VOLLTEXTSUCHE
News, 21.02.2018
EU-Datenschutzgrundverordnung
Große Zweifel an DSGV-Konformität bei deutschen Unternehmen
Jedes dritte Unternehmen in Deutschland hat Sorge, die im Mai in Kraft tretenden Richtlinien der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) nicht einhalten zu können. Nach einer Studie könnten sich die Strafen für Unternehmen im EU-Raum auf einen zweistelligen Milliardenbetrag belaufen.
Für Großunternehmen bedeutet die Bearbeitung von Datenschutz-Anfragen im Rahmen der DSGVO einen massiven Mehraufwand.
Für Großunternehmen bedeutet die Bearbeitung von Datenschutz-Anfragen im Rahmen der DSGVO einen massiven Mehraufwand.
Die Umsetzung der am 25. Mai 2018 in Kraft tretenden EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) stellt viele Unternehmen in der Europäischen Union (EU) vor immense Herausforderungen. So stufen sich europaweit zurzeit noch immer sechs von zehn Unternehmen (60%) als nicht „ausreichend auf die DSGVO“ vorbereitet ein. Auch in Deutschland haben viele Unternehmen große Zweifel, die neuen Datenschutz-Richtlinien erfüllen zu können. Jedes dritte Unternehmen hierzulande ist bezogen auf die eigene DSGVO-Konformität „besorgt“. Das geht aus der Studie „Finding The Missing Link in GDPR Compliance“ des auf Lösungen für personenbezogene Datensuche und Datenkonsolidierung spezialisierten Softwaretechnologieunternehmens Senzing hervor, an der sich Topmanager aus 1.015 Unternehmen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien beteiligt haben. „Viele Unternehmen zeigen eine gefährliche Unkenntnis der DSGVO, gepaart mit der unbegründeten Zuversicht, dass sie nicht betroffen sein werden“, so der Technologieanbieter.

Neue Datenschutz-Anforderungen bringen hohen Mehraufwand


Wie die Studie ermittelte, dürften Unternehmen im Rahmen der DSGVO monatlich durchschnittlich 89 Datenschutzanfragen erhalten, für deren Beantwortung sie im Durchschnitt 23 unterschiedliche Datenbanken durchforsten werden müssen. Dabei wird jede Datenabfrage einen Zeitaufwand von etwa fünf Minuten erfordern. Damit werden für die Datensuche monatlich im Schnitt in jedem Unternehmen mehr als 10.300 Minuten (172 Stunden) anfallen. Das heißt, dass jedes Unternehmen im Durchschnitt eine Vollzeitkraft ab- oder einstellen muss, die sich ausschließlich mit DSGVO-Anfragen beschäftigt.

Für große Unternehmen potenziert sich das Problem. Hier prognostizieren die Berechnungen der Studie durchschnittlich 246 DSGVO-Anfragen pro Monat, zu deren Beantwortung im Durchschnitt 43 unterschiedliche Datenbanken durchsucht werden müssen mit einer durchschnittlichen Zeitaufwand von mehr als sieben Minuten je Datenbankabfrage. Damit kommt auf Großunternehmen im Monat für DSGVO-Anfragen im Schnitt ein Bearbeitungsaufwand von mehr als 1.259 Arbeitsstunden zu. Das entspricht knapp 60 Stunden Datensuche pro Arbeitstag und bedeutet einen Personalbedarf von täglich bis zu acht Mitarbeitern - nur zur Bewältigung der DSGVO-Anfragen.

„Diese Ergebnisse zeigen das wahre Ausmaß darüber, wie herausfordernd die Einhaltung der DSGVO für Unternehmen sein wird“, so Jeff Jonas, Gründer und CEO von Senzing. Dass sich weniger als vier Monate bis zum Inkrafttreten der DSGVO so viele Unternehmen in Deutschland sorgten, ob sie DSGVO-konform sind, sei ein sehr ernstzunehmendes Warnsignal. „Nicht nur die Managementteams der Unternehmen sind beunruhigt, auch die Aktionäre dürften mit diesen Zahlen ihre Probleme haben. Auf viele große börsennotierte Firmen können riesige Strafen zukommen, und ihre Bewertung würde leiden. Große deutsche Unternehmen sind sehr gefährdet.“

DSGVO-Folgen werden vielfach unterschätzt


Welche Auswirkungen Verstöße gegen die DSGVO haben können, ist den meisten deutschen Unternehmen nicht bewusst. Nur drei von zehn befragten Unternehmen ist bekannt, dass bei Nicht-Einhalten der DSGVI-Anforderungen drakonische Geldstrafen in Höhe von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen. Erschreckend: Nach Meinung von knapp jedem vierten Topentscheider, werden Geldstrafen für Verstöße keine Auswirkungen haben (23 %) und für ebenso viele ist die Wirkung entsprechender Strafen aktuell nicht absehbar.

Zumindest was die Vorbereitung auf die DSGVO angeht, realisieren viele deutsche Unternehmen langsam den Umfang der Aufgabe. So plant mehr als jedes dritte Unternehmen  eine Überarbeitung ihrer IT und Kundendatensysteme (37 %), rund jedes siebte Unternehmen, zusätzliche Datenanalysten zur Datensammlung einzustellen (16 %), und jedes zehnte Unternehmen, seine Daten an Dritte auszulagern (10 %). Bei weiteren neun Prozent der Top-Entscheider herrscht jedoch zurzeit noch Ratlosigkeit („weiß nicht“), welche Maßnahmen ergreifen werden sollten. Immerhin: Fast jedes zweite Unternehmen (46 %), glaubt sich in Hinblick auf die DSGVO-Anforderungen aktuell bereits gerüstet und plant in dieser Hinsicht daher derzeit keine weiteren Schritte.

„Die deutsche Wirtschaft dürfte nur unzureichend auf die DSGVO vorbereitet sein. Immerhin ist es ermutigend, dass viele Unternehmen Möglichkeiten prüfen, ihre Systeme im Vorfeld dieser enormen Regeländerungen auf Vordermann zu bringen“, so Jonas. Erschreckend sei jedoch, dass sich die Mehrzahl der Unternehmen in Deutschland nicht bewusst sei, dass die potentiellen Geldstrafen für eine fehlende DSGVO-Konformität für einige Organisationen das Ende bedeuten und selbst für die größten Firmen und deren Aktionäre herbe Einbußen nach sich ziehen können. „Viele deutsche Unternehmen verstehen die Gefahr der Non-Konformität einfach nicht – das ist wirklich besorgniserregend.“

cs/Senzing; Bild: Macedo_Media / pixabay
WEITERE NEWS AUS DIESER KATEGORIE
Inflation beschleunigt sich
Die Inflation in Deutschland legt weiter zu: Im Oktober beschleunigte sich der Anstieg der ... mehr

NACHRICHTEN AUS ANDEREN RESSORTS
SUCHE
Volltextsuche





Profisuche
Anzeige
PRESSEFORUM MITTELSTAND
Pressedienst
LETZTE UNTERNEHMENSMELDUNGEN
BRANCHENVERZEICHNIS
Branchenverzeichnis
Kostenlose Corporate Showrooms inklusive Pressefach
Kostenloser Online-Dienst mit hochwertigen Corporate Showrooms (Microsites) - jetzt recherchieren und eintragen! Weitere Infos/kostenlos eintragen
Anzeige
BUSINESS-SERVICES
© novo per motio KG