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News, 21.06.2010
EU-Studie
Arbeitgeber schauen Stress und Mobbing weitestgehend zu
Obschon über drei Viertel der Unternehmen in Europa die Reduzierung von arbeitsbedingten Stress als wichtiges Thema bewerten, geht einer EU-weiten Arbeitschutz-Studie zufolge nur eine Minderheit der Arbeitgeber dagegen systematisch vor.
Wie aus einer erstmals veröffentlichten Untersuchung der „Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz“ (engl.: European Agency for Safety and Health at Work, kurz EU-OSHA) hervorgeht, messen Europas Arbeitgeber dem Problemfeld Stress am Arbeitsplatz inzwischen eine ebenso so hohe Bedeutung bei wie Arbeitsunfällen. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „European Survey of Enterprises on New and Emerging Risks“ (ESENER),  für die im vergangenen Jahr mehr als 36.000 Manager, Sicherheits- und Arbeitsschutzbeauftragte von Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern aus 27 Ländern der Europäischen Union sowie aus Norwegen, Kroatien, der Schweiz und der Türkei zum Thema Sicherheit und Arbeitsschutz befragt wurden. Danach wird arbeitsbedingter Stress von 79 Prozent der befragten Unternehmen als bedeutsames Thema eingestuft und damit in seiner Relevanz genauso bedeutsam bewertet wie Arbeitsunfälle (80%) sowie Muskel- und Skeletterkrankungen (78 %). Auf den weiteren Plätzen der sicherheits- und arbeitsschutzrelevanten Themen folgen Lärm und Vibrationen (61%) und Gefahrenstoffe (58%). Dem Problemfeld Mobbing und Belästigung hingegen misst nur rund ein Drittel der befragten Arbeitgeber (37%) Relevanz bei  - ebenso wie der Gefährdung durch Gewalt- bzw. Gewaltandrohung (37%).

Stressbekämpfung erfolgt zumeist nur halbherzig

Trotz der – zumindest vordergründig – hohen betrieblichen Relevanz des Risikofaktors Stress lassen die meisten Arbeitgeber eine nachhaltige, ganzheitliche Strategie zur Stressvermeidung missen. So verfügt gerade einmal ein Viertel aller befragten Unternehmen (26%) über Verfahren, um den Stress im Arbeitsalltag systematisch zu verringern. In Deutschland ist der Anteil noch geringer: Hier bekämpft den Stress sogar nur jeder siebte Arbeitgeber (15%) systematisch. Besonders vorbildhaft erweist sich bei der Stressbekämpfung Schweden, wo über zwei Drittel der Unternehmen formelle Verfahren zur Reduktion von Stress besitzen. Stark ausgeprägt ist das Problembewusstsein auch in Irland und in Großbritannien: Hier gibt es immerhin bereits in mehr als jeder zweiten Firma angemessene Verfahren. In Norwegen und Finnland trifft das zumindest noch auf mehr als vier von zehn befragten Unternehmen zu.

Bemerkenswert: Während sich beim Thema Stress am Arbeitsplatz EU-weit eine große Diskrepanz zwischen dem betrieblichen Problembewusstsein (79%) einerseits und der Qualität der Prävention andererseits (Anteil der Firmen mit formelle Verfahren zum Umgang mit Stress: 26%) zeigt, gilt das beim Thema Mobbing nicht. So wird zwar Mobbing und Belästigung nur von gut einem Drittel aller befragten Firmen (37%) als bedeutsames Risikofeld eingeordnet, diesem allerdings auch von einem fast ebenso hohen Anteil systematisch begegnet, wonach drei von zehn befragten Unternehmen (30%) formelle Verfahren zum Umgang mit Mobbing implementiert haben. Ein Grund für die vergleichsweise geringe Diskrepanz zwischen Problembewusstsein und Handeln könnte u.a. die deutlich höhere arbeitsrechtliche Relevanz des Thema Mobbings sein. Ähnliches gilt auch im Hinblick auf arbeitsbedingte Gewalt, die ebenfalls 37 Prozent als bedeutsames Handlungsfeld einstufen und immerhin 26 Prozent auch systematisch zu bekämpfen suchen.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass der Anteil der Unternehmen, die psychosozialen Risiken mit angemessenen Verfahren begegnen, mit Anstieg der Unternehmensgröße in allen drei Feldern (Stress, Mobbing, Gewalt) wächst.  

