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Interview, 21.10.2011
Buch-PR
Bestsellerautor wird man nur durch intensive PR-Arbeit
Ein Interview mit Dr. Michael Gestmann
Nicht nur Romanschriftsteller, auch Autoren von Business-Büchern träumen davon, dass ihre Publikation zum Bestseller wird. Unter welchen Voraussetzungen dieser Wunsch Wirklichkeit werden kann, erklärt der promovierte Medienpsychologe und Buch-PR-Experte Dr. Michael Gestmann.

Herr Dr. Gestmann, auf der diesjährige Buchmesse in Frankfurt wurden auch wieder viele neue Business-Bücher vorgestellt. Wovon hängt es ab, dass das ein oder andere Buch zu einem Bestseller wird?

Dr. Michael Gestmann: Zunächst ist deutlich zu sagen: Wer sich als Autor allein auf die Marketingaktivitäten seines Verlags verlässt, wird bitter enttäuscht werden. Die meisten Verlage kümmern sich nur um wenige Top-Autoren, und selbst das häufig mehr schlecht als recht. Meist versenden die Verlage für Businessbücher lediglich eine Meldung, den so genannten „Waschzettel“, an Print- und Onlineredaktionen, das war’s dann. Um gute Verkaufszahlen zu erzielen, muss mehr getan werden.

Was bedeutet das für Autoren?

Dr. Gestmann: Das bedeutet, dass jeder Autor die Vermarktung seines Buches selbst in die Hand nehmen und alle Marketingregister ziehen muss. Sonst dümpelt sein Buch nur so dahin. Und das wäre schade. Denn ein Buch zu schreiben, ist mit einem enormen Aufwand verbunden.

Was empfehlen Sie Autoren, die den Verkauf ihres Buchs ankurbeln wollen?

Dr. Gestmann:  Zunächst ist es wichtig, nicht nur Pressemitteilungen zu versenden, sondern anschließend – zumindest die wichtigsten Redaktionen – abzutelefonieren. Speziell Business-Buchautoren bieten sich in Wirtschaftsmagazinen, Online-, Fach- und Branchenmedienzahlreiche Möglichkeiten, um Artikel mit Buchhinweisen zu veröffentlichen. Wer das konsequent macht, verkauft nicht nur mehr Bücher, sondern erhöht zugleich seinen Experten-Status. Der Erfolg zahlreicher renommierter Berater und Speaker belegt das.

Als da wären?

Dr. Gestmann:  Hans-Georg Häusel zum Beispiel. Sein Erstlingswerk „Think Limbic“ (Haufe Verlag) wurde nur deshalb ein Bestseller, weil Häusel selbst intensiv - mit Agenturunterstützung - die Vermarktung seines Buches forcierte. Der Vorstand der Gruppe Nymphenburg legte damit den Grundstein für seinen Ruf als aktuell führender Neuromarketing-Experte in Europa. Auch Autoren wie Hermann Scherer, Marco von Münchhausen, Lothar Seiwert und viele andere hätten heute nicht den Erfolg, wenn sie das Buchmarketing nicht in die eigenen Hände genommen hätten.

Ist die Vermarktung über die Medien wichtiger als über den stationären Handel?


Dr. Gestmann: Mittlerweile schon, denn Business-Bücher werden überwiegend über Online-Buchhändler verkauft, immer weniger im stationären Handel. Das bedeutet, dass Autoren pfiffige Ideen benötigen, um mithilfe der Medien bekannt zu werden und ihre Bücher zu bewerben. Der Schlagfertigkeits- und Rhetoriktrainer Matthias Pöhm hat sogar eigens die Anti-PowerPoint-Partei gegründet, um auf sich und sein Buch "Der Irrtum PowerPoint: Faszinieren Sie schon oder präsentieren Sie noch“ aufmerksam zu machen. Das Buch stellt das Parteiprogramm dar und kann von Mitgliedern der Anti-PowerPoint-Partei zum Vorzugspreis bezogen werden. Tatsächlich berichteten die Medien weltweit über Pöhms Initiative, selbst The New York Times, Neue Züricher Zeitung, The Times, Guardian, CNN, Süddeutsche Zeitung, Financial Times u.v.w.. Gut für sein Image, gut für den Abverkauf seines Buchs.

Lassen sich Bücher auch über das Social Web verkaufen?

Dr. Gestmann: Natürlich. Doch der Aufwand, der dafür betrieben werden muss, ist immens und wird häufig unterschätzt. Zu empfehlen ist Autoren dennoch, ihr Buch bei den relevanten Communities und Blogs bekannt zu machen. Es gibt zig Portale und Blogger, die Bücher rezensieren und vorstellen. Auch Gastbeiträge, eine Fanpage auf Facebook und sehr geschicktes Storytelling beeinflussen die Vermarktung eines Buches im Web positiv.

Ist ein Direktmarketing ebenfalls zu empfehlen?

Dr. Gestmann:  Ja, gerade Business-Bücher eignen sich dafür. Wohl jeder Berater/Trainer verfügt über einen großen Verteiler ehemaliger Teilnehmer, Kunden und Interessenten. Diesen sollte er für Direktmarketingaktivitäten nutzen. Auch in Vortragsveranstaltungen und Seminaren lassen sich Bücher sehr gut direkt verkaufen.

Immer häufiger verlegen Autoren ihre Bücher im Eigenverlag oder als E-Book. Wie erfolgversprechend ist eine solche Strategie?

Dr. Gestmann: Wer im Eigenverlag veröffentlicht, sollte sich im Klaren sein, dass er die Werbetrommel für sein Buch noch heftiger schlagen muss. Das bedeutet einen erheblichen zeitlich und finanziellen Aufwand. Doch den scheuen viele. Allerdings wird das Buch dann zu einem Totalflop. Bei E-Books ist es ähnlich, da sie, anders als in den USA, hierzulande noch ein kümmerliches Dasein fristen.

Was für einen abschließenden Ratschlag würden Sie Business- bzw. Fachbuchautoren geben?

Dr. Gestmann: Egal, für welchen Weg des Buchmarketing sich ein Autor entscheidet, ob Public Relations, Internet- und/oder Direktmarketing: Er muss diesen Weg konsequent und über einen längeren Zeitraum gehen. Nur dann lässt sich das vorhandene Absatzpotenzial eines Buches optimal ausschöpfen.

ZUM AUTOR
Über Dr. Michael Gestmann
Dr. Gestmann & Partner
Michael Gestmann wurde im Bereich Medienpsychologie an der Universität zu Köln promoviert. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit dem Thema Medienwirkung und den Möglichkeiten der crossmedialen Vernetzung von Print- und ...
Dr. Gestmann & Partner
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