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News, 12.03.2012
Die Teilzeitfalle
Frauen beruflich nicht nur beim Gehalt benachteiligt
Frauen haben es im Arbeitsleben in Deutschland weiterhin erheblich schwerer als Männer, zeigt eine Auswertung des WSI-Tarifarchivs in der Hans-Böckler-Stiftung.
Gleiches Recht, doch häufig nicht die gleichen Chancen: Speziell bei der Vergütung hinken Frauen gegenüber Männern weiter hinterher.
Gleiches Recht, doch häufig nicht die gleichen Chancen: Speziell bei der Vergütung hinken Frauen gegenüber Männern weiter hinterher.
Vor dem Gesetz sind Frauen und Männer in Deutschland zwar gleichgestellt. Im Job sind Männer aber gleicher: Sie müssen sich seltener mit atypischen Beschäftigungsverhältnissen wie Teilzeitjobs zufrieden geben, werden eher befördert und verdienen im Durchschnitt deutlich mehr als Frauen. Das zeigen die Ergebnisse einer vom WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführten Online-Umfrage auf der Internetseite frauenlohnspiegel.de, an der sich 2011 rund 22.000 Frauen und Männer beteiligt haben. Danach liegt der monatliche Bruttoverdienst von Frauen in Deutschland im Schnitt rund 21 Prozent unter dem der Männer.

"Leider gilt nach wie vor: Zum Teil werden Frauen schlechter bezahlt, weil sie Frauen sind" fasst WSI-Experte Dr. Reinhard Bispinck die WSI-Analyse zusammen. Auch arbeiteten Frauen dem Institut nach oft in Wirtschaftszweigen und Berufen, die ein vergleichsweise niedriges Einkommensniveau aufweisen. Daneben seien Frauen in Leitungs- und Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert. Hinzu kämen Nachteile aufgrund von familienbedingter Berufsunterbrechung. Ein weitere Grund, der das Verdienstniveau nach unter drückt, ist dem Bericht zufolge, dass Frauen deutlich häufiger in – schlechter bezahlten – Teilzeitarbeitsverhältnissen beschäftigt sind als Männer.

Teilzeit oft der einzige Ausweg


Aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge arbeiteten im Jahr 2010 in Deutschland 45,6 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit und damit deutlich mehr als im EU-Durchschnitt. EU-weit lag die Teilzeitquote von erwerbstätigen Frauen lediglich bei 30,8 Prozent. Höher als in Deutschland lag die Teilzeitquote nur noch in den Niederlanden (74,7%), wobei hier lediglich ein Anteil von 5,5 Prozent der weiblichen Teilzeitkräfte aufgrund von fehlenden Alternativen und damit unfreiwillig einem Teilzeitjob nachging. In Deutschland waren dagegen 18,9 Prozent der Teilzeitjobberinnen ungewollt in Teilzeit tätig.

Auch Sonderzahlungen bei Frauen seltener


Wie aus der Umfrage des Weiteren hervorgeht, erzielen Frauen im Durchschnitt nicht nur geringere Stundenverdienste, sondern erhalten auch seltener Sonderzahlungen. So bekamen von den Männern 60,9 Prozent im letzten Jahr ein Weihnachtsgeld, von den Frauen dagegen nur 57,4 Prozent. Noch größer ist die Diskrepanz beim Urlaubsgeld: Während von den Männer 56,1 Prozent ein solches erhielten, waren es bei den Frauen nur 46,7 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich in puncto Gewinnbeteiligung. Hier hatten die Männer mit einer Empfängerquote von 28,3 Prozent ebenfalls die Nase deutlich vorn (Frauen: 21,7%).

Daneben ergab die Online-Umfrage von frauenlohnspiegel.de, dass Frauen von Tarifverträgen stärker profitieren als Männer. So verdienen Frauen, die in tarifgebundenen Unternehmen arbeiten, im Durchschnitt 23,7 Prozent mehr als solche, die nicht tarifgebunden beschäftigt sind. Bei den Männern beträgt das Einkommensplus gegenüber nicht tariflich bezahlten Kollegen dagegen nur 21,9 Prozent. Allerdings sind von den Frauen nur rund 46 Prozent in Unternehmen mit Tarifbindung beschäftigt, bei den Männern dagegen rund 54 Prozent.

Dass Frauen geringere Aufstiegschancen haben als Männer, wird durch Umfrage ebenfalls bestätigt: Während von den Männern knapp 31 Prozent erklärten, in ihrem derzeitigen Anstellungsverhältnis schon einmal befördert worden zu sein, konnten dies von den Frauen nur rund 21 Prozent berichten.

Wie das WIS-Tarifarchiv erklärte, seien die Daten zwar nicht repräsentativ. Angesichts der hohen Zahl der befragten Frauen und Männer gewährleiste die Online-Umfrage jedoch dennoch verlässliche Orientierungsgrößen. „So liegt der im Frauenlohnspiegel beobachtete Verdienstrückstand von Frauen in etwa auf dem Niveau, das beispielsweise die OECD oder die EU-Kommission aus anderen Datenquellen ermittelt haben“, konstatierte das Institut.
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