Hauptursachen für psychosoziale Belastungen

Meist genannter Auslöser für psychosoziale Belastungen ist der Faktor Zeitdruck (58%), gefolgt von schwierigen Kunden, Patienten, Schülern etc. (50%) sowie Defizite in der internen Kommunikation zwischen Management und Beschäftigten (29%). Dahinter folgen Arbeitsplatzunsicherheit und schlechte Zusammenarbeit zwischen Kollegen (jeweils 27%), zu lange oder unregelmäßige Arbeitszeiten (23%) sowie Probleme zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten (20%).  Weiterhin genannte Risikofaktoren: Fehlende Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten auf die Arbeitsorganisation (19%), unklare Personalpolitik (14%) und Diskriminierung (7%).

Allerdings zeigen sich im Hinblick auf die jeweiligen Branchen und Regionen/ Länder erhebliche Unterschiede: „Zeitdruck wird in größeren Betrieben und in der Immobilienbranche (61 %) sowie aus geografischer Sicht in den skandinavischen Ländern am häufigsten genannt (mit dem höchsten Wert von 80 % in Schweden), während dies in Italien (31 %), Ungarn (37 %) und Lettland (41 %) seltener als Problem betrachtet wird“, so die Studie.

Maßnahmen gegen psychosoziale Risiken


Zur Verringerung der psychosozialen Belastungen setzen die meisten Betriebe auf das Instrument der betrieblichen Weiterbildung (58%). Weitere 40 Prozent der Unternehmen nennen zudem „Veränderungen in der Arbeitsorganisation“ und 38 Prozent die Optimierung der Arbeitsplatzgestaltung. Auf den weiteren Plätzen der meist genannten Hebel folgen „vertrauliche Beratung für Beschäftigte“ (33%), Veränderungen bei der Arbeitszeitgestaltung (29%) und „Einrichtung eines Verfahren zur Konfliktlösung“ (22%). Abseits dessen erklärten 69 Prozent der befragten Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter darüber zu informieren, an wen sie sich im Falle arbeitsbedingter psychosozialer Probleme wenden können, und weitere 53 Prozent, diese über psychosoziale Risiken und deren Folgen aufzuklären.

Motive zur Auseinandersetzung mit psychosozialen Risiken

Der von Unternehmen in der EU-27 meist genannte Beweggrund, sich mit psychosozialen Belastungen zu beschäftigen und diesen über entsprechende Verfahren und Maßnahmen entgegenzuwirken, ist die „Erfüllung gesetzlicher Verpflichtungen“ (63%). Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit jeweils deutlichem Abstand „Forderungen der Beschäftigten oder ihrer Vertreter“ (36%) und „Forderungen von Kunden oder Bedenken hinsichtlich des Rufs der Organisation“ (26%). Motive wie eine höhere Produktivität und Leistungsqualität sowie eine Reduktion der Fehlzeitenquote bzw. des Krankenstands nennen in diesem Kontext hingegen nur 17 Prozent bzw. 12 Prozent der Unternehmen, was darauf schließen lässt, dass die betriebswirtschaftliche Dimension des Themas weiterhin von vielen Arbeitgeber unterschätzt wird.

Hürden im Umgang mit psychologischen Belastungen

Zu den Hemmnissen, die eine nachhaltige Auseinandersetzung und Bekämpfung psychosozialer Belastungen erschweren, nannten die befragten Unternehmen am häufigsten die Brisanz des Themas (53%), „fehlendes Bewusstsein“ (50%) sowie „fehlende Ressourcen wie Zeit, Personal oder Mittel“ und „fehlende Ausbildung und/oder fehlendes Fachwissen“ (jeweils 49%). Jeweils ein Drittel der Befragten führte zudem das „Fehlen technischer Unterstützung/Anleitung“ und die eigene „Unternehmenskultur“ an.  Auch bewerten 42 Prozent der Arbeitgeber den Umgang mit psychosozialen Belastungen im Vergleich zu anderen Handlungsfeldern in puncto Sicherheit und Arbeitsschutz als schwieriger, wobei der Prozentsatz derer, die dies so beurteilen, mit steigender Unternehmensgröße zunimmt. In diesem Zusammenhang ergab die Studie, dass die Brisanz des Themas ebenso wie die Unternehmenskultur in größeren Betrieben häufiger ein Hindernis darstellt als in kleineren Firmen.

Ein Komplettzusammenfassung der Ergebnisse der Studie „European Survey of Enterprises on New and Emerging Risks“ steht zum kostenfreien Download zur Verfügung.

[Quelle: EU-OSHA]
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