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News, 31.03.2014
Euro-Bankenprüfung
Zwischen Hoffen und Banken
Bevor die Europäische Zentralbank (EZB) im November die Aufsicht über die 128 größten Banken des Euroraums übernimmt, unterzieht sie die Institute einem Stresstest. Das Ergebnis wird von den Finanzmärkten mit Hochspannung erwartet. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat die veröffentlichten Finanzkennzahlen dieser systemrelevanten Banken schon vorab unter die Lupe genommen.
Fast die Hälfte aller gefährdeten Kredite entfallen auf ein Viertel der 128 größten Banken.
Fast die Hälfte aller gefährdeten Kredite entfallen auf ein Viertel der 128 größten Banken.

Der nächste Versuch – und dieses Mal sollte er klappen.  Denn der letzte Stresstest im Jahr 2011 ging ordentlich daneben: Damals durchleuchtete die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) 90 Banken in 21 Ländern  und attestierte  den meisten, dass bei ihnen alles in Ordnung sei. Darunter waren auch der belgisch-französische Bankkonzern Dexia,  Zyperns  zweitgrößte  Bank Laiki und die spanische Bankia  – allesamt Geldhäuser, die kurz danach in große Schwierigkeiten gerieten.

Seitdem hat die EBA einiges an Reputation eingebüßt. Dieses Mal hat die Europäische Zentralbank  (EZB)  den  Hut  auf. Überprüft werden die 128 größten und systemrelevanten Banken in der Eurozone,  darunter  24  deutsche.

Was Öffentlichkeit und Medien meist als Stresstest bezeichnen, ist in Wahrheit ein dreistufiger Prozess, bei dem der Stresstest nur die letzte Stufe bildet:

  1. Risikobewertung: Zunächst prüft die EZB die Risiken in den Bilanzen, es geht also um die Liquidität sowie um die Verschuldung und Refinanzierung der Banken.
  2. Prüfung der Vermögenswerte: Der zweite Schritt besteht  darin, dass die EZB die Qualität der vergebenen Kredite sowie anderer Aktiva bewertet. So sollen faule  Kredite ausfindig gemacht und es soll überprüft werden, ob eine Bank entsprechende Rückstellungen gebildet hat.
  3. Stresstest: Den Abschluss bildet der sogenannte Stresstest. Mit ihm wird analysiert, wie eine Bank auf bestimmte Krisenszenarien reagiert – zum Beispiel darauf, dass irgendwo eine Immobilienblase platzt oder eine andere große Bank zusammenbricht.
Alle drei Stufen sollen bis November 2014 abgeschlossen sein,  denn dann übernimmt  die  EZB  offiziell die Aufsicht über die Banken. Was die Währungshüter konkret herausfinden werden, bleibt abzuwarten.

Doch schon heute scheint sicher, dass längst nicht alle Banken ungeschoren davonkommen. Das zumindest legt der neue IW-Bankenmonitor nahe, mit dem die Wissenschaftler des IW Köln die veröffentlichten Bilanzkennzahlen der Banken überprüft haben. Demnach haben zwar die meisten der Geldhäuser, deren Daten ausgewertet werden konnten, keine Leichen im Keller. Bei einigen aber gibt es durchaus Grund zur Sorge.

Die untersuchten Banken im Euroraum haben in ihren Bilanzen insgesamt 876 Milliarden Euro an notleidenden Krediten – also Kredite, bei denen Zins- oder Tilgungszahlungen mehr als 90 Tage in Verzug sind. Erschreckend dabei ist, dass sich die Situation gerade bei jenen Banken noch verschlimmert hat,  die schon seit Jahren einen sehr hohen Anteil  an diesen faulen Krediten haben:

Im Finanzkrisenjahr 2008 hatten 5 Prozent der Banken gut 8 Prozent an notleidenden Krediten in ihren Büchern – 2012 waren über 19 Prozent ihrer Kredite faul.

Je nachdem, wo man den Nagel einschlägt, ergeben sich verschiedene Klumpenrisiken:
  • 40 Prozent der gefährdeten Kredite entfallen auf 25 Prozent der Banken.
  • 1 Prozent der Banken haben mindestens 38 Prozent faule Kredite in ihren jeweiligen Bilanzen.
Zu  den  Sorgenkindern  gehören vor allem Banken in den Krisenländern Griechenland, Irland, Italien, Spanien und Zypern. Das ist zwar nicht überraschend, gibt aber dennoch zu denken. Denn diese Länder haben ohnehin genug Sorgen mit ihrer teils schwer angeschlagenen Wirtschaft, eine zusätzliche Bankenrettung könnten sie kaum stemmen. Doch die maroden Geldhäuser einfach abzuwickeln,  ist auch keine Option  –  dazu sind sie zu groß, sprich: systemrelevant.

Wesentlich verbessert hat sich dagegen  die  Eigenkapitalausstattung der europäischen Banken. Ab 2015 müssen sie eine Kernkapitalquote (gezeichnetes Kapital und Rücklagen bezogen auf die  Aktiva)  von mindestens 6 Prozent erfüllen – das schaffen die meisten schon heute:

Im dritten Quartal 2013 konnten 95 Prozent der untersuchten Banken eine Kernkapitalquote von mindestens 8 Prozent vorweisen.

Der  IW-Bankenmonitor  zeigt, dass die Branche noch längst nicht alle Hausaufgaben gemacht hat. Vor allem die Profitabilität lässt zu wünschen übrig. In den Jahren 2011 und 2012 schrieb ein Drittel der untersuchten  Banken  Verluste. Die Gefahr dabei ist, dass Banken, die mit ihrem Kerngeschäft keine Gewinne erzielen, sich eher in riskanten Papieren engagieren. Um das Finanzsystem stabiler  zu machen,  ist es deshalb wichtig, dass die Banken auch  mit  risikoarmen  Geschäften wieder Geld verdienen können.

Damit die Bankenprüfung nicht zum Desaster gerät, muss die EZB bereits im Vorfeld unmissverständlich klarmachen, wie sie mit jenen Banken umgehen will, die den Stresstest nicht bestehen. Denn haben die EZB-Kontrolleure keine Lösungen parat, könnte das einen bekannten Teufelskreis  in  Gang  setzen:  Die Märkte verlieren das Vertrauen in die Banken der Krisenländer und ziehen von heute  auf  morgen  ihre Gelder ab. Eine solche Kapitalflucht würde die ohnehin zaghafte Erholung in diesen Ländern wieder zunichtemachen.

*) aus IW-Trends 1/2014 - Markus Demary: „IW-Bankenmonitor – Bringt die Bankenprüfung der Europäischen Zentralbank das Vertrauen in die Eurozone zurück?“ (Kostenfreier Download)

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln

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