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News, 16.12.2011
Arbeit wieder billiger
Arbeitskosten in Deutschland gesunken
Die Arbeitsstunde hat sich im dritten Quartal in Deutschland auf Quartalssicht erstmals seit Beginn des Jahres wieder verbilligt. In diesem Kontext ergab jetzt eine Studie, dass Deutschland im Boomjahr 2010 einen weitaus geringeren Anstieg der Arbeitskosten verzeichnete als der Durchschnitt der EU-Mitgliedsstaaten.
Nach einer IMK-Auswertung stiegen die Arbeitskosten in den vergangenen zehn Jahren im EU-Durchschnitt fast dreimal stärker als in Deutschland.
Nach einer IMK-Auswertung stiegen die Arbeitskosten in den vergangenen zehn Jahren im EU-Durchschnitt fast dreimal stärker als in Deutschland.
Die Arbeitskosten am Wirtschaftsstandort Deutschland sinken wieder. Wie das Statistische Bundesamt  bekannt, lagen die Kosten je geleisteter Arbeitsstunde im dritten Quartal saison- und kalenderbereinigt um 0,9 Prozent unter dem Vorquartalsniveau. Dabei verringerten sich die Kosten für Bruttolöhne und –Gehälter im Vergleich zum Vorquartal um 0,8 Prozent und die Lohnnebenkosten um 1,4 Prozent. In den beiden Vorquartalen hatten sich die Arbeitskosten auf Quartalssicht noch erhöht. Binnen Jahresfrist hat sich die Arbeitsstunde dem Statistikamt zufolge allerdings verteuert. So mussten Arbeitgeber  im dritten Quartal je geleisteter Arbeitsstunde durchschnittlich 2,9 Prozent mehr zahlen als im Vergleichszeitraum 2010.

Geschuldet war der Rückgang dem Statistikamt zufolge insbesondere  dem deutlichen Rückgang der Arbeitskosten im Verarbeitenden Gewerbe. Hier hatten hohe Tarifabschlüsse und Sondereffekte in Form von Einmalzahlungen im zweiten Quartal die Arbeitskosten auf Quartalssicht um 2,3 Prozent nach oben getrieben. Im Zuge des Wegfalls der Einmalzahlungen im dritten Quartal verringerten sich die Arbeitskosten im Verarbeitenden Gewerbe wieder um 2,6 Prozent.

Wie das Statistikamt weiter mitteilte, stiegen die Arbeitskosten im zweiten Quartal auf Jahressicht in Deutschland, nicht zuletzt aufgrund der durch die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahren bedingten Nachholeffekte bei den Tarifabschlüssen, deutlich stärker als im Durchschnitt der EU. Danach verzeichneten deutsche Arbeitgeber im zweiten Quartal um 4,5 Prozent höhere Arbeitskosten als im Vorjahreszeitraum. In den EU-Mitgliedsstaaten erhöhten sich die Arbeitskosten binnen Jahresfrist dagegen im Durchschnitt nur um 3,4 Prozent. Damit wies Deutschland im zweiten Quartal den sechsthöchsten Anstieg der Arbeitskosten aller EU-Mitgliedsstaaten aus. Den EU-weit stärksten Anstieg der Arbeitskosten verzeichneten Bulgarien (+12,4%), Rumänien (-7,2%) und die Slowakei (+6,5%).  Dahinter folgten Ungarn (+4,9%) und Polen (+4,6%). Einen Rückgang der Arbeitskosten gab es dagegen lediglich in  Griechenland (-3,7%) und Portugal (-0,8%).

Arbeitskosten 2010 in Deutschland kaum gestiegen

Der langjährige Trend, demnach die Arbeitskosten in der deutschen Wirtschaft deutlich langsamer steigen als im Durchschnitt der EU-Länder, hat sich 2010 in Deutschland fortgesetzt. Das zeigen die Ergebnisse einer vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) veröffentlichte Studie. So stiegen die Arbeitskosten im letzten Jahr in Deutschland mit einem Zuwachs um 0,6 Prozent nur knapp ein Drittel so stark wie im Durchschnitt aller EU-Mitgliedsstaaten, wo sich die Arbeitskosten im Schnitt um 1,7 Prozent erhöhten (Eurozone: +1,6%). Lediglich Griechenland und Irland wiesen gegenüber Deutschland bei den Arbeitskosten noch geringere Wachstumsraten auf. Auch im 10-Jahresvergleich liegt Deutschland deutlich unter dem EU-Durchschnitt: Während sich die Arbeitskosten in Deutschland im Zeitraum 2000 bis 2010 im Durchschnitt nominal um 1,7 Prozent pro Jahr erhöhten, betrug die jährliche Wachstumsrate im Durchschnitt aller EU-Mitgliedsländer 3,3 Prozent und damit nahezu das Doppelte (Eurozone: +2,8%).

Vergleicht man die Entwicklung der Lohnstückkosten in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland und der EU, zeigt sich sogar noch eine größere Diskrepanz. So stiegen die Lohnstückkosten, welche die Arbeitskosten in Relation zur Produktionsentwicklung setzen, in Deutschland zwischen Anfang 2000 und Mitte 2011 um gerade einmal 0,6 Prozent im Jahresmittel, im Euroraum dagegen jährlich mit 1,8 Prozent. „Zwischen 2000 und dem Beginn des Jahres 2008 stagnierten sie sogar“, so das IMK. Die Folge: Während der Durchschnitt der Eurozone-Länder Mitte 2011 gegenüber Anfang 2000 insgesamt um 21,3 Prozent höhere Lohnstückkosten verzeichnete, erhöhten sich in Deutschland die Lohnstückkosten im selben Zeitraum lediglich um 6,8 Prozent.

"Natürlich muss Deutschland international wettbewerbsfähig sein. Es kann seine Leistungsbilanzüberschüsse aber nicht immer weiter steigern. Denn das geht in einer Währungsunion zu Lasten seiner Nachbarn, die wichtige Handelspartner sind", konstatierte Prof. Dr. Gustav A. Horn, wissenschaftlicher Direktor am IMK.  So habe der geringe Anstieg der Arbeitskosten dem IMK zufolge zwar wesentlich zur Rekordentwicklung der Ausfuhren beigetragen, zugleich aber die Balance zwischen Außenhandel und Binnennachfrage in Deutschland geschwächt und die massiven wirtschaftlichen Ungleichgewichte im Euroraum gefördert, so das IMK. Der Wohlstand, den sich Deutschland durch seine Überschüsse erworben habe, "basiert auf den Schulden der anderen", resümierte Horn. "Gesamtwirtschaftlich wären Lohnabschlüsse von nominal 3 bis 3,5 Prozent angemessen."
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