Während hier ein Rückgang um 11,1 Prozent auf 7.160 (Vorjahr: 8.050) Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen ist, sind dort insgesamt 2.940 Konkurse zu zählen, was einer Abnahme von 12,0 Prozent entspricht.

Bei den Rechtsformen dominieren die Kleingewerbetreibenden – sie stellen 55,5 Prozent (Vorjahr: 52,4 Prozent) aller Unternehmensinsolvenzen – gefolgt von den GmbH-Insolvenzen, die 30,6 Prozent (Vorjahr: 33,4 Prozent) des Insolvenzgeschehens ausmachen.

Insolvenz ohne Beschränkung

Zum Stichtag 04. Juni 2007 existieren insgesamt 32.600 Limiteds – knapp 3.600 davon sind insolvent. Errechnet man daraus die Risikoquote (also die Insolvenzbetroffenheit pro 10.000 Unternehmen), kommt man auf 1.104 – das heißt: Von 10.000 existenten Limiteds sind 1.104 in Konkurs. Zum Vergleich: Setzt man den Unternehmensbestand der GmbH ins Verhältnis zu den Insolvenzen dieser Rechtsform aus den Jahren 2003 bis zum ersten Halbjahr 2007 kommt man auf eine Risikoquote von 580 – also etwa die Hälfte.

Die meisten insolventen Unternehmungen verzeichneten einen Umsatz zwischen 500.000 und 5,0 Millionen Euro pro Jahr. 28,8 Prozent (Vorjahr: 31,9 Prozent) der Insolvenzen kommen aus dieser Umsatzgrößenklasse. Am meisten zugenommen hat aber der Anteil der Mikrobetriebe am Insolvenzgeschehen. Aktuell kommt jedes vierte insolvente Unternehmen (25,5 Prozent) aus der Umsatzgrößenklasse unter 100.000 Euro pro Jahr. Im letzten Jahr waren es noch 3,4 Prozentpunkte weniger. Ebenfalls zugenommen hat der Anteil der Unternehmen, die mehr als 50 Millionen Euro im Jahr umsetzen, und zwar von 0,1 auf 0,2 Prozent.

Die meisten insolventen Unternehmen, 35,1 Prozent (Vorjahr: 34,7 Prozent), waren zum Zeitpunkt ihres Unterganges zehn Jahre oder mehr am Markt. Fast ebenso viele, nämlich 34,0 Prozent (Vorjahr: 33,2 Prozent) überlebten die ersten vier Jahre nicht.

Trotz vieler Mikroinsolvenzen – auch größere Unternehmen sind anzutreffen

Der Anteil der Mikrobetriebe am Insolvenzgeschehen steigt weiter an: Hatten im letzten Jahr noch 75,7 Prozent aller insolventen Betriebe bis zu fünf Beschäftigte, so sind es aktuell 78,4 Prozent. Leicht zugenommen hat aber auch der Anteil der Unternehmen, die mehr als 500 Personen beschäftigen, und zwar um 0,1 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent.

Trotz deutlicher Rückgänge bei den Bauinsolvenzen haben es auch diesmal wieder drei Unternehmen aus dem Bau in die Liste der größten Insolvenzen des ersten Halbjahres 2007 geschafft: Die Bohlen & Doyen Bau und Service GmbH, die Wiemer und Trachte GmbH und die Deilmann Haniel KG. Die weiteren großen Insolvenzen waren die der ISE Innomotive Systems Europe GmbH, die der Schulte GmbH Fachgroßhandel für Sanitär, Heizung, die Jurex GmbH, das Klinikum Niederberg GmbH, die BBS Kraftfahrzeugtechnik AG und zuletzt noch die Göttinger Gruppe.

In der ersten Hälfte des laufenden Jahres wurden insgesamt 454.300 Gewerbeanmeldungen registriert, das entspricht einem Rückgang von 8.500 Betrieben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Abmeldungen – und zwar um 10.100 Fälle auf 367.100. Der Rückgang der Neuanmeldungen im Vergleich zum Vorjahr ist im Wesentlichen dem Wegfall der Ich-AG-Regelung geschuldet. Der Gründungszuschuss, das neue Instrument zur Förderung arbeitsloser Existenzgründer, konnte bislang nicht zur Verbesserung der Startbedingungen für Existenzgründer beitragen.

Flaues Gründungsgeschehen

Im Gleichschritt mit der sinkenden Zahl der Gewerbeneuanmeldungen sind in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres auch die Handelsregistereintragungen rückläufig. So ließen sich noch gut 48.000 Unternehmen in das Register eintragen. Am gründungsstärksten war erneut der Dienstleistungsbereich. Die wirtschaftsaktiven Neugründungen schufen im ersten Halbjahr 2007 insgesamt 166.000 neue Arbeitsplätze.
Aktuell sind die Bedingungen für neue Unternehmen – das Gründungsklima – in der Chemie- und Kunststoffbranche sowie im Großhandel am besten. Verantwortlich dafür sind die hervorragende Branchenkonjunktur und gute Finanzierungsbedingungen für junge Unternehmen.

Um der Flucht in ausländische Rechtsformen, wie der Limited, zu begegnen, hat das Bundeskabinett im Mai die Reform des GmbH-Gesetzes auf den Weg gebracht. Dieses sieht unter anderem vor, das Stammkapital der GmbH von vormals 25.000 auf 10.000 Euro herabzusetzen. Zudem ist eine neue GmbH-Variante, die Unternehmensgesellschaft, vorgesehen, die bei der Gründung ohne Mindestkapital auskommt. Ziel ist es, Gründern schnell und unkompliziert die Umsetzung ihrer Geschäftsidee zu ermöglichen. Allerdings müssen die Gewinne in der ersten Zeit thesauriert werden, bis 10.000 Euro erbracht sind.

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Neuss, 12. Juni 2007
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