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News, 21.08.2009
Arbeitsmarkt
Immer mehr atypische Beschäftigungsverhältnisse
In Deutschland werde immer mehr normale Arbeitsverhältnisse durch sogenannte atypische Beschäftigungsverhältnisse in Form von Zeitarbeit, Teilzeit und befristeter Arbeitsverträge ersetzt. Leidtragende sind wie immer die Beschäftigten: Einem Bericht des Statistischen Bundesamts zufolge erhält rund jeder zweite von atypischer Beschäftigung betroffene Arbeitnehmer ein Gehalt, das unterhalb der OECD-Niedriglohngrenze liegt.
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) heute in Frankfurt mitteilte, hat sich der Anteil atypischer Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland seit 1998 deutlich erhöht. Das geht aus den Ergebnissen des Mikrozensus, der amtlichen Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland, hervor. Danach stieg der Anteil der in atypischer Beschäftigung tätigen Arbeitnehmer seit 1998 von 16,2 Prozent auf 22,2 Prozent im Jahr 2008. Gleichzeitig sank der Anteil normaler Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland: Während 1998 noch fast drei Viertel (72,6%) der deutschen Arbeitnehmer in normalen Arbeitsverhältnissen tätig waren, traf dies 2008 auf nurmehr zwei von drei Beschäftigten in Deutschland zu.

Unter einem Normalarbeitsverhältnis versteht man ein Beschäftigungsverhältnis, das unbefristet und voll sozialversicherungspflichtig ist, und des Weiteren mindestens die Hälfte der wöchentlichen Arbeitsstunden einer Vollzeitkraft umfasst. Ein weiteres Kriterium für ein normales Arbeitsverhältnis ist, dass der Beschäftigte direkt in dem Unternehmen arbeitet, mit dem er einen Arbeitsvertrag hat, was bei Zeitarbeiter/innen nicht der Fall ist. Sind eines oder mehrere von diesen vier Kriterien nicht erfüllt, spricht man von atypischer Beschäftigung. Neben der Zeitarbeit hierzu zu zählen sind Teilzeit-Beschäftigungsverhältnisse mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden oder weniger, geringfügige Beschäftigungen sowie befristete Arbeitsverhältnisse.

Zeitarbeit geht meist mit Niedriglohn einher

Nach Ergebnissen der letzten, im Jahr 2006 durchgeführten Verdienststrukturerhebung erhielt rund jeder zweite deutsche Arbeitnehmer, der sich in diesem Jahr in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis befand, einen Bruttostundenlohn, der unter der von der Organisation für ökonomische Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) definierten Niedriglohngrenze lag. Danach gilt ein Lohn als Niedriglohn, wenn der Stundenlohn des Arbeitnehmers mehr als zwei Drittel unterhalb des Medians aller erfassten Bruttostundenlöhne liegt. Im Jahr 2006 lag diese Grenze bei einem Bruttostundenlohn von 9,85 Euro. Beschäftigte, die weniger erhielten, waren demnach Niedriglohn-Empfänger.

Am weitesten verbreitet waren Niedriglöhne im Bereich der atypischen Beschäftigungsverhältnisse laut Destatis im Jahr 2006 bei den geringfügig Beschäftigten: Mehr als acht von zehn Beschäftigten aus dieser Gruppe waren Niedriglohn-Empfänger (81,2%). Auch im Bereich der Zeitarbeit sind Niedriglöhne praktisch Standard, wonach sich hier im untersuchten Jahreszeitraum gut zwei Drittel der Beschäftigten mit einem Niedriglohn zufrieden geben mussten. Ein gegenteiliges Bild zeigt sich dagegen bei Beschäftigten in Teilzeit mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden oder weniger, von denen gerade einmal jeder Fünfte einen Niedriglohn bezog.

Atypische Beschäftigung erhöht die Armutsgefährdung

Wenngleich nach Auskunft von Destatis bei den Ergebnissen zu berücksichtigen sei, dass ein Niedriglohn nicht zwingend zu einer Armutsgefährdung führe, da hierbei auch soziale Transferleistungen und die Haushaltszusammensetzung eine Rolle spielten, zeigt die Auswertung des Mikrozensus für 2008 doch deutlich, dass durch Niedriglöhne die Gefahr von Armut erheblich steigt. Danach waren rund ein Siebtel aller Arbeitnehmer (14,3%) in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis armutsgefährdet und somit zehnmal mehr als dies bei jenen mit einem Normalarbeitsverhältnis der Fall ist: Hier lag 2008 der Anteil der von Armut gefährdeten Personen lediglich bei 3,2 Prozent. Auf die Gesamtheit aller Beschäftigten bezogen waren laut Destatis 6,2 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland von einer Armutsgefährdung betroffen.

[Quelle: Statistisches Bundesamt]
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