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News, 15.10.2015
Rhetorik-Spezialist kämpft gegen PowerPoint
Anti-PowerPoint-Partei (APPP) will Welt von PowerPoint befreien
Rhetoriktrainer Matthias Pöhm gehen langweilige Präsentationen so sehr gegen den Strich, dass er politisch dagegen angehen will. Seine Anti-PowerPoint-Partei (APPP) tritt kommenden Sonntag zur Schweizer Parlamentswahl an. Eine originelle Idee - oder Katalysator für organisierten Wahnsinn?
Die Anti-PowerPoint-Partei (APPP) im Netz (Bild: Screenshot-Ausschnitt der Webiste)
Die Anti-PowerPoint-Partei (APPP) im Netz (Bild: Screenshot-Ausschnitt der Webiste)

Von Martina Pahr

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe dafür, eine Partei ins Leben zu rufen. Vom Drang nach Weltherrschaft bis hin zum Dienst an der Gesellschaft ist alles drin. Wer die Welt für optimierbar hält und über die nötige Tatkraft verfügt, fühlt sich unter Umständen berufen, Abhilfe bei dringlichen Problemen zu schaffen.

Dass die Langeweile, die viele bei zwangsverordneten Vorträgen in Beruf und Ausbildung empfinden, zu diesen dringlichen Anliegen zählen, mag überraschen. Wahlschweizer und Rhetorik-Revolutionär Matthias Pöhm sieht das völlig anders: Für ihn ist der "Zwang zur PowerPoint-Präsentation" eine Epidemie, die die ganze Welt ins Elend zu stürzen droht - Folie um Folie.

Traumata und weltwirtschaftlicher Schaden

Schenkt man dem Gründer der APPP Glauben, traumatisiert diese Seuche Schüler, diskriminiert Studenten, untergräbt Motivation, Wirkung und Persönlichkeit und kostet die weltweite Volkswirtschaft 350 Milliarden Euro - und zwar jeden Monat. Diese Unsummen, so Pöhm, werden in Form der Gehälter jener Anwesenden verbraten, die lustlos vor sich hindämmern, weil das "betreute Lesen", das die PowerPoint-Präsentation per se darstellt, jede Form von Aufmerksamkeit im Keim erstickt.

PPP ist das Böse, gegen das Pöhm als Anwalt der Entnervten weltweit ankämpfen will. So wird eine persönliche Abneigung zur Chefsache. Aber wer weiß - wenn ein paar Politverdrossene zu viel (so es sie in der Schweiz überhaupt gibt) aus lauter Übermut die APPP wählen, könnte dies ungeahnte Folgen haben. Ein Sitz im Schweizer Parlament würde unter Umständen das Ende des Lebens, wie wir es kennen, bedeuten - in Büros und Universitäten, auf Schulen und Konferenzen.

Schreckensvision der Zukunft

Man könnte Meetings nicht mehr dazu nutzen, ein wenig Nachtschlaf nachzuholen oder die liegengebliebene Emailkorrespondenz per Smartphone zu erledigen - sondern müsste sich auf den Vortragenden einlassen und ihm tatsächlich zuhören. Denn dessen Blick klebt nicht mehr auf der Folie an der Wand, sondern dringt drohend in die Privatsphäre der Anwesenden ein, indem er sie anschaut, während er spricht.

Der Vortragende wiederum müsste so frei zu sprechen verstehen, dass er sein Anliegen sinnvoll darstellen könnte. Im schlimmsten Fall müsste er sogar wissen, wovon er redet, denn er könnte Inkompetenz nicht mehr mit lässigen Diagrammen und visuellen Effekten kaschieren.

Das gemeinsame Lesen von Folieninhalten müsste als teambildende Maßnahme ersatzlos gestrichen werden.

Da werden jetzt sicher böse Stimmen laut, die Pöhm

  1. Komplizenschaft mit den Herstellern von Flipcharts
  2. einen privaten Rachefeldzug gegen Microsoft
  3. völlige Abgedrehtheit oder
  4. einen pathologischen Zwang zur freien Rede unterstellen.

Schließlich: Wo kämen wir hin, wenn jeder frei reden würde?

Ungeahnte Folgen

Wenn die APPP Erfolg hat, könnte diese Aktion zur Nachahmung anregen - was bizarre Blüten hervorbringen könnte. Wer keinen Kaffee trinken mag, würde auf politischem Wege die Errichtung von traditionellen Teehäusern im Bürogebäude durchsetzen.

Kopierer, die zur unreflektierten Vervielfältigung von möglicherweise nicht vervielfältigungswürdigen Schriften ermutigen, könnten abgeschafft und durch kalligraphisch ausgebildete Schreiber ersetzt werden. Dies wäre vielleicht gar nicht mal schlecht, weil es so Arbeitsplätze für Heerscharen von brotlosen Mediendesignern schaffen würde.

Und wer es leid ist, seine Arbeitszeiten im Büro abzusitzen, weil er im Homeoffice ohne Unterbrechungen und bei vollem Fokus viel effizienter arbeiten könnte, wird Gleichgesinnte um sich scharen - was sich schwierig gestalten dürfte, weil keiner mehr das Haus verlassen würde. Und dann weder für Vorträge noch PowerPoint-Präsentationen zur Verfügung stünde.

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