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News, 22.08.2018
Exportgigant
Deutschland weiterhin mit höchstem Leistungsbilanzüberschuss weltweit
Deutschland wird voraussichtlich auch 2018 von der Globalisierung volkswirtschaftlich am meisten profitieren. Zwar dürfte sich der Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz verringern, dennoch aber das dritte Jahr in Folge so hoch ausfallen wie in keinem anderen Land weltweit.
Wirtschaftsmotor Export: Die weltweite Nachfrage nach Produkten "made in Germany" ist ungebrochen, allen voran in den Euroländern, aber auch den USA.
Wirtschaftsmotor Export: Die weltweite Nachfrage nach Produkten "made in Germany" ist ungebrochen, allen voran in den Euroländern, aber auch den USA.

Deutschlands Überschuss in der Leistungsbilanz wird im Jahr 2018 voraussichtlich zwar nicht ganz so hoch ausfallen wie 2017, im weltweiten Vergleich wird Deutschland hier aber dennoch das dritte Jahr in Folge den Spitzenplatz einnehmen. Berechnungen des ifo Instituts in München nach wird sich der Leistungsbilanzüberschuss im laufenden Jahr mit voraussichtlich 299 Milliarden US-Dollar (264 Mrd. Euro) auf 7,8 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung belaufen und damit 0,1 Prozentpunkte geringer ausfallen wie im Jahr 2017 (7,9 %). Dennoch würde der Leistungsbilanzsaldo von Deutschland bei Eintreten der Prognose auch 2018 deutlich über der von der Europäischen Union (EU) definierten Schwellenmarke liegen. „Die EU hält höchstens sechs Prozent für langfristig tragfähig“, so das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut.

Wie das ifo Institut zu der für das Forschungsnetz EconPol erstellten Prognose  mitteilte, ist der etwas geringere Leistungsbilanzüberschuss auf drei Ursachen zurückzuführen: „Der Überschuss beim Warenexport dürfte nicht mehr zulegen. Die Einkommen aus dem Auslandsvermögen werden wohl leicht rückläufig sein. Außerdem wird die Jahreswirtschaftsleistung einschließlich Inflation recht kräftig um 3,7 Prozent steigen“, so ifo-Forscher Christian Grimme.

Platz 2 im Ranking der Länder mit den weltweit höchsten Leistungsbilanzüberschüssen dürfte dem ifo Institut nach Japan einnehmen. Hier prognostizieren die Berechnungen einen Leistungsbilanzsaldo von etwa 200 Milliarden US-Dollar, was rund 4,0 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung Japans entsprechen würde. Auf Rang drei folgen die Niederlande mit rund 110 Milliarden US-Dollar (12,0 % der Jahreswirtschaftsleistung). Die USA dürften dagegen wieder das Land mit dem größten Leistungsbilanz-Defizit werden mit knapp 420 Milliarden US-Dollar, was aber nur 2,2 Prozent seiner Jahreswirtschaftsleistung entspricht.

Exporte weiterhin deutlich höher als Importe

Der Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz von erwarteten 264 Milliarden Euro lässt sich vor allem auf den Warenhandel zurückführen; ausgehend von den Zahlen für das erste Halbjahr 2018 dürfte sich ein Überschuss von rund 265 Milliarden Euro für das Gesamtjahr ergeben. Haupttreiber für die Ausfuhr an Waren im ersten Halbjahr war die Nachfrage aus den anderen Ländern des Euroraums, den anderen EU-Ländern und aus den USA. Zum Überschuss tragen auch die Erträge aus Auslandsvermögen von rund 63 Milliarden Euro bei. Zahlungen an das Ausland, z.B. bei der internationalen Zusammenarbeit, dürften den Überschuss um rund 45 Milliarden Euro dämpfen. Das Defizit bei den Dienstleistungen wird wohl rund 18 Milliarden Euro betragen.

China ist in diesem Jahr nicht mehr unter den ersten drei Ländern mit den höchsten Überschüssen zu finden. Aufgrund sehr starker Einfuhren und schwächerer Ausfuhren ist der Warenüberschuss deutlich niedriger im ersten Halbjahr 2018; dabei wurde vor allem weniger in die USA und nach Europa exportiert. Außerdem sind die Einnahmen aus dem Auslandsvermögen kleiner im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017.

Leistungsbilanzüberschüsse gehen definitionsgemäß mit hohen Netto-Kapitalexporten einher. Deutschland baut damit mehr finanzielle Forderungen gegenüber dem Ausland auf als das Ausland gegenüber Deutschland. Neben dem Verkauf von Waren oder Dienstleistungen an das Ausland erhöhen auch Erträge aus ausländischen Vermögenstiteln den Leistungsbilanzüberschuss, da sich hierdurch die Zahlungsansprüche an das Ausland erhöhen. Dauerhaft hohe Leistungsbilanzüberschüsse können dann problematisch werden wenn die Forderungen nicht eingelöst werden können, etwa wenn das Ausland nicht mehr fähig ist, die Zinslast zu bedienen.

cs/ifo; Bild: Helmut Jungclaus; Lizenz: CC0 Creative Commons

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