Coaching als organisierte Entwicklung von Führungskräften trifft in immer mehr Unternehmen auf Akzeptanz. Der Coach kann schnell erfolgswirksame Punkte thematisieren, gemeinsam mit dem Coachee Lösungswege entwickeln und deren Umsetzung begleiten.
Typisch für (wahres) Coaching: der Coachee entwickelt bzw. erkennt die Lösung selbst.
Für Peter Meier* (*Name geändert) war klar: Ein persönliches Coaching ist zielgerichteter und maßgeschneiderter als die mögliche Alternative eines Trainings. Der Fertigungsleiter eines großen Molkereibetriebes, seit Ende 2009 neu in der jetzigen Funktion, sah dringenden Handlungsbedarf, schließlich hatte er die Aufgabe, die Produktivität, Produktqualität und Ablaufprozesse zu optimieren. Auch der Rohstoffeinsatz und die Schnittstellen zu anderen Bereichen sollten unter seiner Führung verbessert werden. Als „Führungsnovize“ wünschte sich Meier einen Sparringspartner, der ihm dabei kompetent zur Seite stand.
Nach Abstimmung mit dem zuständigen Personalleiter traf sich Meier mit Petra Klein von der Rosenheimer
Steinbeis Beratung GmbH. „Frau Klein ist in unseren Unternehmen aus Seminaren bekannt, wir wussten daher, dass sie als Coach kompetent und erfahren ist“, erklärt der Fertigungsleiter. Gesagt, getan. Zunächst fand ein Auftragsklärungsgespräch statt, in dem es darum ging, Ziele, Coachinginhalte und Rahmenbedingungen zu definieren. Beide, Coach und Coachee, einigten sich auf Doppelstunden im Abstand von 14 Tagen. Nach drei Monaten sollte das Coaching dann noch einmal im Monat stattfinden. Ziel war es, die neue Führungskraft auf ihre neue Rolle vorzubereiten und eine Art 100-Tage-Programm als strategische Agenda festzulegen, um die Wertschöpfung in der Fertigung zu steigern.
Als erstes führte Petra Klein eine Standortbestimmung mit Meier durch. Anschließend erarbeitete sie auf dieser Basis ein Förderprogramm, dessen Inhalte die anschließenden Coachingsequenzen strukturierten. „Beispielsweise analysiere ich die Verhaltenspräferenzen des Klienten, um mögliche Spannungsfelder zwischen dessen Persönlichkeit und der Rolle bzw. Aufgabe als Führungskraft im Job aufzuspüren“, erklärt die erfahrene Expertin. Diskrepanzen seien häufig ursächlich für Probleme im Beruf.
Bei Meier ging es um typische Führungsfragen , etwa wie er mit schwierigen Mitarbeitern umgehen solle, wie er Aufgaben delegiert und konkrete Ziele vereinbart, wie die Frequenz der Kontrolle sein sollte und welches Maß von Kontrolle und Vertrauen erforderlich ist, um im Job erfolgreich zu sein. Dass er zusätzlich zu den Präsenzterminen auch Zugriff auf „Coaching just in time“ per Telefon hatte, lernte der Fertigungsleiter sehr schnell schätzen. „Der Austausch mit einem neutralen Sparringspartner und die gemeinsame Reflexion bringt einem sehr viel“, bestätigt er.
Im Rahmen des Coaching erhielt Meier beispielsweise methodische Hinweise, wie die diversen Formen von Mitarbeiter- und Konfliktgesprächen zu führen sind. Zudem sorgte das auch auf die Persönlichkeitsentwicklung ausgerichtete Coaching dafür, dass sich Peter Meier mit seinen inneren Einstellungen und Werten, Stärken und Schwächen sowie Entwicklungspotenzialen auseinandersetzte. „Durch diese Denkanstöße konnte ich meine persönlichen Stärken besser aktivieren und wurde spürbar sicherer im Führungsalltag, besonders in Konfliktsituationen“, so der 45jährige Fertigungsleiter. Aufgrund der vertrauensvollen Zusammenarbeit wurden auch strategische Ziele des Fertigungsleiters besprochen, etwa welche Ziele er mit dem Werksleiter für das kommende Jahr vereinbaren kann.
Als hilfreich erwiesen sich auch die „Hausaufgaben“, die Klein ihm jedes Mal stellte. „Diese Aufgaben muss der Coachee bis zum nächsten Gespräch lösen, um seinen Zielen jedes Mal ein Stück näher zu kommen“, erklärt sie. Dahinter steckt die Idee, dass die Veränderung nicht während der Coachingsitzung, sondern während des Arbeitsalltags stattfindet.
„In der Coaching-Arbeit ist wichtig, den Coachee möglichst eigenverantwortlich an sich arbeiten zu lassen“, so die Expertin. Offene W-Fragen, zirkuläre und hypothetische Fragen z.B. „Woran würden Ihre Mitarbeiter zuerst merken, dass es Ihnen leichter fällt, mit Ihnen ein Konfliktgespräch zu führen?“ ermöglichen es dem Coachee, neue Perspektiven einzunehmen.
Erst kürzlich endete das vereinbarte Coaching. Denn so kurz wie möglich, aber so lange wie nötig, war schließlich die Vereinbarung. Zum Abschluss überprüften Klein und Meier, ob die vereinbarten Ziele erreicht wurden. „In unserem Betrieb hat sich die Produktivität spür- und messbar erhöht, das Team arbeitet insgesamt runder, ich selbst führe sicherer und bin im Umgang mit Konflikten deutlich gelassener, weil ich mein Handlungsrepertoire erweitert habe“, bestätigt der Fertigungsleiter. Ziel erreicht!
Checkliste: Was einen guten Coach auszeichnet
- zu Beginn den Rahmen und Auftrag klärt,
- sich auf professionelle Kommunikationsmethoden versteht,
- Fragetechniken, Diagnose- und Interventionstools beherrscht,
- für ein emotional positives Lernklima sorgt,
- fähig ist, eine intensive, empathische Beziehung zum Klienten aufzubauen,
- Umfeldbedingungen, etwa Organisationsstruktur und –kultur etc. kennt und beachtet,
- prozess- und ergebnisorientiert arbeitet,
- auf Qualitätssicherung achtet, d.h. sein eigenes Verhalten reflektiert und auch den Prozess dokumentiert.
Quelle: www.steinbeis-beratung.de