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News, 16.06.2010
DRD-Index
Deutsche Wirtschaft registriert verbesserte Zahlungsmoral
Die anziehende Konjunktur hat im Frühjahr zu einer Verbesserung des Zahlungsverhaltens geführt. Die Gefahr von Forderungsausfällen bleibt einer Langzeiterhebung von Creditreform zufolge aber weiter hoch.
Deutsche Unternehmen kommen wieder schneller an ihr Geld: Nach Auskunft des Verbands der Vereine Creditreform e. V. ist der DRD-Index, der das Zahlungsverhalten anhand regelmäßiger Unternehmensbefragungen und den Daten des Creditreform Debitorenregisters zu einem Indikator zusammenfasst, im Frühjahr 2010 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,3 Zähler auf 64,6 Punkte gestiegen. Im Herbst 2009 hatte der Indikator noch bei 63,7 Punkten gelegen. „Da sich die Auftrags- und Geschäftslage nun mehr und mehr stabilisiert, können schuldnerische Unternehmen ihren Zahlungsverpflichtungen wieder pünktlicher nachkommen“, berichtete der Verband.

Wie aus der aktuellen Auswertung hervorgeht, bewerten mittlerweile 43,0 Prozent der befragten deutschen Unternehmen das Zahlungsverhalten ihrer Kunden als »sehr gut« oder »gut«. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2009 hatten dies nur 38,7 Prozent erklärt. Von einem überwiegend schlechten Zahlungsverhalten berichten hingegen aktuell nur 6,9 Prozent der Unternehmen, wenngleich sich dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht hat (Frühjahr 2009: 6,4%). Damit verbesserte sich der Saldo aus guten und schlechten Bewertungen binnen eines Jahres von plus 32,2 auf plus 36,1 Punkte. „Das erhöhte Risikobewusstsein bei Geschäftstransaktionen und ein wirkungsvolles Forderungsmanagement verhinderten den für Krisen typischen Einbruch im Zahlungsverhalten“, so Creditreform.

Verbindlichkeiten werden wieder schneller beglichen

Nachdem sich im vergangenen Jahr viele Lieferanten aufgrund der angespannten Wirtschaftslage lange gedulden mussten, bis die Rechnungen von Kunden beglichen wurden, hat sich die Lage im Frühjahr wieder leicht entspannt. So verbuchen gegenwärtig 73,8 Prozent der Unternehmen den Zahlungseingang spätestens nach 30 Tagen. Im Vorjahreszeitraum hatten dies noch 72,4 Prozent erklärt. Ein weiteres Zeichen für das insgesamt verbesserte Zahlungsverhalten ist auch, dass sich die von Creditreform ermittelte Spanne zwischen dem Geldeingang und dem ursprünglich gewährten Zahlungsziel verringert hat, demnach eine bereits überfällige Rechnung aktuell mit einem durchschnittlichen Verzug von 13,1 Tagen und somit 0,3 Tage schneller beglichen wird als im Vergleichszeitraum 2009 (13,4 Tage).

Forderungsausfälle weiter ein zentrales Problem


Trotz konjunkturellem Aufschwung bleibt das Risiko von Forderungsverlusten weiter hoch: Wie die Erhebung aufzeigt, stieg der Anteil der befragten Unternehmen, die Forderungen von mehr als einem Prozent ihres Jahresumsatzes als Verlust ausbuchen mussten, von 14,3 Prozent (2009) auf gegenwärtig 15,0 Prozent. „Für ein typisches mittelständisches Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro und einer Umsatzrendite von fünf Prozent bedeutet das mindestens eine halbe Million Euro Mehrumsatz, um den Verlust zu kompensieren“, so der Verband in seinem Bericht. Hoffnung macht jedoch in diesem Kontext, dass sich der Anteil der Betriebe, die im Frühjahr ohne Forderungsausfälle blieben, gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 45,6 Prozent auf 46,1 Prozent geringfügig erhöht hat. Die Gefahr sei aber keineswegs gebannt: „Durch Verschärfungen und Verknappungen bei Lieferanten- und Bankkrediten droht das schleppende Zahlungsverhalten zu einer weiteren Belastungsprobe für die Liquiditätsversorgung des Mittelstandes zu werden“, warnt der Verband in seinem Bericht.

Bauindustrie und Logistik-Branche am stärksten betroffen

Wie die Auswertung der Umfrageergebnisse zeigt, wird das Zahlungsverhalten der Kunden von den Unternehmen je nach Wirtschaftszweig sehr unterschiedlich beurteilt, was Creditreform zufolge auf Unterschiede sowohl bei den Gepflogenheiten im Zahlungsverkehr als auch der Kundenstruktur zurückzuführen sei. „Beispielsweise wird im Einzelhandel sowie in den Dienstleistungsbereichen weniger auf Rechnung geliefert, und das Zahlungsverhalten der Kunden dadurch entsprechend besser beurteilt“, so der Verband. In diesem Kontext belegen die Ergebnisse, dass sich das Zahlungsverhalten in sechs von zehn untersuchten Wirtschaftszweigen binnen Jahresfrist verbessert hat. Am zufriedensten zeigt sich in diesem Feld der Einzelhandel (77 Punkte), der das Zahlungsverhalten noch einmal deutlich besser beurteilt als im Vorjahr (71 Punkte), gefolgt von den Personendienstleistern (71 Punkte), die ebenfalls bessere Noten vergeben als im Vorjahr (65 Punkte). Ein gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbessertes Zahlungsverhalten registrieren darüber hinaus auch die Grundstoff- (70 Punkte), Chemie- (69 Punkte) und Konsumgüterindustrie (70 Punkte) sowie der Großhandel (68 Punkte). Die schlechtesten Erfahrungen hinsichtlich der Zahlungsgepflogenheiten macht aktuell die Bauwirtschaft sowie der Sektor Verkehr und Logistik, wo sich die Lage an der Zahlungsfront mit 65 bzw. 66 Punkten binnen Jahresfrist verschlechtert hat. Gleiches gilt für die Metall- und Elektroindustrie sowie das Segment Unternehmensdienstleistungen (jeweils 70 Punkte), die ebenfalls eine gesunkene Zahlungsmoral verzeichnen.

Lieferantenkredit hat Hochkonjunktur


Angesichts der Tatsache, dass die Wirtschaftskrise die Eigenfinanzierungskraft vieler Unternehmen geschwächt hat, zugleich aber der einsetzende Aufschwung nun erheblichen Bedarf an Kapital – bspw. für neue Mitarbeiter, Investitionen und das Auffüllen der Lager – schafft, gewinnt der Lieferanten- und Warenkredit als kurzfristiges Finanzierungsinstrument und vergleichsweise günstige Alternative zum kurzfristigen Bankkredit im Mittelstand immer stärker an Bedeutung. In diesem Zusammenhang erwartet Creditreform, dass das gesamte Transaktionsvolumen an Lieferantenkrediten im laufenden Jahr rund 250 Milliarden Euro erreichen wird. „Unternehmen schätzen den mit einem Lieferantenkredite verbundenen Liquiditätsspielsraum und die vergleichsweise günstigen Konditionen. Unternehmen, die ihren Kunden ein Zahlungsziel einräumen, sollten dabei aber auf die Bonität ihres Geschäftspartners achten und eine Absicherung der Warenlieferung über eine Warenkreditversicherung oder Eigentumsvorbehalt prüfen“, so der Verband.

[Quelle: Creditreform]
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