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News, 15.05.2008
Häufige Stress-Ursachen
Zu viele Projekte und Arbeitsunterbrechungen
Viele Menschen leiden unter Stress, weil die Arbeit sie überfordert. Nach Auskunft der Arbeitswissenschaftlerin Anja Gerlmeier unter anderem ursächlich verantwortlich dafür: die zunehmende „Projektifizierung“ des Unternehmensalltags.
Der Leistungsdruck am Arbeitsplatz ist teils immens und wird für Arbeitnehmer immer öfter zur Belastung. Die Ursachen für die Überbelastung und den zunehmenden Stress sieht Anja Gerlmaier, Arbeitspsychologin am Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) jedoch nicht nur im Zeit- und Leistungsdruck. Wie die Expertin in einem Interview mit dem IT-Fachmagazin Computerwoche feststellt, wäre dieser alleine gar nicht so schlimm. Erschwerend und Gerlmaier zufolge neu hinzukommt aber, dass man bei der Arbeit ständig durch andere Arbeit gestört werde: „Viele sind durch häufige Unterbrechungen und zeitaufwändige Zusatzaufgaben wahnsinnig erschöpft. Sie müssen, offenbar aus Prinzip, in mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten“, so die Arbeitsforscherin. Gerlmaier nennt diese Entwicklung die „Projektifizierung von Unternehmensarbeit“.

Als Folge der Überbelastung reagieren Mitarbeiter erst einmal mit Stress-Symptomen: „Die Leute werden gereizt, nervös, können nicht abschalten“, so die Arbeitspsychologin. Hält dieser Zustand an und wird die Arbeit zur Dauerbelastung, könne Gerlmaier zufolge eine hohe Anfälligkeit für Infektionskrankheiten und Schlafstörungen dazukommen, und auf noch längere Sicht ein Burnout. Eine weitere mögliche und demnach nicht seltene gesundheitliche Folgeerscheinung: der so genannte Tinnitus beziehungsweise Hörsturz. „In einem Unternehmen, in dem das IAQ forscht, sind 20 Prozent der IT-Leute davon befallen, in der Gesamtbevölkerung fünf Prozent“, berichtet Gerlmaier im Interview mit der Computerwoche.

Ein hilfreiches Instrument, um beruflichen (Über-)Belastungen vorzubeugen, sieht Gerlmaier in der Anwendung des so genannten „Eisenhower-Prinzip“, das von dem US-Präsidenten und Alliierten-General Dwight D. Eisenhower praktiziert und gelehrt wurde. Das Prinzip: Alle Aufgaben werden anhand der Kriterien wichtig/unwichtig und dringend/nicht dringend in vier Quadranten verteilt, mit dem Ziel, so Gerlmaier, „das richtige Verhältnis zwischen gleich erledigen und aufschieben“ zu finden. Der Expertin zufolge ein positiver Neben- bzw. Folgeeffekt: „Es reduziert die Arbeitsunterbrechungen. Man kann sich zum Beispiel einen Ordner für cc-Mails einrichten, die man dann alle zusammen später anguckt, wenn man gerade nicht so fit ist.“

Effiziente Arbeitstechniken und insbesondere ein optimiertes Zeitmanagement bedeuten jedoch nicht immer auch zugleich Entlastung. Entscheidend ist nach Meinung der Expertin, worauf die Instrumente abzielen. So müsse das Zeitmanagement Gerlmaier zufolge dem Einzelnen mehr Puffer für seine Erholung und persönliche Entwicklung geben. „Nicht gemeint ist damit, dass er in noch kürzerer Zeit noch mehr Arbeit schaffen kann“, stellt die Arbeitspsychologien klar. Abseits dessen empfiehlt sie, die Arbeit der biologischen Leistungskurve anzupassen. Demnach sollte man die wichtigsten Sachen zwischen neu und zwölf Uhr erledigen, da man sich in dieser Zeit am besten konzentrieren könne. „Zwischen 13 und 15 Uhr sinkt die Leistungsfähigkeit auf 60 Prozent, zwischen 15 und 17 Uhr geht sie noch einmal hoch“, so Gerlmaier, was bedeute: Keine Meetings am Vormittag, da man sich damit die beste Arbeitszeit verbaue.

Wenn jedoch alle Techniken und Tricks nichts helfen, bleibt nur die Hilfe durch den Vorgesetzten: „Dann ist man in einer Überlastsituation, die sich mit Zeit-Management nicht mehr in den Griff bekommen lässt. In diesem Fall hilft nur der Gang zum Chef mit einem Papier, auf dem die Aufgaben stehen, die man alle erledigen soll“, so Gerlmaier. In diesem Zusammenhang sollte man sich jedoch nach Ratschlag der Arbeitswissenschaftlerin vorher überlegen, was man behalten beziehungsweise abgeben wolle, und fügt hinzu: „Chefs mögen es, wenn man schon jemanden weiß, der das, was man abgeben will, übernehmen kann.“ Dabei hält die Expertin fest, dass durch zuviel Arbeit gestresste und überforderte Mitarbeiter zu entlasten, im Sinne eines Unternehmens ist, wonach die Leistung nicht sinke, wenn man die Überlastung wegnimmt, sondern sich vielmehr verbessere. „Aber das geht schwer in die Köpfe rein“, so das Fazit der Expertin.

Quelle: Computerwoche.de

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