In Konzernen gibt es für Change-Vorhaben eigens hierfür aufgestellte Teams. Anders in KMU: Hier muss aufgrund des Mangels an Ressourcen die Unternehmensführung häufig selbst die Überzeugungsarbeit leisten. Die Unternehmensberatung Becker von Buch nennt hier vier Regeln, an denen sich das Management von Change-Projekten orientieren sollte.
Das Wichtigste bei Change-Vorhaben ist, die Mitarbeiter mit an Bord zu holen und von dessen Sinn zu überzeugen. Dass sie den Wandel akzeptieren, reicht nicht. Sie müssen ihn auch unterstützen.
Regel Nr. 1: Genügend Zeit einplanen und soziale Ziele definieren
Im Gegensatz zum klassischen Projektmanagement stehen im Change
Management die Mitarbeiter im Mittelpunkt des Veränderungsprozesses.
Das heißt: Auftauchende Widerstände sind nicht sachlich, sondern
emotional begründet ("den Kollegen X kann ich nicht leiden" oder "das
machen wir schon seit Jahren so und nicht anders"). Umso wichtiger ist
es, bei der Zieldefinition die Stärken und Schwächen jedes Mitarbeiters
zu berücksichtigen, beispielsweise dessen Teamfähigkeit,
Durchsetzungsvermögen, Bequemlichkeit oder Ehrgeiz. Um Reibungsverluste
in Grenzen zu halten, sollten die Veränderungsprozesse gleitend
erfolgen und nicht etwa von einem Tag auf den anderen. Geben Sie den
Mitarbeitern Zeit, sich an die Neuerungen zu gewöhnen. Bleiben Sie aber
auf jeden Fall konsequent bei der Umsetzung Ihrer Zielvorgaben.
Regel 2: Eine dynamische Change-Strategie entwickeln
Tiefgreifende Veränderungen in der Unternehmenskultur gehen nur selten
reibungslos über die Bühne. Vielfach scheitern sie auch ganz, und zwar
dann, wenn die einmal aufgestellte Strategie "ohne Rücksicht auf
Verluste" durchgezogen wird. Dieser Entwicklung lässt sich mit einer
dynamischen Strategie vorbeugen. Dabei wird kontinuierlich das Feedback
aus Mitarbeiterkreisen in die weitere Planung einbezogen. Das
erleichtert nicht nur die Umsetzung, sondern spiegelt auch den Willen
der Unternehmensleitung wider, Wünsche der Mitarbeiter zu
berücksichtigen. Und das ist einer der wichtigsten Schlüssel für
erfolgreiches Change Management.
Regel 3: Die Erfolge messen
Neuerungen einzuführen, nur "weil alle anderen es auch machen", ist
sinnlos. Jeder Change-Prozess verläuft anders, selbst wenn die Ziele
identisch sind. Denn Sie haben es hier nicht mit Verfahren und
Maschinen zu tun, sondern mit Menschen. Und die sind eben
unberechenbar. Deshalb müssen Sie bereits umgesetzte Veränderungen
objektiv bewerten. So ist es durchaus denkbar, dass Sie in die völlig
falsche Richtung marschieren und sich Teilaspekte des Change Management
als Rückschritt erweisen. Hilfreich ist dabei die Einführung der
"Balanced Scorecard" (BSC). Das ist ein Konzept zur Dokumentation der
Ergebnisse aus Messungen der Aktivitäten eines Unternehmens im Hinblick
auf seine Vision und Strategien. Die BSC bietet Führungskräften einen
umfassenden Überblick über die Leistungsfähigkeit und Effektivität der
Organisation. Das Besondere an der BSC ist, dass sie nicht nur die
Finanzperspektive berücksichtigt, sondern auch die menschlichen Aspekte
dokumentiert. Damit ist sie als Hilfsmittel im Change Management
geradezu prädestiniert.
Regel 4: Den Mitarbeitern ein Vorbild sein
Change Management funktioniert nur dann im Sinn des Unternehmens, wenn
die Mitarbeiter davon überzeugt sind, dass die Neuerungen auch für sie
persönlich Vorteile bringen. Beispielsweise die Erhaltung des
Arbeitsplatzes oder der Verbleib am bisherigen Standort, aber durchaus
auch interessantere Aufgaben oder ein höheres Gehalt. Die moralische
Rückendeckung von Chefin oder Chef ist dabei ganz entscheidend. Wer als
Vorgesetzter allen Konflikten möglichst aus dem Weg geht und sich von
der "Basis" fernhält, wird selten auf Akzeptanz stoßen. Zeigen Sie
Flagge, erklären Sie Ihren Mitarbeitern, warum Sie so und nicht anders
entschieden haben. Sie werden sehen: Wer heute mit sich reden lässt,
der wird auch morgen noch was zu sagen haben...
[Quelle:
Becker von Buch]