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News, 03.01.2012
Hungerlöhne trotz Tarifvertrag
Tariflöhne oft unter Mindestlohn-Niveau
Tarifverträge schützen nicht vor Hungerlöhnen. So schreiben nicht wenige Flächentarifverträge in Deutschland nach wie vor Lohnuntergrenzen fest, die unter dem derzeit diskutierten Mindestlohn-Niveau liegen.
Weit verbreitet sind Niedrigstlöhne unter anderem im Bäcker- und Konditorenhandwerk.
Weit verbreitet sind Niedrigstlöhne unter anderem im Bäcker- und Konditorenhandwerk.
In vielen Branchen erhalten Arbeitnehmer noch immer Niedrigstlöhne, die kaum zum Leben reichen. Und das auf Basis von Tarifverträgen. Das ergab jetzt eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes von mehr als 600 Flächentarifverträgen in Deutschland. So legten dem Statistikamt zufolge „nicht wenige Tarifverträge Verdienstuntergrenzen von unter 8,00 Euro fest.“ In einigen Branchen sahen die Tarifverträge im Dezember 2011 sogar Lohnuntergrenzen von unter 6,50 Euro je Arbeitsstunde vor. Betroffen von niedrigeren Tarifverdiensten sind demnach insbesondere gering qualifizierte Beschäftigte, allen voran im Gartenbau und in der Landwirtschaft sowie im Handwerk und in Dienstleistungsbranchen.

Besonders niedrigere Tarifverdienste weist das Ernährungsgewerbe auf, wie etwa das Konditorenhandwerk in Bayern mit einem tariflichen festgelegten Einstiegslohn je Stunde von 5,37 Euro oder auch das Fleischhandwerk in Sachsen, das als unterste Verdienstschwelle für Arbeitskräfte 6,00 Euro pro Arbeitsstunde vorsieht. Im Gartenbau sieht es kaum besser aus. Hier sehen die Tarifverträge, wie etwa in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und in Niedersachsen mit einer Lohnuntergrenze von 6,50 Euro, ebenfalls Löhne unter dem Mindestlohn-Niveau vor. Auch im Hotel- und Gastgewerbe lassen die Tarifverträge Raum für Billigstlöhne (Brandenburg: 6,29 Euro/St.;  Thüringen: 6,50 Euro/St.;  Nordrhein-Westfalen: 6,74 Euro/St.). In vielen anderen Dienstleistungsbranchen zeigt sich ein ähnliches Bild, wie beispielsweise im Friseurhandwerk (Schleswig-Holstein: 6,00 Euro), in der Textilreinigung (neue Länder: 6,73 Euro), in der Zeitarbeit (neue Länder: 7,01 Euro) sowie im Einzelhandel (Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen: 7,23 Euro). In einigen Branchen der Industrie, wie etwa der Schuhindustrie (Rheinland-Pfalz, Saarland: 6,35 Euro) oder der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie (Thüringen: 7,54 Euro) wurden ähnlich niedrige Tarifverdienste vereinbart.

„Zwar gelten die untersten Vergütungsgruppen meist nur für gering qualifizierte Beschäftigte, aber auch Fachkräfte verdienen in einigen Branchen wenig“, erklärte das Statistikamt. So sähen beispielsweise die Tarifverträge im Bäcker- und Konditorenhandwerk in Mecklenburg-Vorpommern für Gesellen einen Anfangsverdienst von 6,97 Euro vor. Im Friseurhandwerk Schleswig-Holstein erhalten Beschäftigte mit bestandener Gesellenprüfung am Anfang ebenfalls gerade einmal 7 Euro in der Stunde. Ausgebildete Hotel- und Restaurantfachleute sowie Köchinnen und Köche erhalten laut Tarifvertrag in Thüringen am Anfang einen Stundenlohn von 8,04 Euro, in Hamburg 8,27 Euro und in Nordrhein-Westfalen 9,38 Euro. In der Zeitarbeit wurde für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung als Untergrenze ein tariflicher Stundenlohn von 8,71 Euro in den neuen Ländern und 9,97 Euro im früheren Bundesgebiet vereinbart.

Lediglich in zehn Branchen – darunter vier Baubranchen – gelten derzeit allgemeinverbindliche Mindestlöhne, deren Höhe je nach Branche zwischen 6,53 bis 11,53 Euro je Arbeitsstunde liegt. Dabei wiesen dem Statistikamt zufolge in den alten Bundesländern die Wäschereidienstleister und zum größten Teil der Wach- und Sicherheitsgewerbe Mindestlöhne unter der 8-Euro-Schwelle aus. In den neuen Ländern unterschreiten dieses Mindestlohn-Niveau die Pflegebranche und die Gebäudereinigung.
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