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Pressemitteilung

Bei der Firmengesundheit gibt's deutliche Unterschiede: KMU brauchen andere Angebote als Großunternehmen

Eine neue Studie bringt es auf den Punkt: Bislang wurden die kleinen Firmen fälschlicherweise "in die Ecke" gestellt.
(PM) Vilsbiburg, 04.08.2015 - Der Start des Präventionsgesetzes weist der Firmengesundheit eine noch nie da gewesene Bedeutung zu: Nicht zuletzt ist die betriebliche Gesundheitsvorsorge ein wichtiger Beitrag zur Bewältigung des demographischen Wandels. Dabei werden allerdings die kleineren Betriebe von der Politik in der Öffentlichkeit recht häufig in die Ecke der Nichtstuer gedrängt. Ignoriert wird dabei, dass Unternehmen je nach Größe deutlich unterschiedliche Anforderungen an das Thema „Gesundheit im Betrieb“ haben:

In Deutschland gibt es rd. 3,71 Mio. Unternehmen, davon beschäftigen nur etwa 13.000 Unternehmen mehr als 249 Mitarbeiter. Der Rest von 3,7 Mio. Betrieben, häufig auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) genannt, beschäftigen deutlich weniger Mitarbeiter. Insgesamt arbeiten immerhin rd. 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in KMU. Allein über 3,3 Mio. Unternehmen beschäftigen weniger als 10 Mitarbeiter, weitere rd. 260.000 Unternehmen beschäftigen zwischen 10 und 49 Mitarbeiter und knapp 57.000 Unternehmen zwischen 50 und 249 Mitarbeiter.

Letztendlich haben nur 60.000 Unternehmen mehr als 100 Mitarbeiter. Und die meisten BGF-Pflichtangebote der gesetzlichen Krankenkassen fokussieren nur diese Gruppe. Den kleineren 3,7 Mio. Betrieben "halfen" diese Angebote noch nie: Sie konnten wg. zu geringer Belegschaften aus Datenschutzgründen beim Einsatz von Gesundheitsfragebögen nie mitmachen.

Zudem stehen sie auch vor anderen Herausforderungen: Während die Großunternehmen z.B. ihre Produktion in das Ausland verlagern können, seit Jahrzehnten die Möglichkeiten haben günstigere Anlernkräfte mit Hilfe einer lautstarken Lobby aus dem Ausland anzuheuern - da kommen gehaltsmäßig 2-3 bis 30Jährige auf einen teuren Inländer über 50 Jahre (Quelle: Compensation-online) - und von der Rente mit 63 nunmehr zusätzlich kostenseitig entlastet werden, müssen die kleinen Betriebe ihre Schlüsselkräfte und meistens auch Inhaber bis zu einem Alter von 65, 67 oder 70 zwangsweise „halten“.

Da ist dann ein ganz anderes Angebot für „Gesundheit im Betrieb“ (Firmengesundheit) notwendig. Beispielsweise das Lösen von aktuellen Brennpunkten und kein Zumba-Kurs für 30Jährige wie bei von Versorgerkassen organisierten und medienwirksam in Szene gesetzten Gesundheitstagen.

Vor dem Hintergrund ihrer Online-Umfrage bei Gesundheitsanbietern („Produktivitätsfaktor Gesundheit: Märkte, Trends und Potentiale für Prävention, individuelle und betriebliche Gesundheitsförderung“) haben die Experten der dostal & partner management-beratung gmbh, Vilsbiburg, die tatsächlich relevanten BGM-Anbieterbranchen abgeleitet (Abbildung). „Da sieht man schnell,“ so der Chef der Beratungsfirma Adrian W.T. Dostal, „dass für die Krankenkassen bei den kleineren Betrieben kein Platz ist, allenfalls der einer Organisationsplattform für mittelgroße Betriebe. Ansonsten müssen die Kleineren die entsprechenden Gesundheitsanbieter auf Augenhöhe in ihrer Region finden.“

Allerdings, so die Vilsbiburger Experten, müssen sich diese Anbieter aus dem Zweiten Gesundheitsmarkt mehr als bisher vernetzen um von ihren potentiellen betrieblichen Kunden überhaupt wahrgenommen zu werden. Die großen Unternehmen präferieren dagegen, so die Studie, den Einstieg über ein gesamthaftes BGM-Konzept, i.d.R. in der Zusammenarbeit mit Krankenkassen. Allerdings werden auch hier recht schnell Nicht-Kassenmitarbeiter, sprich Anbieter i.d.R. aus dem Zweiten Gesundheitsmarkt, in der tatsächlichen Umsetzung herangezogen

Diese Fokussierung der Großunternehmen überrascht kaum, da dort per se häufiger langfristige Konzepte das unternehmerische Handeln bestimmen. Hier sind als Einstiege auch Einzelprojekte zur Sensibilisierung des Führungskreises und zur Mobilisierung der Mitarbeiter unter den Top 3, so die Vilsbiburger Forscher. Bei den Motiven liegt die kostenschonende „Reduzierung der Arbeitsunfähigkeitszeiten“ auf Platz 1, die Kleinstunternehmen setzen dagegen das Motiv „Beitrag zum Risikomanagement“ an die erste Stelle. Auch das zweitwichtigste Motiv bei Betrieben ab 100 Mitarbeitern, das „Steigern der Attraktivität als Arbeitgeber“ (Man will eben beim „War of talents“ beim Nachwuchs punkten), spielt bei ihnen überhaupt keine Rolle. Bei den kleinsten Betrieben spielt das dagegen gut wie überhaupt keine Rolle.
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