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Pressemitteilung

Anton van Zanten als Finalist für Europäischen Erfinderpreis 2016 nominiert

(PM) München, 09.05.2016 - Ein System, das aktiv bremst und in die Motorsteuerung eingreift und damit Verkehrsunfälle verhindert: Anton van Zanten (75), langjähriger Ingenieur bei der Robert Bosch GmbH, hat das Autofahren sicherer gemacht. Seine Erfindung, das On-Board-ESC-Computersystem – auch als ESP® (Elektronisches Stabilitätsprogramm) bekannt - ist ein Regelsystem zur Verbesserung des Fahrverhaltens. Sobald die Sensoren des ESP eine Diskrepanz zwischen der vom Fahrer gewünschten Fahrtrichtung und der tatsächlichen Bewegungsrichtung des Fahrzeugs erkennen, entschärft das System durch gezieltes Abbremsen einzelner Räder gefährliche Situationen, wie beispielsweise das Ausbrechen des Fahrzeughecks. Ohne diese elektronische Stabilitätskontrolle verlässt in den EU-Mitgliedstaaten und den USA mittlerweile kein Neuwagen mehr die Produktion. Gut zwanzig Jahre hat es gedauert, bis das System patentiert und auf dem Markt realisiert werden konnte.

Für seine Erfindung hat das Europäische Patentamt (EPA) Anton van Zanten als einen von drei Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2016 in der Kategorie „Lebenswerk“ nominiert. Die begehrte Auszeichnung wird am 9. Juni in Lissabon vom Europäischen Patentamt (EPA) zum elften Mal verliehen.

„Das elektronische Stabilitätskontrollsystem ESP hat die Straßen sicherer gemacht und Tausende von Menschenleben auf der ganzen Welt gerettet“, sagte EPA-Präsident Benoît Battistelli bei der Bekanntgabe der Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2016. „Das System ist jetzt obligatorisch in allen neuen europäischen Autos installiert. Anton van Zantens Erfindung ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie eine patentierte Technologie Fertigungsstandards in einer ganzen Branche verbessern kann.“

Fahrzeug bleibt auch in kritischen Fahrsituationen in der Spur

Das ESP ist eine Erweiterung des Antiblockiersystems (ABS). Das ABS verhindert, dass die Räder beim Bremsen komplett blockieren. Dadurch bleibt das Fahrzeug lenkbar. Wenn es ins Schleudern gerät und aus der Kurve getragen wird, hilft ABS jedoch nicht weiter. Hier schaltet sich das ESP ein. Es stabilisiert das Fahrzeug durch einen automatischen Eingriff in das Bremssystem und den Motor, sobald es einen signifikanten Unterschied zwischen der beabsichtigten Fahrtrichtung und der tatsächlichen Bewegungsrichtung des Fahrzeugs ermittelt. Mit Hilfe von Rad- und Motordrehzahl- sowie Beschleunigungssensoren bestimmt das ESP-Steuergerät die nötigen Eingriffe. Es bremst beispielsweise einzelne Räder gezielt ab, um die gewünschte Fahrtrichtung des Autos beizubehalten. Dieser Vorgang geschieht in wenigen Hundertstelsekunden, nachdem eine Diskrepanz erkannt wurde – viel schneller als ein Fahrer in einer Schrecksituation reagieren könnte.

Globaler Industriestandard in Neufahrzeugen: ESP macht Autofahren sicherer
Erstmals wurde das ESP-System im Jahr 1995 in einem Serienfahrzeug von Mercedes-Benz eingesetzt. Seit ihrer Einführung hat die elektronische Stabilitätskontrolle laut einer Unfallstudie von Bosch etwa 260 000 Verkehrsunfälle verhindert und allein in Europa rund 8500 Leben gerettet. Gemäß der US National Highways Traffic Safety Administration (NHTSA) verhindert das ESP ein Drittel der sonst tödlichen Verkehrsunfälle. Dies macht das ESP zum wichtigsten Fahrzeugsicherheitssystem nach dem Sicherheitsgurt. Sowohl in der EU als auch in Australien, Japan, Russland, Israel, Kanada und den USA ist das ESP in allen Neufahrzeugen Pflicht. Die lebensrettende Technologie bietet einen erheblichen Vorteil gegenüber Sicherheitsgurten und Airbags: Das ESP verhindert Verkehrsunfälle, während Sicherheitsgurt und Airbag nur die Verletzungsrisiken mindern.

Bis heute hat Bosch mehr als 150 Millionen ESP-Systeme hergestellt. Das System hat mehr als 110 Auszeichnungen gewonnen – unter anderem wurde van Zanten im Jahr 1999 mit dem Porsche-Preis ausgezeichnet. Weiterer Markterfolg ist vorprogrammiert: In Europa sind bereits 90 Prozent aller Neuwagen sowie leichte Nutzfahrzeuge mit ESP ausgestattet. Weltweit sind es etwa 64 Prozent. Industrie-Analysten prognostizieren, dass der Markt für die Technologie bis zum Jahr 2019 auf 38,4 Milliarden Euro ansteigen wird.

Sein Leben der Verbesserung der Fahrzeugsicherheit gewidmet

Nachdem Anton van Zanten sein Studium in Maschinenbau 1968 erfolgreich in den Niederlanden absolviert hatte, promovierte er an der amerikanischen Cornell Universität. Bereits während seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit den Ideen, die zur Entwicklung des ESP führten. Im Jahr 1977 begann van Zanten seine Karriere bei Bosch mit Fokus auf ABS, bevor er die Entwicklung des ESP vorantrieb. Als das ESP-System im Jahr 1987 erfolgreich getestet wurde, belegte der Computer fast den gesamten Innenraum des Fahrzeugs. Es dauerte bis Mitte der 90er Jahre, bis die Mikroprozessortechnologie eine Miniaturisierung der Bauteile ermöglichte.
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