Der DAK Gesundheitsreport 2009 belegt es schwarz auf weiß: Fehlzeiten kosten die Wirtschaft Jahr für Jahr zig Milliarden Euro. Betriebliches Gesundheitsmanagement steht daher mittlerweile hoch im Kurs.
Fit bleiben und fit werden sind zwei Paar Stiefel. Häufig aber zielen die Programme viel zu stark auf jene Mitarbeiter ab, die ohnehin schon fit sind.
Nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels gewinnt die betriebliche Gesundheitsförderung zunehmend an Bedeutung. Das Handelsblatt hob daher zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen EuPD Research und dem TÜV Süd den so genannten „Corporate Health Award“ aus der Taufe. Mit diesem Preis zeichneten die Auslober in diesem Jahr erstmals Unternehmen aus, die Vorbildliches beim betrieblichen Gesundheitsmanagement leisten. Unter den Preisträgern Unternehmen wie Daimler, ABB, Boehringer Ingelheim Pharma oder SAP.
Das Problem: Mithilfe der gern als vorbildlich dargestellten Checkup-Angebote, Gesundheitsförderungskurse, Betriebssportgruppen, Nichtraucherseminare, Präventionskampagnen etc. lassen sich in der Regel maximal zehn Prozent der Belegschaft aktivieren. Diese Quote ist nicht nur sehr gering, es werden zudem die Falschen erreicht, nämlich diejenigen, die ohnedies fit und sich der Notwendigkeit eines gesunden Lebensstils bewusst sind.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Unternehmen, die nichts tun, sparen nur vordergründig. Das zeigt sich bei der France Télécom. Dort wurde jüngst bei der Präsentation der Geschäftszahlen mitgeteilt, dass die Selbstmordserie der Mitarbeiter das Unternehmen viel Geld kosten wird. Die Franzosen rechnen mit rund einer Milliarde Euro, die allein durch „Entspannungsmaßnahmen“ wie etwa eine Umfrage unter allen zirka 100.000 Mitarbeitern zum Arbeitsklima anfallen.
Der Verbesserungshebel lässt sich an zwei Stellen ansetzen. Erstens bei einer mitarbeiterorientierteren Führung. So belegen etwa Forschungsarbeiten von den Experten für Arbeitsgestaltung der Bergischen Universität Wuppertal, dass Störungen des Muskel-Skelett-, des Magen-Darm- und des Herz-Kreislauf-Systems sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder Kopfschmerzen zunehmen, wenn das Führungsverhalten der Chefs mangelhaft ist. Und zweitens bedarf es innovativer niedrig schwelliger Gesundheitsförderungsmaßnahmen, die niemanden überfordern und sukzessive zu einem optimierten, gesundheitsbewussten Lebensstil führen. Selbst in kleinen Unternehmen, die häufig niemanden haben, der sich darum kümmert, das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz zu etablieren, lässt sich auf einfache Weise große gesundheitsfördernde Effekte bewirken. Das beweist beispielsweise die Biologische Heilmittel Heel GmbH in Baden-Os.
Natürlich muss das Gesundheitsmanagement von der Geschäftsführung unterstützt und mitgetragen werden. Um in der Kantine gesundes Essen anzubieten, ist dies vielleicht nicht erforderlich. Für ein strategisches Vorgehen bei einem Gesundheitsmanagement, das das Gros der Mitarbeiter einbezieht, ist dies unabdingbar. Intern muss jemand das Gesundheitsmanagement promoten, dann gilt es, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, da Gesundheit erst einmal etwas Persönliches ist.
Eine besondere Aktualität hat Gesundheitsprävention bei Konzernen. Dort drohen die Gesundheitskosten der Mitarbeiter und Pensionäre das Unternehmen zu strangulieren. Welche Art Wettlauf entsteht, wenn Unternehmen Gesundheitsmanagement nicht als strategische Personalaufgabe erkennen, lässt sich daher präzise auf den Punkt bringen: Die Gesundheitskosten wachsen schneller, als die Unternehmen die Kosten senken können.