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News, 20.05.2015
Bayern an der Spitze der "Stromverschwender"
Deutschlands Städte mit dem höchsten Stromverbrauch
Deutsche Privathaushalte haben 2014 durchschnittlich 200 kWh weniger Strom verbraucht als im Vorjahr. An der Spitze der Stromverschwender fanden sich vor allem bayerische Städte. Die Liste der Schlusslichter mit dem geringsten Stromverbrauch wurde dagegen von Städten aus den neuen Bundesländern angeführt.
 Spitzenreiter beim Pro-Kopf-Stromverbrauch: Die Universitätsstadt Passau in Niederbayern am Zusammenfluss von Donau Inn und Ilz (auch „Dreiflüssestadt" genannt).
Spitzenreiter beim Pro-Kopf-Stromverbrauch: Die Universitätsstadt Passau in Niederbayern am Zusammenfluss von Donau Inn und Ilz (auch „Dreiflüssestadt" genannt).

Wie eine 120-Städte-Studie des Versicherungs- und Energieportals preisvergleich.de ergeben hat, verbrauchte jeder Deutsche im vergangenen Jahr durchschnittlich 1.654 Kilowattstunden (kWh) Strom. Damit hat sich der Stromverbrauch pro Kopf in Deutschland 2014 gegenüber Vorjahr um mehr als 200 kWh reduziert. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 26 Cent pro Kilowattstunde bedeutet dies, dass jeder Deutsche im Schnitt im letzten Jahr bei den Stromkosten rund 52 Euro eingespart hat. 2013 war der Stromverbrauch pro Kopf noch bei 1.836 kWh gelegen und gegenüber dem Vorjahr nahezu stagniert (2012: 1.858 kWh). Betrachtet man die Stromeinsparung mengenmäßig, entspricht dies immerhin dem Stromverbrauch eines Geschirrspülers in einem Jahr.

Ungeachtet des insgesamt rückläufigen Stromverbrauchs zeigt die Erhebung aber auch, dass der Pro-Kopf-Verbrauch je nach Region stark variiert und die „Stromverschwender“-Städte mit einem Stromverbrauch von mehr als 1.813 kWh je Einwohner 2014 im Durchschnitt einen um mehr als ein Fünftel höheren Stromverbrauch auswiesen als die „Stromsparer“-Städte (Pro-Kopf-Verbrauch 2014: 1.491 kWh und weniger). Kriterium für die Kategorisierung als „Stromsparer“ beziehungsweise „Stromverschwender“ ist das Unter- respektive Überschreiten des in der Studie ermittelten durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauchs von 10 Prozent und mehr.

Spitzenreiter beim Stromverbrauch: bayrische Städte

Wirken sich möglicherweise die schärferen EU-Richtlinien zu sparsameren Elektrogeräten und Glühlampen auf den Verbrauch insgesamt aus? Oder zwingen die trotz minimaler Anbieter-Senkungen immer noch hohen Strompreise die Verbraucher mit geringeren Einkommen zum Stromsparen? Beide Fragen ließen sich für das Studienteam nicht eindeutig beantworten. Im Fokus der Studie von preisvergleich.de stand darum vorrangig der tatsächliche Stromverbrauch und nicht die Fragestellung, inwiefern sich das Verbraucherverhalten in den untersuchten Städten unterscheidet Auffällig sind im Ergebnis jedoch die deutlichen Energie-Nutzer-Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Städten. So liegen alle 16 „Stromverschwender“-Städte im Pro-Kopf-Verbrauch der Privathaushalte zwischen 2.004 und 1.813 kWh im Westen der Republik und davon allein acht im Bundesland Bayern.

Spitzenreiter beim Stromkonsum pro Kopf sind Passau (2.004 kWh), Bamberg (1.974 kWh), Hof (1.961 kWh), Straubing (1938kWh), Bayreuth (1.911kWh) und Trier (1.910 kWh). Selbst in einer Kleinstadt wie Heide wird ein Verbrauch von 1.865 kWh registriert. Insgesamt bezieht die Gruppe der „Stromverschwender“-Städte 14 Prozent mehr Strom als der Schnitt aller Städte im Test.

Stromsparer vor allem im Osten

Die niedrigste Energienutzung pro Kopf in kWh verzeichnet das thüringische Jena mit 1.314 kWh pro Kopf. Überdurchschnittlich sparsam sind auch die Bewohner von Ingolstadt – im sonst stromverprassenden Bayern – mit 1.314 kWh pro Kopf und Jahr. Es folgen Erfurt (1.368 kWh), Freiburg im Breisgau (1.398 kWh), Stuttgart (1.401 kWh) und Heidelberg (1.408 kWh), Dresden (1.410 kWh) oder Rostock (1.411 kWh). Insgesamt liegen die „Stromsparer“-Städte zwischen 10 und 21 Prozent unter dem bundesdurchschnittlichen Stromverbrauch. Von den insgesamt 19 „Stromsparer“-Städten befinden sich alleine 12 in den neuen Bundesländern.

Im Mittelfeld finden sich 85 Städte. Darunter auch Metropolen wie Berlin (1.523 kWh) und Hamburg (1.534 kWh), die nur knapp an der Bewertung „Stromsparer“ vorbei schrammen. Das Mittelfeldranking wird begrenzt von Wiesbaden (1.510 kWh) und Kaiserslautern mit 1.806 kWh.

Legt man einen durchschnittlichen Strompreis von rund 20 Cent pro Kilowattstunde zu Grunde, zahlen die Stromverschwender in Passau pro Jahr etwa 70 Euro mehr als der Bundesdurchschnitt – allein durch den erhöhten Verbrauch sogar 140 Euro mehr als in der Stromsparer-Hochburg Jena (1.314 kWh).

Stromverbrauch keine Frage des Einkommens

Fakt ist: Eine pauschale Aussage „Mehr Einkommen bedeutet mehr Stromverbrauch“ lässt sich nicht treffen. Beispielhaft: In Passau, der Stadt mit dem höchsten Stromverbrauch im Test, verbrauchen die Bürger mit 2.004 kWh satte 21 Prozent mehr Strom als der deutsche Durchschnitts-Einwohner (1.654 kWh). Das durchschnittliche Pro-Kopf-Bruttojahresgehalt liegt in Passau mit 30.135 Euro leicht unter dem Bundesdurchschnitt (30.349 Euro). In Erlangen dagegen ist der Stromverbrauch mit 1.886 kWh nur unwesentlich geringer als in Passau. Jedoch liegt das Einkommen hier gleich um 35 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Doch: Selbst „Verschwender-Städte“ wie Trier, Heide oder Lüneburg zählen zu den „armen Schluckern“ beim Pro-Kopf-Einkommen mit 12 bis 14 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Ein ähnliches Bild lässt sich auch bei den „Strom-Sparern“ zeichnen: Hier finden sich etwa mit Plauen, Gera, Erfurt oder Magdeburg Städte mit unterdurchschnittlichen Pro-Kopf-Löhnen. Doch auch hier gibt es „Besserverdiener“: Stuttgart, Frankfurt am Main oder Ingolstadt liegen mindestens 25 Prozent über dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen – und sparen dennoch beim Stromverbrauch.

Für die Studie wurden von preisvergleich.de rund 200.000 stichprobenartig ausgewählte Strom-Verträge, welche 2014 online abgeschlossen wurden, analysiert. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Haushaltsgrößen, welche das Statistische Bundesamt oder die statistischen Landesämter ausweisen, wurde aufgrund der Vertrags-Angaben der Pro-Kopf-Stromverbrauch pro Stadt ermittelt.

cs/preisvergleich.de

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