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DVE Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.
Pressemitteilung

Bei Konzentrationsschwäche: ergotherapeutisches Gruppenkonzept für Kinder ‚Ich bin stark‘

Kommen Kinder in der Schule nicht gut mit, ist das für Eltern ein Alarmsignal. Oft führen sie oder die Lehrer dies auf eine Konzentrationsschwäche zurück. Die wenigsten Kinder und Jugendlichen haben eine organisch bedingte Konzentrationsschwäche
(PM) Karlsbad, 08.07.2015 - „Meist liegen andere Gründe vor, die sich nach außen durch fehlende Aufmerksamkeit zeigen. Die wahren Ursachen finden und behandeln wir mit dem Gruppenkonzept ‚Ich bin stark‘ für sechs- bis zwölfjährige Kinder.“, berichtet Sara Hiebl, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.). Die erzielten Erfolge sprechen für sich.

Kinder haben es nicht einfach. Der gesellschaftliche Konkurrenzkampf überträgt sich schon früh auf sie und vielen gelingt es nicht mehr, sich selbst und ihr Können wertzuschätzen. In der Schule nimmt der Leistungsdruck weiter zu: In der dritten Klasse die Entscheidung, ob sie es auf das Gymnasium schaffen; dort Schnelligkeit und Verdichtung, auch durch G8. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen, spiegelt sich im Verhalten der Kinder. Die, die laut und aggressiv sind, machen durch auffällige Verhaltensweisen auf sich aufmerksam. Aber noch mehr muss man auf die achten, die das genaue Gegenteil sind: leise, in sich gekehrt oder schüchtern. „Die Bandbreite der Verhaltensprobleme und emotionalen Schwierigkeiten, die eine fehlende Konzentration bewirken, ist groß.“, beschreibt die Ergotherapeutin Hiebl ihre kleinen Klienten, die beispielsweise wegen ihrer sozialen Schwierigkeiten ihre Meinung nicht vertreten können. Oder sich nicht trauen, um Hilfe zu fragen und dann in der Schule sitzen und nicht Bescheid wissen. Sie melden sich nicht, können nicht einfordern, was sie brauchen oder wissen müssen. Das führt dann in der Schule ebenso wie zu Hause zu immensen Belastungen. Die Kinder sitzen stundenlang an den Hausaufgaben, können sich nicht selbst organisieren, sind struktur- und planlos.

Praxisbezogenes ergotherapeutisches Konzept

Speziell zur Behandlung dieser Kinder hat die Ergotherapeutin Sara Hiebl zusammen mit ihrer Kollegin Mona Münchsmeier das Konzept ‚Ich bin stark‘ entwickelt. „Unser Ziel war, ein ergotherapeutisches Konzept zu kreieren, das ebenso die kognitiven wie die emotionalen und sozialen Fertigkeiten verbessert und im Alltag greift.“, erläutert sie die Idee. In der Praxis sieht das so aus: Vor der Gruppentherapie steht die Einzeltherapie und dabei verschaffen sich die Ergotherapeuten als erstes gemeinsam mit den Eltern einen Einblick in die Verhaltensweisen des Kindes und die familiäre Situation, die zum Beispiel wegen einer Trennung oder eines Umzugs nicht selten eine der Ursachen für die Probleme ist. Ein weiterer, wichtiger Aspekt, den sie – und das ist kennzeichnend für die Ergotherapie – erfragen, ist: Was wünschen sich die Eltern? Oft geht es darum, das Selbstbewusstsein zu stärken und die Konfliktfähigkeit zu verbessern. Oder dass das Kind lernt, auf Erwachsene, wie zum Beispiel die Lehrer, zuzugehen. In der Ergotherapie geht es immer darum, alle Sichtweisen zu haben. Daher befassen sich die Ergotherapeuten ebenso intensiv mit dem Kind, finden dessen Wünsche und Ziele heraus.

Ergotherapie Stärkt Kindern den Rücken…

Die Kinder können sehr gut differenzieren, ob es ihnen wichtiger ist, weniger Streit zu haben und Freunde zu finden. Oder sich mehr zuzutrauen und sich im Unterricht zu melden. Nach mindestens sechs Einzelstunden in der Ergotherapie können die Kinder in eine Gruppe aufgenommen werden. Bis dahin heißt es, sie zu stabilisieren. In enger Kooperation mit den Eltern, die ebenfalls klare Verhaltensregeln für Zuhause erlernen, arbeiten die Ergotherapeuten konsequent daran, das Selbstvertrauen zu festigen und ermöglichen, dass sich das Kind positiv erfährt und wahrnimmt.

…steigert ihre sozialen Fähigkeiten und verbessert ihr Verhalten

Läuft es zuhause erst einmal entspannter, kann das Kind – sofern seine Gruppenfähigkeit festgestellt wurde – mit anderen zusammen an seinen sozialen, emotionalen und kognitiven Fähigkeiten arbeiten. Das Konzept ‚Ich bin stark‘ sieht vor, eine alters- und themen-homogene Gruppe aus fünf Kindern und zwei Ergotherapeuten zu bilden. „So ist immer gewährleistet, dass die Gruppe gemeinsam an den zuvor besprochenen Zielen für die Ergotherapie-Stunde arbeitet, selbst wenn einer ausbricht. Der zweite Ergoherapeut kann dann direkt in der Situation die Beziehungsarbeit leisten und das Verhalten des Kindes spiegeln, mit „Daumen rauf oder runter“ oder einem passenden Smiley. Und dann mit ihm ein alternatives Verhalten erarbeiten.“, so die mit Kindern erfahrene Ergotherapeutin Hiebl. Das ist wichtig, wenn später die Kinder gemeinsam reflektieren: Was hat gut geklappt, wo habe ich mich angestrengt, welche Stärken habe ich eingebracht? Damit bekommen sie eine andere Definition von Leistung, weil sie sehen, dass sie durchaus etwas können. Ebenfalls besprechen sie, was sie sich für die nächste Stunde wünschen, was die Eltern, was die Lehrer von ihnen erwarten.

Informationen zu den Behandlungsfeldern der Ergotherapie erhalten Interessierte bei den Ergotherapeuten vor Ort; diese sind über "Therapeutensuche" im Navigationspunkt „Service“ des DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) auf www.dve.info zu finden.
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Der Deutsche Verband der Ergotherapeuten e.V. (DVE) ist seit seiner Gründung im Jahre 1954 der maßgebliche Berufsverband aller Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten in Deutschland. Zu seinen mehr als 12.000 Mitgliedern zählen in ...
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