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News, 27.03.2008
Altersvorsorge
Durch Konsum zur Zusatzrente vom Discounter?
„Noch nie war Altersvorsorge … so einfach“, künden die Protagonisten einer neuen Idee zum Aufbau einer Zusatzrente für den Lebensabend. Das Angebot: Eine fondsgebundene Rentenversicherung, in die nebst einem monatlichen Mindestbeitrag des Versicherten auch Rabatte bzw. Boni von Partnern der Versicherer fließen, falls der Versicherungsnehmer bei diesen Waren oder Dienstleistungen bezieht. Stiftung Warentest hat diese sogenannte „Deutschland RENTE“ unter die Lupe genommen.
„Ganz Deutschland shoppt für die Rente“, titulieren die Anbieter der neuen „Deutschland RENTE“ auf ihrer Website und versprechen eine „renditestarke Rentenversicherung, für die Sie nur einen geringen Monatsbeitrag zahlen.“ Hinter dem Angebot, das die Lebensversicherer Arag, Rheinlandversicherung und Ontos entwickelt haben, steckt eine fondsgebundene Rentenversicherung, die für einen monatlichen Mindestbeitrag von 19,90 Euro abgeschlossen werden kann, kombiniert mit einer originellen Idee, die von der Zeitschrift „FINANZtest“ der Stiftung Warentest wie folgt beschrieben wird: „Wer bei den Partnern der Deutschlandrente wie Versandhäuser, Telefonanbieter, Mietwagenfirmen und Fluggesellschaften über das Internet einkauft, erhält Boni. Diese fließen auf das Rentenkonto: Rabattmarken für die Altersvorsorge.“ Eingebunden in das sogenannte „Plus-Starter-Paket“ der Deutschland RENTE, das seit heute vom Discounter Plus vertrieben wird, ist überdies eine Mastercard-Kreditkarte der Santander Consumer Bank, die – eine entsprechende Bonität des Kunden vorausgesetzt - für einen Jahresbeitrag von fünf Euro erhältlich ist und dessen Inhaber ein halbes Prozent des Kartenumsatzes als Rückfluss auf das Rentenkonto garantiert. In einem Schnelltest hat die Stiftung Warentest die von den Machern als „innovativ“ und „absolut empfehlenswert“ gepriesene Deutschland RENTE genauer untersucht.

Anlagestrategie und -optionen

Angaben der Stiftung Warentest zufolge können Kunden unter drei Anlagestrategien wählen, von denen die hauptsächlich beworbene Variante auf einen einzigen Mischfonds, den UBS Global Allocation, setze. Da dieser noch keine fünf Jahre am Markt sei, gebe es dafür noch keine Finanztest-Bewertung. In der zweiten Variante werde das Geld im Laufe der Zeit von einem Aktienfonds über einen Renten- in einen Geldmarktfonds umgeschichtet. Bei der dritten Variante schließlich habe der Versicherte die Wahl unter mehr als 30 Fonds, von denen er bis zu 10 Fonds wählen könne. Dabei fänden sich in der Fondsauswahl mit den Aktienfonds DWS Akkumula und Carmignac Investissement sowie dem Fidelity European Growth und dem Mischfonds UniRak vier von Finanztest als stark überdurchschnittlich oder überdurchschnittlich eingestufte Fonds (vgl. Fondsdauertest).

Das Fazit: Ein durchschnittliches Angebot und Augenwischerei

Wenngleich FINANZtest das um die Rentenversicherung geschnürte Paket als „originell“ bezeichnet und die Kreditkarte mit einem Jahresbeitrag von fünf Euro „vergleichsweise günstig“ sei, fällt das Ergebnis des Schnelltests angesichts der Versprechungen der Macher eher ernüchternd aus. So seien fondsgebundene Rentenversicherungen teuer, weil Abschlusskosten, Vertriebs- und Verwaltungskosten, sowohl für den Versicherungsanteil als auch für die Fonds, an der Rendite nagten. FINANZtest gibt hierzu zwei Beispiele:

  • 1. Beispiel: Ein 52-Jähriger, der ab 1. Mai monatlich den Mindestbeitrag von 19,90 Euro einzahlt, hat nach Angaben der Anbieter zum frühestmöglichen Rentenbeginn im Mai 2021 ein Kapital von 3 104,40 Euro angespart. Die garantierte monatliche Rente beträgt dann 10,99 Euro. Schlägt sich der Fonds gut, sind bis zu 14,58 Euro drin.
  • 2. Beispiel: Wer im Alter von 37 Jahren einsteigt und 30 Jahre lang 19,90 Euro einzahlt, kann mit einer Rente von 62,84 Euro rechnen. Aber nur dann, wenn die Fonds jedes Jahr um 8 Prozent zulegen. Grundsätzlich kann die Wertentwicklung von Fonds auf einen bestimmten Zeitpunkt hin nicht vorhergesehen werden.

Ein weiterer Nachteil sei laut FINANZtest, dass es Boni nur von den bislang rund 180 Partnern der Deutschlandrente gebe. „Der Versicherte lässt darüber möglicherweise sein Einkaufsverhalten steuern. Er kauft unter Umständen teurer ein, um sich einen Bonus zu sichern“, so das Magazin. Von daher sollten Versicherte nach Meinung der Experten in die Bonuszahlungen und den Beitrag durch die Kreditkartenabrechnung keine großen Erwartungen setzen. So müssten Versicherte rund 2.000 Euro Umsatz tätigen, um 9,90 Euro auf das Rentenkonto zu bekommen.

Als Fazit hält FINANZtest fest: „Die Deutschlandrente ist unter den fondsgebundenen Rentenversicherungen nur ein durchschnittliches Angebot. Die Kreditkarte und das Bonusprogramm sind Marketinggags, aufgrund derer sich niemand für ein solches Produkt entscheiden sollte.“ Sparen für die Rente bedeute nämlich Konsumverzicht. Jede andere Aussage sei Augenwischerei.

Quelle: Stiftung Warentest

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