"Eine nur langsam wachsende Weltwirtschaft hat im IT-Markt eine Wirkung wie ein Schnellkochtopf: sie führt dazu, dass Entwicklungen schneller von statten gehen und sich neue Technologien und Geschäftsmodelle schneller im Markt durchsetzen", erklärt Frank Gens, Senior Vice President und Chefanalyst von IDC. Der Grund dafür ist Gens zufolge, dass diese so genannten disruptiven Angebote und Modelle Unternehmen immer mehr Vorteile und Nutzeneffekte bieten – und zwar nicht nur auf lange Sicht, wie der Experte ausführt: „Anbieter wie auch Anwender migrieren auf neue Lösungen, nicht weil sie die Zukunft darstellen, sondern weil sie schon heute praktische Vorteile bieten“, so der IDC-Experte.
Verstärkter Trend zu Cloud Computing
IDC zufolge werden der Kostendruck und die damit einhergehenden Budgetzwänge dem Cloud Computing als kostengünstige Alternative zum Durchbruch verhelfen: „Zwar wirkt sich auch hier bei bestimmten Cloud Services, z.B. Software-as-a-Service und Cloud Storage, die Wachstumsbremse aus, allerdings nicht so stark wie bei eher konventionellen IT-Alternativen.“ Entsprechend erwartet IDC, das sich Produktanbieter und Dienstleister mit dem Ziel, sich neue Kundenbudgets zu sichern, gegenseitig mit Ankündigungen zu neuen Cloud Computing Angeboten überbieten werden. Im diesem Wettstreit mit von der Partie: die Telekommunikationsbranche, deren Umsätze sich IDC zufolge halbieren werden und diese im Zuge einer weltweiten Konsolidierung aggressiv in den Markt für Cloud Service drängen lassen wird.
Strategien auf KMU-Markt fokussieren
Um überleben zu können, müssen die Anbieter sich und ihre Angebote nach Meinung der IDC-Analysten auf Segmente und Märkte mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten ausrichten. Dazu gehörten unter anderem die Schwellenländer wie beispielsweise die BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) und das KMU-Segment (kleine und mittelständische Unternehmen). Zwar würden auch hier die Wachstumsraten deutlich sinken, jedoch noch oberhalb des Durchschnitts alle Märkte liegen. Ein weiteres Feld sieht IDC zudem in staatlichen Initiativen zum Ankurbeln der Wirtschaft und zur Sicherung der finanziellen Stabilität, die auch Aufwendungen für neue Technologien beinhalteten, wodurch dieser Sektor „das erste Mal seit vielen Jahren“ wieder interessant sei.
Weitere IDC-Prognosen für das Jahr 2009:
- Die Online-Wirtschaft profitiert von der Krise, denn immer mehr Menschen kaufen über das Internet ein, zum einen wegen der günstigeren Preise, zum anderen weil manche Produkte in der schwächelnden Offline-Wirtschaft schwerer zu finden sind.
- Im Markt für mobile Gadgets weht nächstes Jahr ein rauer Wind. Die Verbraucher geben weniger Geld aus, und die Anbieter senken die Preise (und kürzen damit die Gewinnspannen), um Marktanteile zu halten beziehungsweise dazu zu gewinnen.
- Berufs- und Privatleben wachsen noch mehr zusammen, denn mit der zunehmenden Akzeptanz von mobilen Technologien und Web 2.0 Tools verwischen die Grenzen zwischen Arbeitsumgebung und privatem Umfeld noch mehr.
- Für die Bereiche Informationszugriff und Analyse wird 2009 den Durchbruch bringen, denn es kommt die neue Generation an "Eureka 2.0" Tools auf den Markt; dieses letzte und strategischste Fleckchen im IT-Markt wird heiß umkämpft werden.
Obwohl man meinen könnte, dass Unternehmen und Verbraucher nun angesichts der Wirtschaftskrise gleichermaßen die Köpfe einziehen und sich mit IT-Ausgaben zurückhalten, würde Genz zufolge dennoch in den Bereichen, wo klare Nutzeneffekte und Vorteile zu erzielen sind, weiter Geld ausgegeben. So zeigt sich der Experte denn auch optimistisch: "Zwar wird das reduzierte Wachstum 2009 in allen Marktsegmenten zu spüren sein, aber disruptive Technologien und Modelle, die die IT-Branche tiefgreifend verändern, kommen besser weg als konventionelle IT-Bereiche und können sich in der Krise sogar schneller durchsetzen."
Quelle: IDC Deutschland
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