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Interview, 21.12.2009
Imagewandel
Zeitarbeit modernes Instrument flexibler Personalpolitik
Ein Interview mit Christoph Döhlemann (Döhlemann Training) und Udo Hopfenmüller (PQ-Magazin)
Die Zeitarbeit nimmt in der deutschen Wirtschaft einen immer höheren Stellenwert ein. Doch was genau erwarten sich Unternehmen von der Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern? Christoph Döhlemann, Trainer, Personalberater und Coach, und Udo Hopfenmüller, Herausgeber der Zeitschrift „PQ – Das Businessmagazin für Personaldienstleistungsunternehmen“ über die Entwicklungen in der Branche.
Moderne Sklavenhalterei, Ausbeutung ausgeübt an einem Heer von Abhängigen, Unqualifizierten oder gering Qualifizierten in Helfertätigkeiten. ... Markige Worte mussten noch vor nicht allzu langer Zeit herhalten, um tatsächliche oder scheinbare Zustände in der Zeitarbeit öffentlichkeitswirksam aufgeheizt zu umschreiben. Wo genau steht die Branche Ihrer Meinung nach derzeit?

Udo Hopfenmüller: In der Zeitarbeit oder sagen wir lieber zeitgemäß, in der Personaldienstleistungsbranche, haben sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren grundlegend geändert und es findet immer noch ein radikaler Wandel dieser Dienstleistung statt. Seit 1972, dem Geburtsjahr des AÜG (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz), ist die Personaldienstleistung meist bekannt geworden durch den kurzfristigen Einsatz von Leiharbeitnehmern in den Unternehmen. Schlicht und ergreifend haben sich die Entleiherbetriebe daran gewöhnt, die Branche meist nur als Feuerwehr in Anspruch zu nehmen. 30 Jahre lang oft ein „quick and dirty“ Geschäft hat in der Realität der Entscheider in den Entleihbetrieben einen fest eingeprägten Platz. Das ist wie beim Autofahren, die ersten Stunden des Autofahrens sind spannend und aufregend und nach 100.000 km denkt keiner mehr darüber nach, wo er die letzten Minuten gefahren ist. Unbewusst nennt man so etwas, wenn Entscheidungen oder Handlungen voll automatisiert nach festgelegten Maßstäben ablaufen. Genauso unbewusst nutzen die Entleihfirmen meist die klassischen Personaldienstleister ohne genau darüber nachzudenken, was in einer strategischen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit einem kompetenten Personaldienstleister noch alles machbar wäre.

Christoph Döhlemann:
Seit den Gesetzesänderungen, festgelegt im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG), das 2004 in Kraft trat, und unter anderem Gleichbezahlung und Gleichbehandlung für fest Angestellte und temporäre Mitarbeiter vorschreibt, wandelt die Zeitarbeit auf neuen Pfaden. Die veränderten Rahmenbedingungen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Zeitarbeit die Schmuddelecke verlassen hat und zunehmend gesellschaftlich salonfähig geworden ist. Zeitarbeit wird vermehrt als seriöse und moderne Dienstleistung für die Personalplanung von Unternehmen betrachtet, die den Arbeitsmarkt bereichert, auf dem flexible Arbeitsverhältnisse anders beurteilt werden als als „Notnagel“ für Unternehmen bei Personalengpässen und damit auch als Instrument des „Lohndumping“.   

Während ein seriöser und umfangreicher Wirtschaftsfaktor in der Berufs- und Arbeitswelt weiter wächst und das einst negative Image deutlich aufgehellt wirkt, sind oft unpräzise Begriffe  geblieben. Können Sie hier für Aufklärung sorgen?


Döhlemann: Ein Grund dafür ist sicherlich, dass noch zu viele Menschen in Deutschland gar nicht wissen, was Zeitarbeit ist, sie als eine „Anstellung auf Zeit“, also mit einem klassischen befristeten Vertrag, wähnen. Oder vermuten, es handele sich um Teilzeit oder eine Nebentätigkeit. Nicht zuletzt deshalb, weil auch der Begriff Zeitarbeit suggeriert, dass befristete Arbeitsverhältnisse gemeint sind. Oftmals ist nicht bekannt, dass Zeitarbeitsunternehmen einen Großteil ihrer Mitarbeiter unbefristet einstellen und alle gesetzlichen Vorgaben gelten, wie bei jedem anderen Angestellten auch.  

