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News, 02.07.2008
Bauwirtschaft
Tahlfahrt im Wohnungsbau scheint erst einmal gestoppt
Das Wohnen in den eigenen vier Wänden scheint für die Deutschen längst nicht mehr so attraktiv: Die deutschen Häuslebauer werden immer weniger. So ging die Zahl privater Bauvorhaben im letzten Jahr massiv zurück. Die Bauwirtschaft blickt dennoch optimistisch in die Zukunft – zumal die Talfahrt im privaten Wohnungsbau zumindest für den Augenblick gestoppt scheint.
2007 sank die Anzahl der erteilten Baugenehmigungen für Wohnungen und Einfamilienhäuser in Deutschland auf einen neuen Tiefstand: Hatten die Bauämter im Jahr 2006 noch 248.000 Bauvorhaben bewilligt, so waren es im letzten Jahr nurmehr rund 182.000. Damit hat sich die Anzahl der erteilten Baugenehmigungen innerhalb nur eines Jahres um 22 Prozent in Ostdeutschland und um 27 Prozent in Westdeutschland verringert, wie aktuell das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln berichtet.

Seitdem hat sich die Situation im deutschen Wohnungsbau nicht wesentlich gebessert. So habe sich einem Bericht der Bundesvereinigung Bauwirtschaft zufolge zwar die Zahl der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser zu Beginn des Jahres im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht. „Eine Erholung im Wohnungsneubau leitet sich daraus jedoch nicht ab, höchstens eine Stabilisierung auf einem zu niedrigen Niveau“, meint Karl-Heinz Schneider, Vorsitzender des Branchenverbandes.

Neben dem Auslaufen der Eigenheimzulage sind es dem IW Köln zufolge vor allem die steigenden Kosten, die dem geneigten Eigenheimbesitzer die Lust aufs Eigenheim verleiden. „Während die Preise für bestehende Immobilien stagnieren oder sogar fallen, ziehen die Baukosten aufgrund immer höherer Rohstoff- und Energiepreise kräftig an – allein zwischen Anfang 2006 und 2008 um 10,9 Prozent“ so das Institut in einem jüngst veröffentlichten Bericht.

Zudem scheint auch beim Thema „C02-Gebäudesanierung“ nicht alles gold, was vordergründig glänzt. Zwar wurden in den letzten beiden Jahren rund 400.000 Wohnungen deutschlandweit saniert. Bliebe es jedoch bei diesem Tempo, so der Branchenverband in einer jüngsten Meldung, würde es fast 200 Jahre dauern bis alle 40 Millionen Wohnungseinheiten in Deutschland energetisch modernisiert wären. So muss die Politik laut Schneider bei diesem Thema Augenmaß beweisen: „Technisch ist heute vieles möglich, allerdings kann der dabei entstehende Aufwand die Kostenbelastung des Wohnungseigentümers in eine nicht tragbare Größenordnung wachsen lassen“, erklärt der Vorsitzende.

Um die Investitionsbereitschaft privater Eigentümer zu erhöhen, fordert Schneider einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für seine Branche. Dass sich die Bundesregierung einem solchen Schritt bisher verweigert, stößt beim Verbandschef auf Kritik: „Durch die Verweigerung der Einführung eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf arbeitsintensive Bauleistungen ab 2010 verzichtet Deutschland auf die Schaffung einer großen Zahl von Arbeitsplätzen“, so Schneider. Darüber hinaus plädiert der Vorsitzende für eine Änderung des Mietrechts. Hauptkritik sind die weitreichenden Beschränkungen, den Modernisierungsaufwand auf Mieter umzulegen bzw. mit der Miete zu verrechnen.

Hinzu kommt noch die schlechte Zahlungsmoral, die viele Firmen aus der Bauwirtschaft inzwischen schwer belastet. „Viele Bauunternehmen kommen wegen unberechtigter Zahlungsverzögerung oder gar Forderungsausfällen in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten, gegen die sie sich mit den derzeitigen gesetzlichen Mitteln nicht wehren können“, berichtet Schneider. So können laut einer aktuellen „Creditreforum“-Umfrage nur vier von zehn der größeren Baubetriebe (38%) einen pünktlichen Zahlungseingang vermelden. „Diesen unhaltbaren Zuständen einer Zahlungsverweigerung mit fadenscheinigen Begründungen“ müsse, so fordert der Verbandschef, durch eine schnelle Verarbschiedung des Forderungssichergesetzes ein Riegel vorgeschoben werden

Ungeachtet aller Schwierigkeiten blickt die Branche dennoch optimistisch in die Zukunft. So erwartet die Bundesvereinigung Bauwirtschaft 2008 beim Umsatz einen Zuwachs von 2,1 Prozent auf 180 Milliarden Euro. Dabei wird sich nach Einschätzung des Branchenverbands die Anzahl der Beschäftigten geringfügig auf 2,73 Millionen Menschen erhöhen.

Quellen: Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln / Bundesvereinigung Bauwirtschaft

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