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ISDN-Abschaltung 2018: Worum geht’s hier eigentlich?

Leise und unscheinbar kündigt sie sich an: Sieht man sich die aktuellen Laufzeiten neu beauftragter Telefonie-Produkte an, kann man erahnen, wie ernst es der Deutschen Telekom mit der IP-Umstellung zum Jahr 2018 ist.
(PM) Köln, 18.10.2016 - Die Laufzeit beträgt nunmehr drei Monate und garantiert der Telekom den (rechtlichen) Handlungsspielraum, den sie für ein Vorhaben dieser Größenordnung auch dringend benötigt. Mit der geplanten IP-Umstellung erleben wir eine Revolution im Bereich der telefonischen Kommunikation hautnah – sowohl Geschäfts- als auch Privatkunden. Während bereits ca. siebeneinhalb Millionen Anschlüsse privater Haushalte auf die neue Übertragungsart umgestellt worden sind, vollzieht sich die Umstellung im Geschäftskundenbereich noch vergleichsweise schwerfällig. Trotzdem müssen auch hier veraltete Telefonanlagen und Faxgeräte neuer Technologie weichen und die klassischen ISDN-Anschlüsse auf die neuen IP-Anschlüsse migriert werden.

Umgestellte Kunden beziehen ihr Internet, ihre Telefonie (und sogar ihr Fernsehen) bereits über einen einzigen Kanal – der Internetleitung. Für den Provider einfacher und mit weniger Aufwand zu betreiben, bewirbt man die neuen IP-Produkte mit mehr Benutzerfreundlichkeit (z.B. bei der Einrichtung von Rufumleitungen o.ä.), mehr Leistung und Kapazität für den Verbraucher. Letzen Endes werden aber vor allem die entfallende Wartung der größtenteils aus den 80er/90er Jahren stammenden Hardware und der nicht weiter forcierte Ausbau des ISDN-Netzes und die damit verbundenen Einsparungen die Entscheidungsfreudigkeit der Telekom befeuern.

Je diversifizierter ein System, desto ausfallsicherer – für einen Kanal, über den die gesamte Unternehmenskommunikation gesteuert wird, mag genau das nicht gelten. Denn rollt der Bagger hier versehentlich über das Kabel, ist neben dem Internet in Zukunft auch die Telefonie lahmgelegt. Dieses Szenario hat zu einem redundanten System auf Mobilfunkbasis geführt, welches insbesondere mit dem o2 Digital Phone Einzug in viele moderne Unternehmen hält. Des Weiteren ist zu beachten, dass eine adäquate Umstellung von Notrufsystemen und Alarmanlagen aus versicherungstechnischen Gründen derzeit noch nicht möglich ist. Eine Ausnahme sind Aufzugnotrufe – diese können am IP-basierten Anschluss weitergenutzt werden, sofern sie heute bereits über eine Internet-Verbindung verfügen oder unabhängig vom Anschluss über Mobilfunk angebunden sind. Ein weiterer Nachteil: Neue IP-fähige Hardware und eine entsprechend ausgelegte Netzwerkinfrastruktur muss im Zweifelsfall auch angeschafft werden. Nicht nur deshalb ist es in jedem Falle ratsam, früh mit den Vorbereitungen für die Umstellung anzufangen. Oftmals bleibt nach einer überraschenden Zwangskündigung kaum Reaktionszeit, bis der Provider die ISDN-Leitung nach wenigen Wochen abschaltet. Durch eine sogenannte „weiche Migration“ können IT-Budgets schon heute geschont und projektiert für die Umstellung auf All-IP eingesetzt werden.

Bislang bleiben die Bandbreiten für ISDN- und Analogtelefonie belegt, obwohl diese nicht immer genutzt werden. In Zukunft wird die Bandbreite nur noch bei tatsächlichen Gesprächen beansprucht und steht ansonsten für andere Internetanwendungen zur Verfügung. Ebenfalls wird die Integration von Smartphones in die alltägliche (Festnetz)-Kommunikation ermöglicht. Die Sprachqualität via HD-Voice wird extrem verbessert – vorausgesetzt, beide Gesprächspartner verfügen über einen Anschluss, der HD-Telefonie unterstützt und entsprechend ausgerüstete Geräte. Durch den einheitlichen Netzanschluss für alle Dienste wird nur noch ein einziger Anschluss für Daten-, Sprach- und Multimediaservices benötigt. Diese sind nun ganz einfach skalierbar; im Zuge dessen sinken für den Anwender die Kosten bei gleichzeitiger Erhöhung der Leistung. All-IP-Anschlüsse bieten ihrem Wesen nach höchste Mobilität sind prinzipiell von jedem Standort mit Netzwerkzugang nutzbar. Weitere Vorteile sind die vereinfachte Administration und die Verwaltung von Telekommunikationsanlagen, welche z.B. ganz bequem über ein Webinterface konfiguriert werden können. Dabei stehen neben Cloud- auch VoIP-Telefonanlagen auf virtuellen Serverumgebungen zur Verfügung.

Nachdem uns in Deutschland in der letzten Zeit vermehrt zahlreiche Skandale um mitgelesene Emails, abgehörte Handys und dokumentiertes Surfverhalten in Atem gehalten haben, erscheint die zwanghafte Zusammenlegung von Internet und Telefonie eher wie ein Treppenwitz. Doch genau mit diesem Szenario gilt es sich in Zukunft zu beschäftigen. Das Abhören eines einfachen, unverschlüsselten IP-Telefonats ist erschreckend einfach. Abhilfe schafft lediglich eine entsprechende Gesprächsverschlüsselung, die jedoch betreiberseitig generell nicht garantiert werden kann. Mit anderen Worten: Eine Standardverschlüsselung liegt trotz angekündigter Umstellungspläne bisher noch nicht vor. Auch hier ist das o2 Digital Phone zu erwähnen, welches neben der internen Gesprächsverschlüsselung ebenfalls eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet. Trotzdem ist im Allgemeinen dem Thema Datenschutz im Zuge der IP-Umstellung bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit zuteil geworden – hier haben alle Provider erheblichen Nachholbedarf.
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