Ist der Begriff Zeitarbeit denn noch aktuell und sinnvoll?

Hopfenmüller: Der Begriff Zeitarbeit stammt noch aus den Anfängen der Branche, als bei Einführung des AÜG die maximale Überlassungsdauer von Leiharbeitnehmern auf drei Monate befristet war. Seitdem diese erst verlängert und dann ganz aufgehoben wurde, regt sich immer wieder auch die Diskussion um die treffende Begrifflichkeit. Da hat auch der Gesetzgeber Gestaltungsraum und -pflicht. Wo die Branche schon von „Personal-Leasing“ spricht, ist im Gesetz von der ,,gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung" und „Leiharbeit“, von  „Entleihern“, „Verleihern“ und „Leiharbeitnehmern“ die Rede, wodurch schon in der Wortwahl eine Herabwürdigung der Mitarbeiter der Branche mitschwingt, wobei Leihe im juristischen Sinne eigentlich bedeutet, dass ein Gegenstand unentgeltlich zum Gebrauch überlassen wird. Absurd.

Döhlemann: Keines dieser Worte trägt zudem dem Fakt Rechnung, dass der einzige Unterschied gegenüber anderen Arbeitsverhältnissen ja darin besteht, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistungen nicht in den Räumen seines Arbeitgebers, sondern im jeweiligen Einsatzunternehmen beim Kunden des Zeitarbeitsunternehmens erbringt. Dieser Vorgang könnte treffender mit dem Begriff „Personalüberlassung“ bezeichnet werden, in den auch die Terminologie der immer umfangreicher werdenden Tätigkeit der „Personalvermittlung“ besser integriert ist. Aus dem bisherigen "Verleiher" könnte der „Personalüberlasser", aus dem „Entleiher“ der „Personalübernehmer" werden. Für die bisherigen „Leiharbeitnehmer“ gäbe es keine differenzierende Bezeichnung mehr - sie würden auch sprachlich zu dem, was sie ohnehin sind: eben sehr mobile „Arbeitnehmer“ oder „Mitarbeiter“.  

Welche Kriterien spielen derzeit in der Personaldienstleistung eine zentrale Rolle? Und welche Forderungen stellen Unternehmen?


Döhlemann: Kurz zusammengefasst lässt sich diese Frage so beantworten: Entleiher erwarten bessere Aufklärung und haben Interesse an einer längerfristigen Zusammenarbeit. Für Kunden mit einem hohen Anteil an Facharbeitern ist weniger die Schnelligkeit ausschlaggebend, sondern mehr die fachliche Qualifikation sowie die gezielte Einarbeitung und Betreuung der Leiharbeitnehmer durch Personaldienstleister. Überraschenderweise spielt der Preis – entgegen aller Erwartungen – zwar eine wichtige, aber nachrangige Rolle im Rahmen der Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern. Er ist somit nicht das wichtigste Einstellungskriterium, vielmehr besteht hier Spielraum bei der Verhandlung. Besonders im höher qualifizierten Bereich nehmen Kundenunternehmen auch deutlich höhere Preise in Kauf.

Hopfenmüller: Zeitarbeit hat sich mit ihren vielseitigen Facetten in fast allen Bereichen der globalisíerten Wirtschaft und länderübergreifend zu einer fest verankerten innovativen Form der Beschäftigung des heutigen Arbeitsmarktes entwickelt. Mittlerweile werden auch die positiven Beschäftigungseffekte moderner Personaldienstleistungen kaum mehr geleugnet.
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Udo Hopfenmüller ist Herausgeber des Fachmagazins „PQ - Das Magazin für moderne Personaldienstleister“. Mit aktuellen Beiträgen, Inhalten und Interviews zu Trends und Entwicklungen bietet das PQ-Magazin im 6-Wochen Turnus ...
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